Konzertbericht: Ryker’s und Tausend Löwen Unter Feinden in Krefeld

Nach zwei Festivalshows im letzten Jahr – zunächst auf der Persistance Tour noch mit Kid D am Gesang, auf dem Nord Open Air in Essen dann erstmal mit Dennis am Mikro – und der neuen Scheibe Never Meant To Last (Review) stand nach langer Zeit wieder eine Ryker’s Clubtournee an. Da die zumeist kleinen Shows in den 90ziger Jahren in bester Erinnerung geblieben sind und zudem Dennis als Sänger mehr als überzeugen konnte, war ich gespannt, wie die Jungs anno 2016 in einem kleinen Club rüberkommen würden. Nicht weniger interessant schien das Magnapop in Krefeld zu sein, in dem seit einigen Monaten wieder recht gute Konzerte stattfinden. Zudem gibt es dort bei allen Konzerten nun auch veganes Essen von Voll Lecker Catering aus Rheinberg. Genug Gründe, um mal vorbeizuschauen.

Ryker’s und Tausend Löwen Unter Feinden
Krefeld, Magnapop – 29.01.2016

Neben den Ryker’s sollten an diesem Abend zu meiner großen Freude auch Tausend Löwen Unter Feinden spielen, die mit ihrem Debütalbum Machtwort im letzten Jahr für Aufsehen gesorgt haben. Honor Never Dies, Aggressive, Still Ill und Carry The Dead komplettierten das Lineup. Von Aggressive einmal abgesehen hatten die übrigen drei Bands allerdings nicht mehr zu bieten als fetten Mosh-Hardcore, der vor allem mit aggressiver Monotonie zu glänzen wusste. Die netten Typen in den ersten Reihen fanden das natürlich alles andere als langweilig und versuchten mit insgesamt sehr tölpelhaften Kickboxeinlagen wen auch immer zu beeindrucken. Viel mehr muss über diese drei Bands daher auch nicht gesagt werden. Oder etwa doch? Interessant ist da sicherlich die Aussage vom Still Ill Sänger „Kommt ruhig nach vorne. Das sieht alles viel schlimmer aus als es ist.“ Ne ist klar. Genau das wird sich die junge Frau vor mir, die soeben einen Schlag einstecken musste, auch gedacht haben. Sah sie doch alles andere als erfreut oder gar glücklich aus. Aber das könnte auch an der Art und Weise gelegen haben, mit der ihr Freund oder Begleiter sie zu trösten versuchte. Das Grinsen in seinem Gesicht während er ihr über die Wange streichelte, hat ihn dann doch irgendwie verraten. Ich mag mich irren, aber der „No Sexism“-Schriftzug auf dem Shirt des Carry The Dead Sängers passte da nur allzu gut. Haha. Am Ende wunderte es mich daher auch nicht, dass drei Viertel eben jener Band für das Zusammenbrechen ihres Bassisten nur ein Lächeln übrig hatten. Aber gut, so schlimm ist das doch nicht. Sieht halt nur schlimm aus. Lediglich Aggressive fielen aus diesem Rahmen. Als selbstdeklarierte Skinhead-Band mit wuchtigem Punkrocksound sorgten die fünf Jungs einerseits für etwas Abwechslung. Trotz deutlichem Statement gegen Nazis (und trendigen Hipster) war das aber andererseits auch nicht mehr als nett, was vor allem an der schlichten und eintönigen Art der Songs lag.

Nach drei Stunden dann endlich der erste Höhepunkt an diesem Abend. Tausend Löwen Unter Feinden. Ihr Debütalbum Machtwort war definitiv eines der besten Alben des letzten Jahres. An diesem Abend zeigten die Jungs, dass sie Power und Stimmung auch live jederzeit auf den Punkt bringen können. So war der kleine Konzertbereich des Magnapop nicht nur zum ersten Mal gut gefüllt (die Show war immerhin ausverkauft), nun war auch erstmals Stimmung in der Bude. Angetrieben durch die stetige und freundliche Interaktion mit dem Publikum, bewegten sich nun in den ersten Reihen weitaus mehr Menschen als nur die bereits erwähnten Egoguys. Zudem wurden die meisten Songs vom durchaus textsicheren Publikum lautstark begleitet. Die Band hat offensichtlich mit nur einer EP und einem Album bereits eine treue Anhängerschar gewinnen können. Mit diesem Auftritt machten sie deutlich, dass das mehr als berechtigt ist. Definitiv eine Ausnahmeband in der aktuellen deutschen Hardcorelandschaft.

Da konnten dann auch die Ryker’s an diesem Abend nicht mithalten. Der Sound ist zwar nach wie vor wuchtig und fett. Aber irgendwie können nur Sänger Dennis und Schlagzeuger Flo die Energie, die die Songs entfachen, auch von der Bühne transportieren. Die drei Jungs an den Saiten wirkten hingegen recht müde und anteilnahmslos. Und auch wenn die meisten Songs immer noch mitreißend sind (eine Ausnahme ist zum Beispiel High Five In Your Face With A Chair vom aktuellen Album mit dem ich rein textlich überhaupt nichts anfangen kann) werde ich den Eindruck nicht los, dass das hier einfach nur als Pflichtprogramm runter gespielt wird. So wirkt der Auftritt insgesamt recht leblos und unspektakulär. Schade, nach dem Festivalauftritt im Sommer hatte ich wesentlich mehr erwartet.

Das Magnapop verließ ich anschließend mit gemischten Gefühlen. Ein überzeugender Auftritt und leckeres veganes Essen waren für insgesamt knapp sechs Stunden dann doch etwas wenig.