Konzertbericht: Fiducia-Sommerfest in Duisburg, 19.06.2016

Am letzten Sonntag fand im Duisburger Asta-Keller das diesjährige Fiducia-Sommerfest statt. Bei tollem Wetter gab es veganen Grillteller und Cocktails, zudem spielten mit Lawine, Parents, Lentic Waters und Svalbard ab dem späten Nachmittag noch vier Bands. Die Preise waren insgesamt wie immer mehr als fair. So kostete der Grillteller lediglich 3,50 Euro während für die vier Liveshows mindestens 7,- Euro (oder auch gerne mehr) über den Tisch wanderten. Mit knapp 50 Besucher*Innen war das Sommerfest auch recht gut besucht. Insgesamt schön zu sehen, dass es immer noch (Hardcore-) Events gibt, die so rein gar nicht nach Kommerz stinken. Bei vielen und insbesondere bei diversen Megafestivals dreht sich ja fast alles nur noch um den Merchverkauf, während Getränke und Speisen zu alles andere als freundlichen Preisen verkauft werden. Aber gut, es läuft ja. Wenn ein großes N oder das Nike-Logo auf dem Schuh platziert ist, dann ist Kommerz offenbar ein guter und leibgewonnener Bekannter. Im Asta-Keller zeigte sich jedoch ein anderes Bild. Der Merch war überschaubar und die Preise ebenfalls fair. Die meisten Scheiben kosteten weniger als bei hiesigen Mailordern, teilweise lief auch einiges nach dem „Pay what you want“-Prinzip ab. So landet das Geld dann aber auch direkt bei den Bands und nicht noch beim Vertrieb und usw. Bands wie Lentic Waters, Lawine oder Parents verzichten sogar bewusst auf all das und nehmen alles selbst in die Hand. Gut so!

Lawine, Parents, Lentic Waters, Svalbard live in Duisburg, Asta-Keller, 19.06.2016

Um kurz vor fünf starten Lawine aus Nijmegen in den Nachmittag. Krachiger Mix aus Screamo und Hardcore mit guten Texten (neben eher persönlichen unter anderem auch Tierrechtsthemen) und einigen guten, ausführlichen Ansagen zwischen den Songs. Das hat definitiv schon mal Spaß gemacht, zumal die Band die Wucht der Songs auch körperlich Ausdruck verleiht.

https://lawine.bandcamp.com/

Es folgten Parents, die den weiten Weg aus Neuseeland auf sich genommen haben, um hier in Europa zu spielen. Bereits im letzten Jahr bin dich auf diese Band aufmerksam geworden und das im Februar veröffentlichte Album Great Reward (via bandcamp) hat mich dann auch gleich umgehauen. Daher war ich auch auf den Auftritt der vier Jungs gespannt. In gerade einmal zwanzig Minuten wüten Parents durch Hardcore und Punk, dazwischen immer wieder Bruchstücke aus Post-Hardcore, Grindcore und Screamo. Sehr komplex und aufgrund der permanent hohen Geschwindigkeit nicht gerade leicht zu verarbeiten. An Wucht und Energie ist das hier nur schwer zu überbieten. Sehr interessant und spannend.

https://parentsnz.bandcamp.com

Lentic Waters aus Münster bieten dann anschließend ein genauso intensives und schmerzvolles Brett. Schnelle Passagen geben sich mit düsteren Sludge- und Doompassagen die Klinge in die Hand, während die beiden Sänger sich abwechselnd die Seele aus dem Leib schreien. Hier werden kreative Klangwände aufgebaut und gleich wieder zerstört. Düster, destruktiv, gewaltig. Danke hierfür.

https://lenticwaters.bandcamp.com

Zum Abschluss dann Svalbard aus Bristol. Das letztjährige Album One Day All This Will End (Review) lief und läuft bei mir gerne in einer Dauerschleife. Wie auch bei den Parents war die Vorfreude auf diese Show daher groß. Zudem in einem kleinen Keller wie diesem hier. Die Lichter werden ausgeknipst, nur einige Sonnenstrahlen dringen durch die Eingangstüre. Das passt zu den düsteren Songs. Auch wenn der Sound etwas matschig ist und so vor allem die atmosphärischen Parts nicht voll zur Geltung kommen, können Svalbard überzeugen. Live klingt das wesentlich gewaltiger und rauer als auf Platte, was die Songs noch reizvoller macht. Und so haben sie mich dann auch gleich beim ersten Song. Einzige Enttäuschung war das recht kurze Set von gerade einmal einer halben Stunde. Aber das ließ sich verschmerzen. Schließlich habe ich heute vier wirklich großartige Bands erlebt.

https://svalbard.bandcamp.com

Um kurz vor acht dann auch schon Schluss. So könnte jeder Sonntagnachmittag beginnen und zu Ende gehen. Gerne und immer wieder. Die Bandcampseiten der Bands sollten Ihr auf jeden Fall mal besuchen. Alle vier Bands kann ich Euch einfach nur ans Herz legen.