Konzertbericht: FJØRT live in Köln

Die aktuelle FJØRT -Scheibe Kontakt (Review) läuft bei mir immer noch in einer Dauerschleife. Lässt nicht mehr los. Hat sich festgesetzt. Dementsprechend war ich Feuer und Flamme wegen der Show im Kölner Arttheater im Rahmen ihrer Kontakt-Tour 2016. Zudem kommt ein Konzert in Köln ja fast einem Heimspiel für die drei Jungs aus Aachen gleich. Und das ist in Köln oft schon die halbe Miete für einen tollen Abend.

FJØRT und We Never Learned To Live
Köln, Arttheater – 09. März 2016

Den Auftakt machten an diesem Abend We Never Learned To Live aus England. Die ehemaligen Labelmates von FJØRT (die Debüt-EP Demontage erschein wie die Outputs von We Never Learned To Live auf Through Love Records) legten dann auch gleich ein gewaltiges Brett hin. Mächtige Soundwände und verspielte Gitarrenriffs gingen Hand in Hand und schufen eine intensive Atmosphäre, die zwischen Melancholie und Wut hin und her pendelte. Dazu das Geschrei von Sänger Sean und ein sehr druckvolles Schlagzeugspiel, ein jeder Songs ist einfach mitreißend. Und während mich nur wenige Post-Hardcorebands fesseln können – zumeist langweilt mich das Ertränken in Selbstmitleid -, gelingt das den fünf Jungs aus Brighton spielend. Und zwar von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Genau das haben FJØRT bisher auch immer geschafft. Bereits während der Umbaupause füllte sich das Arttheater zunehmend – die Show war bereits seit Wochen ausverkauft -, so dass es schon richtig eng wurde ehe die Band überhaupt einen Fuß auf die Bühne gesetzt hatte. Waren bei meinen bisherigen zwei FJØRT-Shows lediglich eine überschaubare Menge Menschen anwesend, sollte diese Show die größte werden, die FJØRT je gespielt haben (so zumindest die Ansage von Sänger und Bassist David). Und so gab es dann auch schon beim ersten Song kein Halten mehr. Vor der Bühne wurde pausenlos und ausgiebig getanzt, während alle Songs vom textsicheren Publikum lautstark mitgesungen wurden. Interessanterweise auch alle neuen Stücke. Ein Indiz, dass die neue Scheibe nicht nur bei mir rauf und runter läuft. Zudem boten die drei Aachener einen leidenschaftlichen Auftritt voller Emotionen und bewegender Augenblicke. Insbesondere das Wechselspiel am Gesang zwischen Chris und David kommt live besonders gut und macht die Songs allesamt noch interessanter als sie es eh schon sind. Das gilt auch für das Schlagzeugspiel von Frank. Auf Platte schon unglaublich fett, live noch intensiver. Ein Blick ins Gesicht von Frank verrät dann auch, dass in jedem Song einhundert Prozent Arbeit und Hingabe stecken. Das Gitarrenspiel ist hingegen zwar weniger zauberhaft als auf Platte, dafür umso krachiger. Genau richtig für das hier jetzt. Die Ansagen zwischen den Songs, in der Regel von David vorgetragen, kommen genauso gut. Allen voran zur aktuellen rechten Protestkultur hierzulande. Die vier Tage später folgenden Landtagswahlen sollten dann auch zeigen, dass wir alle verstärkt Paroli bieten müssen. Nach einer knappen Stunde, zwei Zugaben und drei sichtlich gerührten Musikern auf der Bühne war dann Schluss. Das Ende eines mitreißenden Abends. Aber das war ja auch nicht anders zu erwarten 🙂