DIE ZEIT: Milchkrise und die mächtige Veganlobby

In der letzten Ausgabe der ZEIT (No.24, 2.Juni 2016) gab es im Wirtschaftsteil einen traurigen Artikel über die aktuelle Misere der deutschen Milchbauern, der mich aufgrund eines einzigen Satzes über die böse Vegan-Lobby doch kurzfristig zum Schmunzeln bracht. Und das ist bei der ZEIT eher selten Fall. Aber der Reihe nach.

Der Artikel „ Zu viel beliebt zu viel“ dreht sich natürlich nicht um die tatsächlich traurigen Milchkuhmaschinen, sondern um den Preisverfall der Milch und den daraus resultieren Konsequenzen für die hiesigen Milchbauern (Bäuerinnen gibt es in diesem Berufszweig offenbar nicht). Sowie um unterschiedliche Möglichkeiten den Milchbauern (nein, nicht die Milchkühe) aus ihrem aktuellen Elend zu befreien. So könnte zum Beispiel an den Einzelhandel appelliert werden doch bitte höhere Preise für den Liter Milch zu bezahlen. Ha, als wenn die lieben Verbraucher*Innen im Zeitalter von „immer billiger bitte“ hier mitspielen würden. Außerdem wäre es ja auch nicht fair, wenn sich aufgrund höherer Preise nur noch Gutverdiener*Innen Milch und Co leisten können. Dann doch lieber den armen Milchbauer 100 Millionen Euro Soforthilfe zahlen. Womit die wiederum gar nicht zufrieden sind. Ne Milliarde sollte es schon sein. Immerhin kommen die Teilnehmer*Innen des x-ten Milchgipfels wie auch in der Vergangenheit zu der weisen Erkenntnis, dass schlicht und einfach zu viel Milch produziert wird. Und wie wurde es uns schon in der Schule gelehrt, ist das Angebot größer als die Nachfrage sinkt der Preis.

Wie aber nun aus dieser Misere entkommen? Also, wenn das Angebot größer als die Nachfrage ist, entweder das Angebot senken – ergo weniger Milch erzeugen – oder die Nachfrage steigern. Weniger Milch erzeugen hat in der Vergangenheit schon nicht geklappt. Das trotz weiser Erkenntnisse. Warum also jetzt? Zumal die armen Milchbauern ja mal wieder mit Steuergeldern subventioniert werden. Man muss eben nur laut genug schreien oder ordentlich Tränen vergießen. Funktioniert natürlich nicht immer. Im Falle der Milchbauern aber schon seit über 20 Jahren. Hut ab. Bleibt also nur die Nachfrage im Inland zu steigern. Geht aber auch nicht oder ist zu heikel. Und zwar, weil – jetzt der Satz über den ich schmunzeln musste – die vegane Lobby im Wege steht. Ja richtig, die vegane Lobby ist hierzulande so was von mächtig, dass sie es mit der schlaffen Lobby der Milchwirtschaft aufnehmen kann. Waoh! Mir war bis eben gar nicht bewusst, dass wir als Veganer*Innen eine derart mächtige Lobby im Rücken haben. Zumindest ist mir das bisher nicht aufgefallen. Euch? Gut, dann habe ich was verpasst. Und wer ist diese Lobby überhaupt? Die Albert-Schweitzer-Stiftung oder doch der VEBU? Der hat ja mittlerweile auch recht gute Kontakte zu Rügenwalder Mühle und Co. Und Kontakte sind für eine erfolgreiche Lobbyarbeit schließlich immens wichtig.

Fürchte die gemeinen Veganer*Innen

Wer ist also Mitschuld an der Misere der deutschen Milchbauern? Na, kommt schon. Wir Veganer*Innen natürlich. Je nach Quelle also zwischen 80.000 und 800.000 Menschen in Deutschland. Irgendwo ist es ja erfreulich, dass man sich in gewissen Kreisen vor uns Veganer*Innen fürchtet. Aber gut, wenn wir die Milchwirtschaft in die Knie zwingen können. Da trink ich zur Feier des Tages erst mal ein Glas Sojamilch. Ah, ein Glas Sojadrink. Kommt ja schließlich aus einer Bohne und nicht aus einem Euter. Und während ich das Glas leere denke ich wehmütig an die vielen Milchbauer, da ich ja soeben ihr Leid vergrößere. Die Frage, warum es der mächtigen veganen Lobby nicht gelingt für Pflanzendrinks auch eine Mehrwertsteuer von sieben Prozent durchzusetzen, stelle ich mir besser nicht. Dann wären Pflanzendrinks ja tatsächlich etwas günstiger. Wie war das mit der Fairness? Doch dann würden vielleicht noch mehr Menschen dieses Zeugs trinken (neben Veganer*Innen trinken ja auch normale Menschen wie Vegetarier*Innen Pflanzendrinks). Das wiederum würde eventuell dazu führen, dass noch mehr Menschen weniger Kuhmilch trinken. Somit die Schere zwischen Angebot und Nachfrage noch größer wird. Dann kullern noch mehr Milchbauerntränen. Woraufhin der nächste teure Milchgipfel einberufen wird und als Folge weitere Subventionen fließen werden. Und wieder sind dann die unverbesserlichen Veganer*Innen (mit-) schuld. Aber das kennen wir ja schon. Übrigens, vor einer gefühlten Ewigkeit machte die fette Milchbauernlobby noch Werbung mit dem Slogan „Die Milch macht’s“. Den sehe ich schon lange nicht mehr. Dafür wird immer noch mit der Extraportion Milch in besonders gesunden Kinderriegeln und Schokoaufstrich geworben. Mal ehrlich, wundert es da, dass der Preis der Milch in den Keller sinkt, wenn man das eigene Image selbst zerstört. Nö.