reinhören: beach slang – the things we do to find people who feel like us

Beach Slang - The Things We Do (Coverartwork)Erst vor einem halben Jahr sorgten Beach Slang mit Broken Thrills (Review) für einen regelrechten Begeisterungssturm. Ein Album (das die ersten beiden EPs der Jungs zusammenfasst), wie gemacht für eine lange Nacht in einem urigen Schuppen mit lauter Musik und jeder Menge Bier. “The night is alive. It’s loud and I’m drunk.” Mit ihrem Debütalbum The things we do to find people who feel like us sorgen die Jungs nun dafür, dass eben jene Nächte erst zu Ende gehen, bis auch das letzte Dirty Light erlischt.

Nächte, in denen James Alex auch weiterhin Geschichten über hoffnungslose Romanzen und über das Anderssein („I’m always that kid always out of place“ aus Bad Art & Weirdo Ideas) erzählt. Über jugendliche Unbekümmertheit, die dem Ernst des Lebens gewichen ist. Über all die verpassten Chancen (Too late to die young), über all die Worte, die man sagen wollte, aber nicht gesagt hat (Noisy heaven). All diesen Schmerz, diesen sehnsüchtigen Blick in die Vergangenheit ertränkt man in einem Pub mit billigen Bier, während ein alter Mann in stiller und trauriger Atmosphäre Liebeslieder singt (aus dem Booklet). Am Tag darauf folgt die nicht minder schmerzhafte Erkenntnis, dass sich die Dinge immer noch genauso anfühlen wie zuvor (Ride the wild haze). Denn „Get high enough to feel alive“ ist auf Dauer auch keine Lösung. Dann den Schmerz doch lieber in mollig warme Songs packen, den Verstärker hochdrehen, härter auf die Snaredrums einprügeln und im Notfall einige Gitarren zerschlagen. Denn genau hier, zwischen all den Songs, in all dem Krach fühlt man sich letztendlich jung, sicher und lebendig („We are awake with hearts to riot. We are young and alive.” aus Young & Alive). Interessant ist, dass diese Geschichten von einem fast 40-jährigen erzählt werden. „Too late to die. Too late to die young.“ Andererseits, vielleicht hilft die Erfahrung des Alters trotz all dem Hype um die Band auf dem Boden zu bleiben. Die Antwort hierfür ist bereits geschrieben: “I never cared if I was cool, fit in or anything. I have an absent mind. I’m never listening.” (aus Ride The Wild Haze)

Vielleicht zelebrieren Beach Slang auch deswegen ein solch wunderbares Geschrammel, das klingt als wäre es vor langer Zeit als Tape aufgenommen werden. Nahezu eine Beleidigung für all die allglatten Produktion der heutigen Zeit. Tatsächlich aber ein Sound, der so schnell nicht mehr loslässt. Verziert mit wundervollen Gitarrenlinien und dem rauchigen Gesang von James Alex, unterlegt mit einer eher düsteren Grundstimmung und einem dezenten Hauch von Melancholie, schlendert The things we do to find people who feel like us mit lauten Gitarren durch druckvollen Indierock. Lässt in Young & Alive und Ride The Wild Haze, die Titel deuten es bereits an, der Liebe für scheppernden Punkrock freien Lauf. Und gönnt sich in Too late to die young, begleitet von Streichern und Klavier, eine wohlverdiente Pause. All das klingt leidenschaftlich, ehrlich und bodenständig. Oder einfach groß und laut. Mit diesem Album wird zumindest die Suche von James, JP, Ed und Ruben erfolgreich sein. In der Zwischenzeit lege ich die Scheibe noch einmal auf…

Beach Slang – The Things We Do To Find People Who Feel Like Us

VÖ: 30. Oktober 2015
Label: Big Scary Monsters / Alive

Tracklist:
01. Throwaways
02. Bad Art & Weirdo Ideas
03. Noisy Heaven
04. Ride The Wild Haze
05. Too Late To Die Young
06. I Break Guitars
07. Young & Alive
08. Porno Love
09. Hard Luck Kid
10. Dirty Lights

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Backstage Broadcast zur Verfügung gestellt.