reinhören: discharge – end of days

Discharge - End Of Days (Artwork)Mein erster Kontakt mit Discharge war Anfang der Neunziger in einer staubigen Flohmarktkiste. Für ein paar (D-) Mark wechselte Hear Nothing See Nothing Say Nothing ohne große Überlegungen den Besitzer. Damals war die Scheibe der Briten bereits knapp zehn Jahre alt, aber ich kann mich noch gut daran erinnern wie dieser Sound mich völlig umgehauen hat. Weitere D-Beat und Crust-Alben unterschiedlicher Bands – einige davon mit einem „Dis“ im Namen – sollten in den folgenden Jahren bis einschließlich heute folgen. Zudem nicht wenige Bands, die von Discharge beeinflusst worden sind (wie Napalm Death und Doom). Das Kapitel Discharge begann und endete jedoch mit diesem Album. Mit dem immer stärker werdenden Metaleinfluss der weiteren Alben verlor die Band nach und nach ihren Reiz. Mit dem nun anstehenden Album ändert sich das Blatt jedoch wieder. Denn End Of Days beschränkt sich wieder auf genau das, was die Briten vor knapp vierzig (!) Jahren ausgemacht hat. Anders ausgedrückt, sie besinnen sich wieder auf ihre Stärken. Genau das fehlte viele Jahre. Neben klassischem schwarz weiß Cover sind das vor allem dreizehn kompromisslose D-Beat-Attacken, die ohne große Spielereien daher kommen. Es geht gnadenlos geradeaus. Egal was oder wer sich in den Weg stellt. Und natürlich kotzen sich Discharge in ihren pessimistischen und radikal (links-) politischen Texten wieder über die Zustände auf diesem Planeten aus.

Bereits das erste Stück brettert alles nieder und verkündet mit einem fetten Sound die New World Order. Lediglich ein kurzes Gitarrenintermezzo – ganz ohne Heavy Metal geht es dann wohl doch nicht – bringt den Song aus der Spur. Die Jungs kriegen aber rechtzeitig die Kurve und am Ende regieren wieder stampfende Drums und trashige Gitarren. Bereits jetzt schon unverkennbar, Jeff Janiak, der neue Mann am Mikro. Nicht weniger dreckig als die Instrumente. Was nach diesen knapp drei Minuten noch stehen geblieben ist, wird schließlich im folgenden Raped And Pillaged nieder gemäht. Noch mehr Drive, noch rotziger. End Of Days malt nicht nur ein dunkles Atomwaffenszenario, sondern steuert auch irgendwo zwischen Hardcore und Trashmetal auf eben diese dunklen Zeiten zu. Mehr als Asche bleibt hier nicht zurück. The Broken Law legt noch eine Schippe drauf und entwickelt sich zu einer brachialen Crustnummer. Es folgen mit False Flag Entertainment und Meet Your Maker zwei treibende Hardcorenummern ehe dann mit Hatebomb und Infected zwei klassische Discharge-Songs folgen. Stampfende D-Beat-Rhythmen wie sie schmutziger nicht sein können. Der Titel des folgenden Songs passt dann auch: Killing Yourself To Live. Gut, irgendwie muss das hier alles auch verarbeitet werden. Genau das ist allerdings alles andere als einfach. Looking At Pictures Of Genocide. Der Song vermag den Schrecken dieser Bilder leibhaftig werden lassen. Hung Drawn And Quartered erlöst mich mit einer unglaublichen Wucht von diesen Bildern. Am Ende fühle ich mich tatsächlich so, wie es der Titel verspricht. Population Control kommt mit schnarrenden Gitarrenriffs genauso mächtig daher. Die Drums sind in jeder Sekunde eine Dampfwalze. Ja, zum Ende hin baut das Album noch mal so richtig Druck auf. Das gilt dann auch für die beiden abschließenden Stücke The Terror Alert und Accessories By Molotov (Part 2) . Eine wilde Achterbahnfahrt in zwei Runden. Am Ende dreht sich alles.

Discharge liefern hier noch einmal ein verdammt gutes Album ab. 34 Jahre warten haben sich gelohnt. Fettes Teil!!!

Randnotizen: Die Rhythmusgitarre hat nun Terrence „Tezz“ Roberts übernommen. Somit ein alter Bekannter. 1977 war er der erste Sänger der Band ehe er anschließend den Platz hinter den Drums einnahm. Ins Mikro schreit nun Jeff „J.J.“ Janiak, der somit Anthony „Rat“ Martin als Sänger ablöst.

Discharge – End Of Days

VÖ: 29. April 2016
Label: Nuclear Blast

Tracklist:
01. New World Order
02. Raped And Pillaged
03. End Of Days
04. The Broken Law
05. False Flag Entertainment
06. Meet Your Maker
07. Hatebomb
08. It Can’t Happen Here
09. Infected
10. Killing Yourself To Live
11. Looking At Pictures Of Genocide
12. Hung Drawn And Quartered
13. Population Control
14. The Terror Alert
15. Accessories By Molotov (Part 2)

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Gordeon Music zur Verfügung gestellt.