reinhören: coppersky – if we’re losing everything

Coppyersky - If We're Loosing Everything (Artwork)Eine Band mit anderen zu vergleichen ist für mich immer eine heikle Sache. Solch ein Vergleich ist zwar immer persönlicher Natur. Nicht selten hat das jedoch den üblen Beigeschmack, dass schnell der Verdacht im Raum steht, dass wieder nur die eine oder andere Band kopiert wird. Oft ist da sicherlich was dran. In vielen Fällen aber auch nicht. So im Falle von Coppersky aus Utrecht. Bereits im letzten Jahr konnte ich die Jungs erstmal live erleben. Schon da wurden sofort Erinnerungen an The Gaslight Anthem und Bruce Springsteen wach. Allerdings im positiven Sinne. Schließlich haben erstere nach zwei Alben und einer EP völlig ihren Reiz verloren. Für den Boss gilt das zwar nicht, aber aufgrund der gigantischen Konzerte und Ticketpreise werde ich ihn live wohl nicht mehr erleben. Zum einen gilt es eben diese Lücken irgendwie zu schließen. Zum anderen muss ein eigener Sound jederzeit hörbar sein. Das Ganze also authentisch wirken. Genau das haben Coppersky bereits mit Relief, Be Around the Bend geschafft. Für ihr nun aktuelles Zweitwerk If We’re Losing Everything, das am 04. März via Uncle M erschienen ist, gilt das genauso.

Das liegt zunächst einmal an der Stimme von Sänger Erik Zwart, die sofort Ohr und Herz erobert und mich persönlich immer wieder an Eddie Vedder erinnert. Viel wichtiger als diese Nähe zum Pearl Jam Sänger ist jedoch die Vertrautheit, die der tiefe Klang seiner Stimme ausstrahlt. Wärmend, gefühlvoll und dennoch selbstbewusst und kraftvoll. Diesem Klang gebe ich mich gerne hin. Erst dann entdecke ich auch wie zerbrechlich diese Stimme eigentlich ist. Somit genau der richtige Sound für die Stories, die Erik Zwart hier erzählt. Allesamt eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Person, dem eigenem Leben. Geschichten zwischen Scheitern, Hoffnung und jeder Menge Fragen, deren Antworten zumeist eher schleierhaft bleiben. If We’re Losing Everything ja, dann… Der Satz bleibt unvollendet. Das Ende kann dann jede*r für sich selbst gestalten.

Doch der Gesang und die Lyrics sind bei weiten nicht alles was diese Scheibe zu bieten hat, denn die vier Jungs an den Instrumenten machen einen nicht weniger guten Job. Ein Mix aus Folk, Liebe zum Punkrock und jeder Menge (Alternative-) Rock, der die Grundstimmung der Texte ebenso gekonnt untermalt wie der Gesang. Verspielte Gitarrenriffs und Solos (schön und stark in Reservoirs), straighte Basslinien, ein starkes druckvolles Schlagzeugspiel und eine Vielzahl harmonischer Melodien begleiten durch Höhen und Tiefen des Lebens. Lassen sie lebendig wirken und fühlbar werden. All das passt, ist stimmig arrangiert ohne glatt zu wirken.

Insgesamt eine tolle Platte, der anzumerken ist, dass hier viel Herzblut reingesteckt wurde. Das steckt an und steigert die Freude auf die anstehende Tour. Ob nun diese Platte kaufen oder eine Karte für eins der Konzerte kaufen, beides lohnt sich auf alle Fälle.

Coppersky – If We’re Losing Everything

VÖ: 04. März 2016
Label: Uncle M Music

Tracklist:
01. Loose Ends
02. The Cutting Room Floor
03. Bankrupt – Backchannels
04. Bury Anger In Sleep
05. Reservoirs
06. Leaky Roof
07. Tattered Nets
08. Breakup
09. Halfway
10. Sweet Elysium
11. Hometown Show

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.