reinhören: yuppicide – revenge regret repeat

Yuppicide - Revenge Regret Repeat (Coverart)In den 90ziger Jahren entdeckt und noch heute einer meiner liebsten Hardcorebands. Yuppicide aus Brooklyn. Dabei spielten die vier Jungs von Anfang an eher untypischen New York Hardcore. Tatsächlichen waren (und sind) sie von Bands von Sick Of It All, Youth Of Today, Gorilla Biscuits oder Agnostic Front, um nur einige wenige zu nennen, musikalisch zumeist meilenweit entfernt. Zudem bedien(t)en sie sich weder harten Moshparts noch peinlichem Tough-Guy-Gehabe. Dafür hat es insbesondere die bisweilen sehr künstlerische Performance von Sänger Jesse Jones in sich. Ein jedes Konzert war und ist ein beeindruckendes Schauspiel. 20 Jahre nach Dead Man Walking (1995 auf Wreck Age) und der 2014er EP American Oblivion (Dead City/Swell Creek) gibt es nun endlich ein neues Album.

Und Revenge Regret Repeat klingt dann auch, nun, wie ein Yuppicide Album eben. Ihr Sound ist und bleibt einfach unverkennbar. Wütender und giftiger Hardcore-Punk, der es gerne britisch mag (wie in No Authority oder Ghosts), jedoch auf Glanz und Glamour aber verzichtet. Nach wie vor erfüllen die vier Jungs keine Klischees oder laufen dem nächsten (Hardcore-) Hype hinterher. Auch das ziehen sie ohne Kompromisse konsequent durch. So ist ihre „Fuck you and the establishment“ Attitüde auch in jedem der elf Songs deutlich zu spüren. Dies und ihre Experimentierfreude sind sicherlich die Gründe, warum auch diese Scheibe wieder aus der großen Masse heraussticht.

Mit einem fetten „Let’s go!“ startet der Opener Spread The Infection den gewohnt politischen, sozial- und gesellschaftskritischen Rundumschlag. „Living in lies, living on fear, brain-eating disease each election year… An honest politician would be a first! Spreading the lies that you want to hear.” Ein deutliches Statement gleich zu Beginn, das im Politcal Game – im Spiel der Macht – eine ebenso markante Fortsetzung findet. „Us representatives have been bought and paid. Happy with deal that the corporations gave us!“Gewohnt sarkastisch und ironisch nehmen sie kein Blatt vor den Mund. Ob nun Lobbyismus, hoffnungslose Social Media Traumwelten in It Hurts To Know oder soziale Ungerechtigkeiten, Joe Keefe (Bass), Steve Karp (Gitarre), Jay Rogan (Drums) und Jesse Jones (Vocals) setzen sich mit all dem kritisch auseinander. Rufen dazu auf endlich die Augen zu öffnen und nicht alles als gegeben hinzunehmen. „Wake up! Stand up! Rise Up! Fight back in your little ways.“ (aus Insolence) Doch auch ein selbstkritischer Blick in den Spiegel fehlt nicht. Ähnlich wie Follow The Leader auf Shinebox (1993 auf Wreck Age) erzeugt der Kampf mit den Dämonen und Geistern der eigenen Vergangenheit in Ghosts eine bedrückende Atmosphäre. Das Wechselspiel zwischen Dubklängen und treiben Punkpassagen sowie der teilwiese verzerrte Gesang sind definitiv ein Highlight (von vielen) auf Revenge Regret Repeat. Eine Lösung, um diese Ängste zu „zerstören“, bringen jedoch erst die letzten Worte auf diesem Album. „Face the fear! Now!” (aus Destroyer). Uns so endet ein weiteres erstklassiges Album einer außergewöhnlichen Band. Hier passt einfach alles. Großartig.

In diesem Sinne „Here to kick some hide. Standing strong side by side. We are YUPPICIDE!!!“

Yuppicide – Revenge Regret Repeat

VÖ: 04.12.2015
Label: GSR /Cupcake Records

Tracklist:
01. Spread The Infection
02. Sabotage
03. You’re Gonna Get It
04. Hurts To Know
05. Bad Blood
06. Political Game
07. Obsolete
08. Insolence
09. Ghosts
10. King Of The Dicks
11. Destroyer