Konzertbericht: Employed To Serve und Grieved in Bochum

Immer wenn eine Band ein Album rausbringt, das mich umhaut, bin ich gespannt, ob die Songs live die gleiche Wirkung auf mich haben wie auf Platte. De facto muss mich eine Band live genauso umhauen, um mich vollends zu überzeugen. Greyer Than You Remember (Review) von Employed To Serve ist eine solche Scheibe. Bereits im letzten Jahr veröffentlicht, folgte nun endlich auch eine Tour. Im Rahmen ihrer gemeinsamen Tour mit Grieved aus Schweden stand auch eine Show im Bochumer Rockpalast in der letzten Woche auf dem Programm. Auf Shows im Rockpalast freue ich mich immer ganz besonders. Zum einem ist der Sound zumeist ausgezeichnet. Zum anderen ist die Location selbst einfach großartig. Weder das eine noch das andere trifft übrigens auf die einige Stockwerke tiefer gelegene Matrix nicht wirklich zu. Aber gut, das ist ja Geschmackssache.

Employed To Serve und Grieved
Bochum Rockpalast – 02.02.2016

Leider teilten nicht allzu viele Menschen meine Freude. Gerade einmal 10 (ja, zehn!) Besucher*Innen schauten an diesem Abend im Rockplast vorbei. Allerdings war dies für beide Bands kein Grund nicht einhundert Prozent zu geben. Den Anfang machten Employed To Serve. Sowohl das aktuelle Album als auch die älteren Outputs sind allesamt schon chaotisch und wuchtig, aber das hier war nun mehr als beeindruckend. Vertrackte Riffs, die sich in alle möglichen Richtungen wenden, und eine ungemein technische Raffinesse entladen sich in einem wütenden Batzen Hardcore, der mir förmlich die Sohlen von den Schuhen reißt. Dazu das Gekreische von Sängerin Justine, die gelegentlichen rauen Growls von Gitarrist Sammy und ein Schlagzeug, das schonungslos alles niederreißt. Das ist Energie pur. Kaum vorstellbar was all das in einer vollen Hütte entfacht hätte. Allerdings ist das schon fast Nebensache, denn das, was Employed To Serve hier geboten haben, war einfach atemberaubend. Einziger Wermutstropfen, nach nur knapp 30 Minuten war auch schon wieder alles vorbei. Definitiv zu kurz, dennoch war ich mehr als dankbar für dieses sehr intensive Erlebnis.

Fraglich, ob Grieved das noch toppen konnten. Nein, das konnten die fünf Schweden nicht. Ihr enorm düsterer Hardcore – gespickt mit vielen Metal- und Crustparts – war zwar nicht weniger brachial und vor allem erdrückend. Nur fehlte den Songs dann doch ein wenig Abwechslung. Das fiel in Anbetracht der ebenfalls recht kurzen Spieldauer zwar nicht sonderlich ins Gewicht. Aber aus irgendeinem Grund war das musikalische Chaos von Employed To Serve an diesem Abend einfach zu prägend, so dass es wie ein Schatten über dem Auftritt von Grieved lag. Andererseits haben die fünf Schweden dennoch bleibenden Eindruck hinterlassen. Habe ich mir doch nur wenig später das aktuelle Album auf ihrer Bandcampseite gleich mehrmals begeistert angehört. Wer auf eben erwähntem crustigen Hardcore steht, sollte definitiv mal ein Ohr riskieren.

Nach der Show hatte ich noch kurz Gelegenheit einige Worte mit Employed To Serve Sängerin Justine am Merchtable zu wechseln. Sie selbst fand es völlig in Ordnung vor nur wenigen Leuten zu spielen. Sicherlich, ein Pit oder einfach nur ein paar mehr Menschen vor der Bühne wären schön gewesen. Ein Erlebnis war es dennoch. Das kann man nun nehmen wie man will. Irgendwie gehört das zum Hardcore dann eben auch dazu. Im Übrigen konnte ich am Merchtable die letzten beiden Scheiben (jeweils im farbigen Vinyl) der Band zu erschwinglichen Preisen ergattern. Umso erfreulicher, da Veröffentlichungen von Holy Roar Records hierzulande zumeist recht teuer sind.