review: conveyer – when given time to grow

Wenn das führende US-Magazin „Alternative Press“ eine Band als eine der 100 Bands, die man 2015 kennen sollte, bezeichnet, dann sollte ich der neuen Scheibe auch die entsprechende Aufmerksamkeit zukommen lassen. Schließlich wäre es peinlich, wenn ich den nächsten Hype verpasse, nur weil ich diesen Hinweis ignoriert habe. Oder etwa nicht? Im aktuellen Fall dreht es sich um Conveyer und deren neuem Album When Given Time To Grow.

Lange dauert es nicht. Dann hat diese Scheibe meine volle Aufmerksamkeit. Gleich der Opener Shining brettert von Null auf Hundert in nur wenigen Augenblicken. Bissiger Hardcore, der an die guten alten As Friends Rust oder auch Give Up The Ghost erinnert. Nach knapp dreißig Sekunden dann der erste Melodiebogen, die ersten Bandshouts, das Tempo wird gedrosselt, ohne dass die anfängliche Power verloren geht. Der Sänger schreit sich in diesen fast ruhigen Momenten die Seele aus dem Leib, ehe die Drums wieder gefährlich schnell noch vorne brettern. Die Gitarren nehmen das Tempo mit und finden sogar noch Raum, um einen markanten Riff nach dem anderen in den Song zu werfen. Das klingt frisch und lebendig. Aber auch bissig und angepisst. Das ist aufregend, so macht Hardcore Spaß. So wie alle elf Stücke auf diesem Album. Rein musikalisch ist diese Platte eine Bereicherung für jedes Plattenregal.

Aber, ein Blick auf die Texte und die musikalische Euphorie verpufft aufgrund der christlichen Thematik sogleich. Nicht ohne Grund nennen Conveyer ihren eigenen Sound wohl Spirit Filled Hardcore. Aber gut, Hardcore bedeutet schließlich auch sich mit anderen Meinungen auseinander zusetzen und diese zu akzeptieren. Zumindest solange diese gewisse Grenzen nicht überschreiten. Und genau das machen Conveyer dann auch nicht. Hier werden keine Dogmen gepredigt oder gar der nächste Kreuzzug ausgerufen („Avoiding the moral imperative“ aus Haven). Vielmehr geht es hier um eigene Erfahrungen und die rein persönliche Beziehung zu Gott (die Ich-Perspektiv ist die Regel). So zumindest meine Interpretation. Identifizieren kann ich mich damit jedoch überhaupt nicht. Aus Euphorie wird Enttäuschung. Denn Worten zu lauschen, mit denen ich nichts anfangen kann, ist dann doch Zeitverschwendung. Allein aus diesem Grund hat diese Platte keinen Platz in meinem Plattenregal.

Aus meiner Sicht passt die Aussage des „Alternative-Press“ Magazins also nur bedingt. Wer jedoch auf melodischen, aber jederzeit bissig-kratzigem Hardcore steht, und sich mit den Texten anfreunden kann, wird an When Given Time To Grow definitiv Gefallen finden.

Conveyer – When Given Time To Grow

VÖ: 04. September 2015
Label: Victory Records

Tracklist
01. Shining
02. Haven
03. Nothing
04. Waste
05. Cage
06. Eulogy
07. Ruined
08. Resist / Admit
09. Daughter
10. Blister
11. Impatience

Hinweis: Das Cover und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Gordeon Music zur Verfügung gestellt.