reinhören: pup – the dream is over

PUP - The Dream Is Over (Artwork)The Dream Is Over. Der Titel des neuen PUP-Albums wäre beinahe Realität geworden. Nach einem erfolgreichen Debütalbum (Review) und über 400 Konzerten in knapp zwei Jahren stand die Band aufgrund gesundheitlicher Probleme von Sänger Stefan Babcock vor dem Aus. Sein Doc stellte klar: Das war’s. Aus der Traum. Doch anstatt der Kopf hängen zu lassen, nahm er sich die Zeit die Sache auszukurieren. Nur um wenig später den Worten seines Arztes zu trotzen und gemeinsam mit seinen Bandkumpels ein neues Album einzuspielen. Und so klingt The Dream Is Over dann auch trotzig, frech und überaus lebendig.

Punkrock, Garage und Indierock werden hier in einem scheinbar wahllosen Durcheinander zusammengewürfelt. Die Jungs bedienen sich zwar Altbekannten – ok, was kann im Punkrock noch neu erfunden werden -, scheren sich aber offenbar einen Dreck um Klischees und Erwartungen, denn die ziehen sie in zehn Stücken mal eben auf links. „You think you’re so original / I can’t wait for your funeral“ (aus If This Tour Doesn’t Kill You, I Will) Die Gitarren frickeln und schrammeln sich durch die Songs während das Schlagzeug sein eigenes wirres Ding durchzieht. Wirklich gemeinsam sind auf den ersten Blick, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur das flotte Tempo und die sprudelnde positive Energie. Das Chaos ist vorprogrammiert. Doch während Stefan Babcocks seine Texte ins Mikro schreit – wohl mit der Absicht in naher Zukunft wieder seinen Doc aufsuchen zu müssen – fließt all das zu einem wunderbaren Mix zusammen. Selbst in Chaos und Disharmonie wissen die Jungs, wie sie zueinander finden.

Das mit einer Spielfreude und Euphorie, die selbst mir als Hörer ein Dauerlächeln in Gesicht zaubert. Was aber auch kein Wunder ist. Vor lauter Bandshouts und Oh-oohs, Coolness und Witz, tollen Hooks und eingängigen Melodien sowie einer nicht gerade kleinen Portion Pop-Appeal muss man ja gute Laune haben. Und zwar über die halbe Stunde Spiellänge hinaus. Alles andere wäre Totalverweigerung. Aber gut, dann eben Pech gehabt. Ich freue mich lieber über diese wunderbar trashige Scheibe. Scheiß auf Sommer, Sonne und Badesee. Das hier macht einfach noch viel mehr Spaß. Herrlich.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs sich nicht in ihren Zweifeln verlieren („I spend more nights on the floor than in my own bed / I barely see my family and friends anymore / I write more apologies than metaphors“ aus Doubts). und ihre eigene Euphorie bald auf die Bühne bringen. Doch Sorgen mache ich mir da keine. Denn selbst ein Stück wie Doubts vertreibt letztendlich jeden negativen Gedanken.

The Dream Is Over? Nein, PUP leben ihren Traum weiter und lassen uns daran teilhaben. Und genau das mache ich liebend gern.

PUP – The Dream Is Over

VÖ: 27.05.2016
Label: SideOneDummy Records

Tracklist:
01. If This Tour Doesn’t Kill You, I Will
02. DVP
03. Doubts
04. Sleep In The Heat
05. The Coast
06. Old Wounds
07. My Life Is Over and I Couldn’t Be Happier
08. Can’t Win
09. Familiar Patterns
10. Pine Point

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoscheibe des Albums wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.