reinhören: wolf down – incite&conspire

Wolf Down - Incite&Conspire (Artwork)Wenn es um Wolf Down geht (das schließt die Wolf X Down Phase ein), bin ich immer hin und her gerissen. Auf der einen Seite erinnern sie mich musikalisch immer wieder an Bands wie Hatebreed oder auch Terror. Was erst einmal nicht schlecht ist. Denn das hat Power und ordentlich Wums. Auf der anderen Seite ist mir das auf Dauer dann doch oft zu einseitig. Etwas mehr Abwechslung täte den Songs definitiv gut. Insbesondere live ist dann recht schnell die Luft raus. Zumal die harten und aggressiven Moshparts bei vielen Konzerten zum geistigen Tiefpunkt in den ersten Reihen führen. Letztendlich immer ein Grund trotz Waoh-Gefühl das Konzert zu verlassen oder sich die Zeit am Merchtable bis zur nächsten Band zu vertreiben. Das gilt natürlich für eine Reihe von Bands. Aber Wolf Down haben im Gegensatz zu vielen anderen Bands mehr zu bieten als harte Musik mit leeren (und zunehmend sexistischen und homophoben) Inhalten. Das ist auch einer der Gründe warum sie aus der großen Masse heraus stechen. Der vielzitierte Satz „Hardcore is more than music“ trifft auf Wolf Down definitiv zu. Andererseits ecken sie so auch an vielen Stellen (bewusst) an. „Love it or hate it“ Das trifft dann wohl genauso zu. Bemerkenswert ist für mich jedoch, dass sie von Beginn an ihr Ding ohne Kompromisse durchgezogen haben. Dazu gehört auch, jederzeit und überall unbequeme Wahrheiten und Meinungen in deutliche Worte zu packen und uns in Erinnerung zu rufen, dass wir alle (mit-)verantwortlich sind für die Probleme unserer Zeit. Und auch wenn mir der Sound nicht immer gefällt, für ihre radikalen Messages ist der genau richtig. Das gilt auch für ihr neues Album Incite&Conspire, das zehn brachiale und wütende Hardcore-Attacken bringt, wobei zwei Songs – Torch Of Reason und Flames Of Discontent – bereits auf der letztjährigen Liberation EP veröffentlicht worden sind.

Nach dem einleitenden Intro Barricade Fever, das wie die zugrundeliegende Anarcho-Hymne A Las Barricadas den ersten Funken der Revolution zündet, schlägt ein brutaler und roher Sound mit voller Wucht aus den Boxen. Der bereits genannte Hatebreed-Vergleich ist nicht von der Hand zu weisen. Nur dass Wolf Down weitaus aggressiver sind. Zwischen schnellen und Midtempopassagen schmeißen sie immer wieder fette Breakdows wie in At Daggers Drawn oder Protect/Preserve, metallische Elemente wie in Against The Grain und einige beatdownlastige Parts. Conspire überrascht derweil mit einem düster ausholenden Zwischenpart und zudem mit Stick To Your Guns Sänger Jesse Barnett am Mikro. So wirkt das Album dann letztendlich doch vielseitiger als zunächst erwartet.

Allerdings sind Aggressivität und musikalische Härte nur der Soundtrack für die radikal-(links)politischen Texte, die mich wiederum an Bands wie Manliftingbanner oder Seein‘ Red erinnern. Wolf Down beweisen auf Incite&Conspire jedoch, dass auch zu alt bekannten Themen immer noch intelligente Sätze geschrieben werden können. So ruft Potect/Preserve zur aktiven Eco-Defense auf (“We have to protect / We are the last ones who bite back / We have to preserve / We are the last defenders of this earth.”) und benennt zugleich die Hauptschuldigen: Großkonzerne, die den Hals vor lauter Gier nicht voll bekommen können. True Deceivers stellt kirchliche Institutionen, ihre Lügen bis hin zur seelischen Manipulation des Menschen, aber auch blinden Gehorsam an den Pranger. „All your filthy lies – Dusty morals undisputed. Mass oppression of the human mind / Will you follow blind.” Die beiden Songs Incite und Conspire setzen sich mit sozialen und politischen Ungerechtigkeiten sowie mit der in unserer Gesellschaft weitverbreiteten Apathie auseinander. Gilt es in der heutigen Zeit doch umso mehr aufzustehen und Widerstand gegen alle Formen von Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu leisten, anstatt weg oder nur auf sich selbst zu schauen. „This is the sound of raging hearts beating as one / Our burning matches will incite a firestorm / This is the anthem of those born with raised fists.” Selbstverständlich gilt das nicht nur für den Menschen, sondern für alle Lebewesen auf diesem Planeten. So fordert Torch Of Reason konsequenterweise „Liberation of the enslaved / Vegan revolution”. Und in Zeiten, in denen wieder Flüchtlingsheime brennen, Handgranaten auf wehrlose Menschen geworfen werden und Rassismus tagtäglich seine hässliche Fratze zeigt, erzählt The Fortress die Geschichte eines Flüchtlings, der seine Heimat auf Grund von Krieg und Not verlassen musste. Kaum hier angekommen, muss er sich mit dem Hass auseinandersetzen, der ihm hierzulande begegnet. Die andere Seite deutscher Willkommenskultur. Der Song als auch das Album endet dann auch passenderweise mit Billy Bragg’s All You Fascists Bound To Loose.

So ist Incite&Conspire nicht nur ein gutes Hardcore-Album, das den revolutionären Geist der Hardcore-Bewegung noch einmal in Erinnerung ruft. Sondern vor allem ein Anstoß zum Nachdenken. Ein Aufruf sich mit den Problemen unserer Zeit auseinander zu setzen und auf sich selbst sowie auf seine Umwelt positiv einzuwirken. Oder eben den Funken auch an andere weiterzugeben, um das eine oder andere Herz in Brand zu setzen.

Wolf Down – Incite&Conspire

VÖ: 05.02.2016
Label: End Hits Records

Tracklist:
01. Barricade Fever
02. Against The Grain
03. Protect / Preserve
04. Invisible War
05. Flames Of Discontent
06. At Daggers Drawn
07. Incite
08. Conspire
09. The Deceivers
10. Torch Of Reason
11. The Fortress

Wolf Down - by Anne Carolien KФhler

Wolf Down by Anne Carolien KФhler

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.