reinhören: h2o – use your voice

H2O - Use Your Voice (Artwork)“Nothing to Prove was the record we really found our niche, where we were really like. This is H2O. This is what H2O should be… this is the spirt of the thing. We felt like a brand new band. We felt excited.” Mit diesen Worten wirft H2O-Bassist Adam Black ein Blick zurück ins Jahr 2008. Zahlreiche Konzerte rund um den Globus in den letzten sieben Jahren haben jedoch eindrucksvoll bewiesen, dass dieser Spirit nicht nur Vergangenheit sondern auch Gegenwart bedeutet. Das gilt auch für das neue Album Use Your Voice, das nun via Bridge 9 erscheint.

“It’s nice, seven years after Nothing to Prove, that we can capture those feelings again with this new record.“ Allein das lässt vermuten, dass Use Your Voice genau da weiter macht wo Nothing To Prove vor sieben Jahren einen Schlussstrich zog. Auf der einen Seite hat Adam Black mit diesem Satz definitiv Recht. Denn jeder Song – von Black Sheep bis True Romance – klingt nach einem klassischen H2O-Song. Das natürlich im positiven Sinne. Die Jungs ziehen einfach ihr Ding durch und das seit bereits 20 Jahren. Schnelle Akkordfolgen, Melodien über Melodien, Singalongs, Bandshouts und eine Menge feiner Hooks. Über all dem schwebt pausenlos diese absolut positive Grundstimmung. Eben diese PMA, die keine Band besser rüber bringt als H2O. Trotz der nicht immer fröhlichen Texte haben düstere oder depressive Gedanken keine Chance. Anders ausgedrückt: Geht’s dir schlecht, leg diese Scheibe auf! Die Jungs schaffen es immer wieder, dass ihre Musik und vor allem ihre PMA ansteckend wirken.

Auf der anderen Seite wirkt sich das Songwriting von Adam Blake – nach dem Ausstieg von Todd Morse Anfang des Jahres ist er dafür maßgeblich verantwortlich -aber durchaus auf die Songs aus. So sind die tanzbaren Parts noch zahlreicher und vor allem noch tanzbarer geworden. Zudem gibt es in True Romance ein echtes kleines Gitarrensoli. Sicherlich nur kleine Veränderungen, die jedoch nicht zu überhören sind.

Textlich hingegen bleibt alles wie gehabt. Der Titeltrack als auch Still Dreaming haben deutlich sozialkritischen Charakter. Ob Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Armut oder Rassismus, H20 nehmen mit deutlichen Worten Stellung.

„So many wasted lives, for things we just don’t need. So many have died for our selfish greed.” (aus Use Your Voice) oder “Racism. Poverty. How does this shit still stain our nation.“ (aus Still Dreaming).

Popage hingegen beschreit einmal mehr, dass wir alle mit offen Augen und Herzen durch die Welt laufen sollten und uns für nichts verstecken müssen. Auch nicht für unsere Liebe zu poppigen Radiosongs. Sicherlich ein Song zur Freude aller Tough-Guys. So auch das Liebeslied True Romance, das einmal mehr die romantische Ader der Jungs zeigt. Father Figure ist eher persönlich, identifizieren kann ich mich damit aber doch. Genauso wie mit #NotRealLife. Social Media ist nun mal nicht das richtige Leben. Umso beängstigender ist es, dass immer mehr Menschen in genau diese Scheinwelten flüchten. Aber wenn es alle machen, macht man eben mit. Black Sheep hält mit „My Life, my rules. Can’t tell me what to do.“ dagegen. Das unterschreibe ich gern. Und wer der Ansicht ist, dass Frohnatur Toby Morse nur gute Tage erlebt, wird in LYD eines Besseren belehrt. Doch da ist sie wieder, diese PMA. Auch wenn der Tag beschissen läuft, Think positiv and do the best you can.

Und natürlich darf ein Stück Geschichte nicht fehlen. War das Coveralbum Don’t Forget Your Roots bereits eine Reise zu den Hardcore Wurzeln, nicht nur von H2O, dokumentiert nun das Backcover die musikalischen Wurzeln von Toby Morse, Adam Blake, Rusty Pistachio und Todd Friend. Das Bild auf den Treppen vor einem alten Haus kennt sicherlich jeder, der eine Minor Threat Scheibe im Regal stehen hat.

Nach gerade einmal 22 Minuten ist dann Schluss. Nach sieben Jahren hätte es ruhig ein bisschen mehr sein dürfen. Könnte man meinen. Doch H2O haben alles gesagt was es sagen gibt. Musikalisch wie textlich bewegend und mitreißend. Genau das zählt, mehr braucht es nicht. Und genau aus diesem Grund liebe ich diese Band. In diesem Sinne: H2O GO!

H2O – Use Your Voice

VÖ: 09. Oktober 2015
Label: Bridge 9

Tracklist:
01. Black Sheep
02. Skate!
03. Thick And Thin
04. Use Your Voice
05. Father Figure
06. From The Heart
07. Popage
08. LYD
09. Still Dreaming
10. #NotRealLife
11. True Romance

Hinweis: Das Bildmaterial, eine Promoversion des Albums als auch die Zitate von Adam Blake wurden mir freundlicherweise von Gordeon Music zur Verfügung gestellt.