Konzertbericht: Bane, Code Orange, Wolf Down live in Köln

Seit ihrem 1999er Album It All Comes Down to This haben Bane für eine ganze Reihe von unvergesslichen Momenten gesorgt. Das gilt für alle Outputs, vor allem aber für jedes mitgelebte Konzert der Jungs aus Worcester, Massachusetts. Nun ist jedoch Schluss. Bereits mit ihrer letztjährigen Scheibe Don’t wait up (Review) haben Bane ihren Abschied angekündigt. Mit der „Final European Tour“ wurde dies nun auch Gewissheit. Noch einmal durch die kleinen Clubs touren. Noch einmal die letzten 20 Jahre aufleben lassen. Der Andrang war entsprechend groß. Das Konzert im kleinen Kölner MTC am vergangenen Samstag seit Wochen ausverkauft. Die Vorfreude auf dieses Konzert und auf eine mitreißende Hardcoreshow war dementsprechend groß. Zudem standen zwei weitere namenhafte Bands auf dem Tourflyer.

Bane, Code Orange, Wolf Down – Köln, Mtc – 06.11.2015

Zwei Bands, die ich stets mit gemischten Gefühlen betrachte. Wolf Down. Kaum eine deutsche Hardcoreband bezieht derart deutlich und konsequent Stellung gegen Rassismus, Faschismus, Homophobie, Sexismus und Kommerz – auch in der eigenen Szene – sowie gegen die Ausbeutung von Tieren. Auch wenn der Band schon des Öfteren vorgeworfen worden ist, etwas voreilig andere Menschen zu verurteilen (hier könnt ihr einige Punkte nachlesen), kann ich im Grunde alle Texte so unterschreiben. Musikalisch kann ich heute mit Wolf Down jedoch nur wenig anfangen. Sicherlich, das hat allerhand Drive und Power. Letztendlich hört sich aber jeder Song gleich an. Ein paar Akkorde oder gar Gitarrenseiten mehr würden den Songs definitiv gut stehen. Aber vielleicht liegt das heute auch am Sound, denn der passt nicht so recht. Zumindest sind mir die Songs, vor allem auf dem letzten Album Stray From The Path, doch etwas abwechslungsreicher in Erinnerung geblieben. Aber gut, die Message passt und wird an diesem Abend auch definitiv positiv aufgenommen.

Dann Code Orange, an denen sich die Geschmäcker immer wieder scheiden. Für mich persönlich sind die beiden bisherigen Alben – Love Is Love / Return to Dust und I Am King (Review) – einfach nur großartig. Kaum eine andere Band lässt das Chaos lebendiger werden als das Quartett aus Pittsburgh. Dafür sorgen nicht zuletzt das sehr variable Geschrei von Reba, Eric und Jami sowie die permanenten Tempiwechsel innerhalb eines einzelnen Songs. Das haut einfach um. Was sie auf Platte erschaffen, übertragen sie zudem mühelos auf jede Bühne. Eine Tatsache, die durch diesen Auftritt erneut untermauert wird. Doch leider lädt genau das einen kleinen Teil des Publikums dazu ein, das restliche Publikum mit hirnlosen Kickboxeinlagen zu beglücken. Und schon ist der Spaß wieder vorbei. Und als wenn das noch nicht ausreicht, stachelt Jami Morgan diese Typen noch weiter an. Schließlich sei das hier eine Hardcore-Show. Nach meinem Verständnis hat das rein gar nichts mit Hardcore zu tun. Ärgerlich.

Bane (Bandpicture)

Zum Glück ändert sich dieses Bild schlagartig, als wenig später Bane auf die Bühne kommen. Im Vergleich zu den ersten beiden Bands ist nun vor der Bühne kein Platz mehr für egoistische und dumme Kampfeinlagen. Vielmehr fliegen nun die ersten Stagediver auf die Menge, während in den ersten Reihen aus jeder Kehle mitgeschrien wird. In nur knapp 45 Minuten fliegen Bane durch 20 Jahre Bandgeschichte und verschaffen sich selbst, vor allem aber mit allen Anwesenden gemeinsam einen großen Abschied. Und zeigen letztendlich auch was Hardcore unter anderem ausmacht. Das Gefühl einer Gemeinschaft, eines Miteinanders. Hier begegnet man sich auf Augenhöhe und Respekt. Hier zählt aber auch jede*r Einzelne als Individuum. Themen, die Bane in ihren Songs immer wieder thematisiert haben und die auch heutzutage immer noch aktuell sind. Vielleicht freue ich mich genau deswegen, die Jungs noch ein letztes Mal live erleben zu können. Und wie immer ist es alles andere als einfach, einen ganz speziellen Höhepunkt zu nennen. Doch tatsächlich sticht an diesem Abend aus all den großartigen Songs Calling Hours noch ein klein wenig heraus. Denn dank der gemeinsamen Tour mit Code Orange kann Reba Meyers ihren Part selbst übernehmen. Ihre Stimme geht zwar etwas unter, dennoch sorgt vor allem dieses Stück, aber auch der Auftritt insgesamt für Gänsehautfeeling.

“This is my final backward glance
I’ve never been much good at saying goodbye.
Goodbye”
(aus Final Backwards Glance)

Nach diesem leider recht kurzen Auftritt bleibt die traurige Gewissheit, dass dies die letzte Bane Show war. Zurück bleiben eine Reihe aufregender Hardcorealben einer Band, die noch lange in Erinnerung bleiben wird. So kehre ich zurück in die „reale Welt“. In das aufgemotzte und gestylte Nachtleben der Großstadt. Eben jene glattgebügelte hippe (Pop-) Welt, gegen die Bane lange Zeit voller Wut angeschrien haben.

Hier noch einmal der Tour-Trailer zur “Final European Tour”.

Hinweis: Das Bildmaterial wurde mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.