reinhören: hammerhead – opa war in ordnung (7inch)

Hammerhead - Opa war in Ordnung EP (Coverartwork)Acht Jahre nach den Nachpressungen der Neunziger Scheiben Stay Where the Pepper Grows und dem Weissen Album sowie der Cut the Melon-Zusammenstellung und ganze sechszehn Jahre nach dem letzten regulären Output Farbe Color gibt es nun endlich neues Material von Hammerhead. Die Reunion vor einigen Jahren und die folgenden Livekonzerte ließen ja irgendwie auf neue Songs hoffen, aber ganz ehrlich, daran glauben fiel schwer. Aber hey, wir reden hier über Hammerhead und die liefern in der Regel das Unerwartete. Einer der Gründe, warum die Band über die Jahre hinweg spannend und interessant geblieben ist.

Nun also Opa war in Ordnung. Der Opa ist kein geringerer als Konrad Adenauer, denn der blickt uns auf dem Cover dieser 7‘‘ mit leicht zerknittertem Gesicht entgegen. Ein untypisches Bild des Altkanzlers. Gut, wir können davon ausgehen, dass mit dem Ernst kommt hier nicht zum Tragen. Das mit den Autoritäten – war nicht Konrad Adenauer genau das – gibt es bei Hammerhead ja nicht. Na, außer Hammerhead eben. Und ehrlich, dieser Opa fände diese sieben Songs sicherlich gar nicht so in Ordnung. Denn die scheppern mal wieder ordentlich. In gewohnter Manier prügeln sich die fünf Jungs durch Hardcore und Punk. Immer laut, immer ruppig. Wer braucht schon Melodie. So klingt das weiterhin als spielen Osche Engelhardt, Headbert N., Ranen und Danilatore Minuti erst seit gestern ihre Instrumente. Und Tobias Scheisse singt immer noch ziemlich scheiße. Trotzdem ist der Großteil der Texte jetzt zumindest annähernd zu verstehen. Veränderungen im Hause Hammerhead gehen ja doch. Die Texte sind dann wie immer ein Highlight. Dafür hat Tobias nun mal ein Händchen. Wie gewohnt geht es gegen (fast) alles. Zumindest gegen das, was man in sieben Songs und knappe neun Minuten Spielzeitpacken kann.

Wieder einmal muss die eigene Szene als auch so manch Hammerhead-Groupie dran glauben. Denn auch wenn Punk keine Religion ist, der Mann am Mikro natürlich schon. Schließlich sagt der wo’s lang geht. Also, alle hinterher (aus Hier geht’s das lang). Der graue Angestellten-Mittelstand stand von je her auf der Abschussliste. Während der völlig umsonst für das schöne Morgen arbeitet, genehmigen sich die geneigten Musiker dann doch lieber ne Kiste Bier. Schließlich ist Morgen ja der Untergang (aus Morgen is Untergang). Beachtlich auch, dass sich die Jungs immer noch an die alten Klassenkameraden erinnern können. Vor allem an Dennis. Aber gut, Schule, Arbeit, Bundeswehr, Dennis bis zum Gehtnichtmehr. Überall nur Dennisfressen. Das hat offenbar geprägt und reicht ein Leben lang. Persönliches Highlight ist dann Die Alte im Vegancafé, die „schildkrötig Salat gegessen und dabei aufrecht rumgesessen“. Schließlich liebt sie das Tier. Der anschließende Vergleich zwischen ihr und dem feinen Vater führt zu vielen Gedankenspielen. Bleibt aber offen. Genauso unklar bleibt, ob das nun alles wieder nur zynisch oder sarkastisch oder tatsächlich ernst gemeint ist. Die Wahrheit liegt wie so oft wohl irgendwo dazwischen. Aber so bleibt zumindest Platz für eigene Interpretationen.

Hammerhead arbeiten auch mit dieser EP weiter an ihrem Entwurf von was auch immer. Vollendet ist das hier definitiv noch nicht. In keiner Hinsicht. So oder so, Hammerhead bleiben eine (nicht die!) wichtige Band in der deutschen Hardcore-/Punklandschaft. Diese EP beweist das mal wieder eindrucksvoll.

Hammerhead – Opa war in Ordnung (7inch)

VÖ: 10. Juni 2016
Label: Heartfirst Records

Tracklist:
01. Morgen is Untergang
02. Hier geht’s da lang
03. So kann man auch sein
04. Undank ist der Welten Lohn
05. Dennis
06. Die Alte im Vegancafé
07. Dinge Sachen Zeug

Hinweis: Das Bildmaterial ist Teil des kostenfreien Downloads, via beiliegenden Downloadcode der 7inch.