Konzertbericht: Yuppicide live in Köln (27.03.2016)

Im September 2012 haben Yuppicide zuletzt im Kölner MTC gespielt (Konzertbericht). Damals im Rahmen der American Oblivion Tour. Obwohl seitdem dreieinhalb Jahre vergangen sind, kann ich mich noch gut an jede Minute dieser Show erinnern. Nun also das nächste Konzert der New Yorker im MTC am diesjährigen Ostersonntag. Nun mit der neuen Scheibe Revenge Regret Repeat (Review) im Gepäck. Die ist schon jetzt ein Jahreshighlight. Da wundert es nicht, dass auch ich mich mal auf Ostern freue.

Yuppicide, NOFNOG – Köln, MTC – 27.03.2016

Den Anfang machten an diesem Abend NOFNOG aus der Schweiz, die spontan als Support für diese Tour eingesprungen sind. Die vier Jungs legten sich dann auch gleich mächtig ins Zeug und boten eine knappe halbe Stunde temporeichen und druckvollen Punkrock. Vor allem beeindruckte der Schlagzeuger, der zugleich auch die Vocals übernahm. Nicht nur musikalisch wurden so Erinnerungen an die Satanic Surfers wach. Allerdings ähneln sich die Songs trotz Breaks und Gitarrensoli auf Dauer doch sehr. Das ist dann zwar durchaus eingängig, aber eben auch nichts Besonderes. Der Mix aus „dreckig“ und „melodisch“ kann einfach nicht immer überzeugen. An vielen Stellen wäre es definitiv sinnvoll, sich für das eine oder andere zu entscheiden. Insgesamt aber ein guter Einstieg in diesen Abend.

Es folgte eine überaus gemütliche Umbaupause. Zumindest die Art und Weise mit der Joe Keefe und Pete Guinan ihre Instrumente einspielten strahlte eine unglaubliche innere Ruhe aus. Oder waren die Jungs einfach nur müde? Immerhin konnte sich Pete Guinan das eine oder andere Gähnen nicht verkneifen. Der folgende Auftritt sollte dann aber zeigen, dass das lediglich die Ruhe vor dem Sturm war. Zunächst wies Joe Keefe darauf hin, dass die letzte Show hier im MTC die beste der damaligen Tour war. Und genau das erwarte er auch von der heutigen Show. Ok, die Erwartungen auf beiden Seiten waren also gesetzt. Und sollten nicht enttäuscht werden, denn Yuppicide waren beeindruckend wie eh und je. Das liegt auf der einen Seite natürlich an der Bühnenpräsenz von Jesse Jones. Zunächst mit selbstgebastelter Maske, dann mit der obligatorischen Gesichtsbemalung und seiner gewohnt prägnanten Mimik lässt er jeden Song zu einem kleinen Theaterstück werden. Insbesondere seine weit aufgerissenen Augen wirken inmitten der blauen Gesichtsfarbe wie ein Teil eines Horrorfilms. Allein das macht Yuppicide schon zu einer (visuellen) Ausnahmeband. Doch das gilt natürlich auch für ihre Songs. Obwohl sie seit ihrer Gründung 1988 dem New York Hardcore zugeordnet werden, fallen sie definitiv nicht in dieses typische NYHC-Muster. Ob nun alte Songs wie der Opener Fistfull of Credit Cards oder Songs vom aktuellen Album, ein jeder ist ein kleines Punkrockjuwel. Die Besucher*innen sehen das genauso, schreien jeden Song lautstark mit, während in den ersten Reihen ausgiebig gepogt und getanzt wird. Allein die Typen, die mit schweißgebadeten und nackten Oberkörper auf sich aufmerksam machen wollen, trübten das Gesamtbild. Höhepunkt ist wie so oft Follow The Leader. Spätestens die Zeile „Open your eyes, hearts, minds and your mouths“ führt immer wieder zu einem Gänsehautfeeling. Zwischen den Songs sorgt insbesondere Gitarrist Steve Karp mit seiner flapsigen und charmanten Art für Stimmung. Nimmt sich selbst und das Publikum immer wieder auf die Schippe, findet in den richtigen Momenten aber auch kritischen Worte. Nach etwas mehr als einer Stunde ist dann Schluss. Yuppicide haben einmal mehr bewiesen, dass sie eine großartige (Live.) Band sind. Und so werde ich auch dieses Konzert noch lange in Erinnerung halten.

In diesem Sinne: „Here to kick some hide. Standing strong side by side. We are YUPPICIDE!!!“