lesen: XCLUSIVX #5 – DIY Fanzine

xclusvx - Flex your head (Logo)XCLUSIVX. Ein D.I.Y.-Fanzine mit den Schwerpunktthemen Hardcore, Politics, Veganism, Feminism, Antibarbari und LGBTQIA+ rights. Das klingt ambitioniert. Ist es auch. Wird jedoch – hier im Falle der fünften Ausgabe – auch genauso umgesetzt. Das Ergebnis ist ein überaus lesenswertes Fanzine.

Der Inhalt, auf den es letztendlich ankommt, hat es dann auch in sich. Auf 140 farbigen Seiten gibt es jede Menge Interviews, Berichte, veganes Stadtleben, „Kolumnen“ und vieles mehr. Die Texte kommen dabei sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache. Dazu eine Vielzahl toller Fotos unterschiedlicher Künstler*innen.

Das recht weite Themenspektrum bringt somit für jede*n etwas. Dennoch ist durchaus empfehlenswert, allen Artikeln ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken, da ein jeder zumindest zum Nachdenken animiert. Positiv anzumerken ist hierbei, dass nicht nur die üblichen Standardfragen wie beispielsweise zur aktuellen Platte (wie bei den Band-Interviews) gestellt werden. Natürlich gib es auch diese. Richtig interessant sind dann aber beispielsweise Fragen über die Bedeutung von Punk und Hardcore, die Beziehung zu anderen Menschen, die persönliche Bedeutung von Vegan Straight Edge, der Umgang mit Social-Media sowie über die eigenen Beweggründe in einer Band zu spielen oder sich in irgendeiner Weise mit viel Herzblut zu engagieren. So stehen hier die jeweiligen Menschen sowie ihr Blick auf die Welt und nicht nur die Band sowie ihre Musik im Vordergrund. Auf der einen Seite wirkt das sehr persönlich. Auf der anderen Seite wir deutlich, dass insbesondere Hardcore nicht nur aus Musik besteht. Hardcore is more than muisc. Das einleitende DANGERS-Interview bringt es auf den Punkt, worum es primär geht: „The way I always have understood punk music is that it is a conversation… everyone ist welcome on it. Music is a discussion for us…“ Und somit auch ein Antrieb alles kritisch zu hinterfragen. Genau diesen Weg geht auch dieses Fanzine.

xclusivx Frontcover #5 (Bane)

Die Hardcore-Szene ist hierfür ein gutes Beispiel. Diese erfährt hier keine Glorifizierung, wird im Gegenteil kritisch durchleuchtet. Unter anderem die gefestigten Brotherhood-Strukturen (oder auch das zunehmende Tough-Guy-Image) zeigen immer wieder, dass Gleichwertigkeit und die oft betonte Akzeptanz aller in eben dieser Szene immer noch Grenzen hat. Auch über den zitierten 7 Seconds Song und gleichnamigen Artikel Not Just Boys Fun hinaus. Gefallen wird dies sicherlich nicht allen. Ist aber vielleicht der Anstoß mal tief in sich zu blicken und das eigene Tun zu überdenken.

Die persönliche Seite zeigt sich insbesondere im Abschnitt“Facets of Activism“, in dem sechs Menschen aus Europa und deren Aktivismus aus unterschiedlichen Bereichen wie Flüchtlingshilfe, Aufklärungsarbeit, Feminismus oder Veganismus vorgestellt werden, sowie in kurzen Artikeln von und über die Menschen von XCLUSIVX selbst. Neben Gedanken und Meinungen gibt es sogar ein paar Gedichte. Für ein Fanzine eher ungewöhnlich. Kommt aber gut. So kann ich mir zumindest vorstellen, wer hier schreibt und fragt. Für mich ein wichtiger Baustein in einem Fanzine.

xclusivx - Prozac Straight Edge

Zum Thema Veganismus gibt es neben den Stimmen einiger Aktivist*Innen Empfehlungen für den nächsten veganen Trip nach Hamburg und Köln sowie ein ausführliches Porträt über Taarten von Jansen, einer veganen Bäckerei aus den Niederlanden, inklusive einem leckeren Rezept für „Coconut Macaroons“. Das Interview mit Lisa beschränkt sich jedoch nicht nur auf vegane Themen, sondern findet unter anderem auch kritische Worte zur Hardcore-Szene und ist ein gutes Beispiel für die Themenvielfalt von XCLUSIVX.

Neben Dangers aus den USA werden noch weitere Bands und Künstler*Innen vorgestellt. Darunter auch Berichte über die letzten Shows von Trainwreck und Bane. Zwei großartige Bands, die in diesem Jahr zum letzten Mal (hierzulande) auf der Bühne gestanden haben. Darüber hinaus wird das noch junge Tattoo Studio Out of Step Tattoo Parlor aus Berlin vorgestellt. Und schließlich gibt ein Zine-Special einen Einblick in das Alltagsleben und das Erschaffen einen Zines. Wer mit dem Gedanken spielt, ein Zine raus zu bringen, findet hier sicherlich Inspiration und mehr.

xclusivx - Out of Step Tattoo

Etwas schade hingegen finde ich, dass vereinzelt Textpassagen durcheinander geraten oder offenbar fehlen (wie in den Artikeln Femtrail und Erdlingshof). Entweder habe ich hier den Zusammenhang verpasst oder die entsprechenden Passagen sind dem Druck zum Opfer gefallen. Der Lesefluss geht so ein wenig verloren. Ist aber im Gesamtkontext nur eine Kleinigkeit. Letztendlich ist XCLUSIVX ein großartiges Fanzine, dem deutlich anzumerken ist, dass hier viel Arbeit, Liebe und Leidenschaft drin steckt. Letztendlich ein Fanzine für alle, die Dinge gerne hinterfragen und mehr wollen als einfach nur konsumieren. Danke hierfür. Ich freue mich bereits auf Ausgabe #6.

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xclusivx - Backcover #5

Hinweis: Das Bildmaterial wurde mir freundlicherweise von XCLUSIVX zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.