reinhören: death of youth – s/t

Death Of Youth - AlbumartAuf ihrem Debütalbum zeigen Death of Youth, dass es in ihrer Heimatstadt nicht wirklich was zu lachen gibt. Dabei werden doch jedes Jahr Frohsinn und Klamauk in Mainz auf ungeahnte Höhen getrieben. Doch vielleicht ist auch genau das der Grund, diese Stadt in einem Molotowcocktail in Flammen aufgehen zu lassen. So suggeriert es zumindest das düstere schwarz-weiß Cover. Und wenn selbst das nicht reicht, erledigen die acht Songs auf diesem Album den Rest. Und die Gründe für die musikalische wie textliche Zerstörungswut (“Alles muss kaputt sein“ aus Kaputt) liefern die Jungs selbstverständlich mit.

Diese Stadt ist kalt. Diese Stadt ist leer. Diese Stadt gab auf. Diese Stadt ist wie ich. Ich hasse diese Stadt.

Ein kritischer Blick in den Spiegel. Selbstreflektion. Innere Verzweiflung, weil ein längst gewonnener Kampf wieder verloren geht. Eine brennende Seele. In einer Welt voller Angst und Schmerz. Death of Youth zeichnen alles andere als strahlende Bilder und unterstreichen diese mit einem nicht minder düsteren Klangteppich. Ein chaotischer Mix aus Harcdcore, Punk und Noise reißt in nur knapp zwanzig Minuten alles bis auf die Grundmauern nieder. Wie eine gewaltige Flut, die dann endlich alles mitnimmt (aus Die Nacht von Lissabon). Das klingt brachial und laut. Ein wüster Krach, ein verzweifelt-wütender Gesang, in mitten einer schwarzen, frostigen Atmosphäre. Im Gesamtkontext nur schwer zu verdauen. Dennoch, der Gang durch all diese Ruinen, den Trümmern der Vergangenheit, ist aufregend und interessant. Ist intensiv, ist dunkel, lässt so schnell nicht los. Das nicht zuletzt aufgrund der zumeist recht persönlichen und kritischen Texte. Obwohl kurz und prägnant, erschließt sich deren Inhalt nicht auf den ersten Blick. Doch genau das hat einen gewissen Reiz und lädt dazu ein, sich mit den Lyrics auseinandersetzen. So sicherlich keine Massenware, aber ein Werk mit einem ganz eigenen Sound und hohem Wiedererkennungswert. Und so müssen all jene, denen Death of Youth gleich mehrmals ein „Ihr wollt uns, scheitern sehen“ (aus Scheitern) entgegenschmettern, eingestehen, dass Death of Youth mit diesem Album alles andere als gescheitert sind.

Death of Youth – s/t

VÖ: 28. September 2015 / Vinyl am 16. November 2015
Label: Narshardaa Records (Vinyl)

Tracklist:
01. 55116
02. Kaputt
03. Eine Jugend, die es nicht wert ist, erzählt zu werden.
04. Viva Hate
05. Angst
06. Die Nacht von Lissabon
07. Scheitern
08. Repression

Hinweis: Das Bildmaterial ist Teil des Bandcampdownloads