reinhören: giants – break the cycle

Giants - Break The Cycle (Artwork)„We are the underachievers“ Mit diesen Worten beginnt das Debütalbum der Giants aus Essex. Die im Vorfeld veröffentlichten Songs haben es bereits angedeutet, Break The Cycle könnte ein großartiges Album werden. Natürlich stiegen somit auch die Erwartungshaltungen. Am 01. April wurde die Scheibe nun via Holy Roar Records veröffentlicht. Und eins wird schnell deutlich, hinter den Erwartungen bleiben die fünf Briten definitiv nicht zurück. Vielmehr schenken sie uns ein großartiges Hardcore-/Punkrock-Album.

Genau das zeigt dann auch gleich der erste Song. Nach einem kurzen aufwärmenden Intro und den eingangs zitierten Worten nehmen die Drums mächtig Fahrt auf, schon fliegen uns die Gitarrenriffs nur so um die Ohren, während sich die unterschiedlichen Gesangparts einen aufregenden Kampf liefern. Insbesondere das Hin und Her zwischen gesungen und geschrienen Vocals weiß zu gefallen. Bereits hier unterstreichen die Giants auch ihren sozial-politischen Anspruch: „The current mentality makes me sick… We are responsible for the future of our world. It’s not too late for us to make a change.“

Das folgende I’m Not Around ist sogar noch bissiger und prügelt sich in Oldschool-Manier von Chorus zu Chorus, ehe es in wilden und wütenden Breakdowns ein Ende findet. Erst in Our Own Enemy nehmen die Jungs ein wenig Tempo raus, ohne jedoch an Biss zu verlieren. Hier zeigen sie dann auch erstmals eindrucksvoll ihre melodische Seite, die jedoch immer wieder von wütenden Passagen durchbrochen wird. Insgesamt erinnert das stark an Comeback Kid, ist aber weit weg von einer blassen Kopie. Im Gegenteil, dieser Song bringt wie alle anderen auch einen ganz eigenen Sound mit. Das gilt vor allem für die Kombination eingängiger Singalongs mit feinen Melodien. Against The Grain wird dann rotzig. Eine straighte Punkrocknummer – der Titel deutet es schon an -, in der sich trotz Tempo im Hintergrund viele kleine Harmonien austoben, die dem Stück etwas Besonderes mitgeben. Im Gegensatz dazu ist Eastbound eine kurze schnelle Hardcorenummer, die ohne viel Schnörkel nur den Weg noch Vorne sucht. Und diesen auch findet. Der findet in Did It Mean So Much To You zunächst eine Fortsetzung. Doch spätestens im Refrain entwickelt sich der Song dann zu einer melodischen Hardcorepunk-Nummer, die zudem mit vielen Bandshouts und Breakdowns live für große Momente sorgen wird. Misguided beginnt dann zunächst mit einem eher fetten Sound. In Folge erobern sich die Gitarren aber die Oberhand und werfen uns sogar gleich mehrere Soli vor die Füße. Der anschließende Titeltrack Break The Cycle ist gebündelte Wut irgendwo zwischen Hardcore und Punk, die sich in jedem Riff und jedem geschrienen Wort entlädt. Genau der richtige Sound für Textzeilen wie „Ignorance fills the air… All for one. Nothing for all… There ist no hope. No fucking hope”. Resignation scheint diese Stimmung mitzunehmen. Ähnlich vielfältig strukturiert wie zuvor Our Own Enemy, zeigt es sich am Ende dann aber durchaus aggressiv und kämpferisch. „We won’t follow you. Don’t want to live in a world with a heaven or hell anymore.” Verständlich, denn eine Welt in schwarz und weiß braucht definitiv niemand. Gut, dass dieses Album so farbenfroh ist.

Mit schnellen Riffs nimmt Another Year Another You diese Aggressivität mit, ehe das gewohnte Wechselspiel am Gesang wieder etwas versöhnlicher wird. Doch auch hier bleiben die Giants direkt und eindringlich. So auch in der Message: „You’re wasting time. Don’t waste it. Because you’ve only got one chance to be young”. An dieser Tatsache ändert auch It’s Now All Bad News nichts. Gitarren und Drums starten chaotisch, der Sänger kotzt sich aus „Daily we are shown horrors from all around the world“. Dann wird es dank wechselnder Gesangslinien etwas versöhnlicher. Doch das ist nicht von langer Dauer. Nach dem Refrain leiten die Basssaiten den nächsten wilden Hardcorepart ein, der klar macht: Aufhalten wird uns niemand. Auch keine Regeln oder dergleichen: „Rules and guides from days gone by, that hinder the future of us all.”

Kurz vor Schluss zeigt die Band in Evergreen eine ganz persönliche Seite, die musikalisch gekonnt untermalt wird. „To the ones that we loved and we lost, you’re not gone, you live on in our hearts.” Ein Hauch von Melancholie in all der Wut? Die schmerzhafte Erfahrung des Verlustes ist hier jederzeit spürbar. Aber auch der Hoffnungsschimmer, dass auch das letztendlich gemeistert wird. Das abschließende I’ve Been Low ist dann eine packende Zusammenfassung des gesamten Albums mit all seinen Facetten in genau drei Minuten.

Mit Break The Cycle liefern die Giants ein wirklich tolles Hardcore-Punkrock-Album ab, das vor Kraft und Energie nur so strotzt. Ich bin gespannt wie die Reise nach einem derartigem Debütalbum weitergeht.

Giants – Break The Cycle

VÖ: 01. April 2016
Label: Holy Roar Records

Tracklist:
01. Underachievers
02. I’m Not Around
03. Our Own Enemy
04. Against The Grain
05. Eastbound
06. Did It Mean So Much To You
07. Misguided
08. Break The Cycle
09. Resignation
10. Another Day, Another Year
11. It’s Not All Bad News
12. Evergreen
13. I’ve Been Low

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Backstage Broadcast zur Verfügung gestellt.