reinhören: parents – great reward

Parents - Great Reward (Coverartwork)Mit Great Reward hat die neuseeländische Hardcore Band Parents kürzlich ihr zweites Album veröffentlicht. Und der Albumtitel verspricht dann auch alles was in ihm steckt. Während sechzehn aufreibender Minuten ist dieses Album eine Belohnung in jeder Hinsicht. Während immer mehr Bands sich anhören wie irgendeine andere Band bieten Parents explosiven und erschütternden Hardcore, der nicht nur anspruchsvoll, sondern vor allem mit einem unverwechselbaren, ganz eigenen Sound daher kommt. Das liegt vor allem daran, dass die Band aus Auckland keine Genregrenzen kennt. Hier trifft Hardcore auf Punk, Grindcore, Screamo und Post-Hardcore in einer derart komplexen Weise, dass ich gar nicht weiß, was mir hier eigentlich gerade um die Ohren fliegt.

Das ist sogar noch beeindruckender als auf dem selbst produzierten Debütalbum aus dem Jahr 2013 und der ein Jahr später folgenden Low Life 7inch. Bereits diese beiden Veröffentlichungen waren kreative Energie pur. Great Reward geht diesen Weg nun weiter. Die raue Energie, die rohe Gewalt ist immer noch vorhanden. Doch Parents haben ihr Spiel mit Disharmonien, Komplexität, Geschwindigkeit, Variationen und Melodien noch weiter entwickelt. Fast scheint es als wäre all das ein „Wie viel passt in einen Song“ – Experiment. Ob das am Ende auch nur einigermaßen zugänglich ist, spielt keine Rolle. Letztendlich verbirgt sich dahinter jedoch genau die musikalische Intelligenz, dass diese Scheibe oder eben dieses Experiment vollkommen gelungen ist. So erinnern Parents nicht umsonst an Bands wie Converge und Orchid.

Nach dem einleitenden und düsteren vier Minuten Opener Dream On, der wenn überhaupt nur Albträume hervorbringt, folgen sieben verrückte Attacken, die nichts als Chaos zurücklassen. Dafür reicht in der Regel gerade einmal eine ganze Minute. Lediglich Don’t look back bricht aus dieser Raserei raus, spielt aber förmlich mit einer Vielzahl von Dissonanzen und verstörten Riffs, zieht Verstand und Nerven mal eben auf Links. Die folgenden Stücke verschlimmern die Sache eher noch, da ich nun auch noch mit einer unbändigen Wut und Aggressivität klar kommen muss. So ist es fast schon einer Erleichterung, dass Pressure das Tempo erstmals durchweg rausnimmt. Viel habe ich davon aber auch nicht, ist das Stück doch so was von erdrückend. Aber warum sollte mich das wundern, der Titel deutet schließlich auf nichts anderes hin. Die ersten anderthalb Minuten in Wounded schenken dann aber doch die ersten Momente der Ruhe. Eine dunkle Ruhe, der ein letzter Aufschrei von Verzweiflung folgt ehe das Album mit sanften und beinahe schon verletzlichen Klängen ein Ende findet.

Ein Album, das niederschmetternd und atemberaubend zugleich ist. Unorthodox allemal und sticht so dankenswerterweise aus dem gegenwärtigen Einheitsbrei heraus. Lediglich der Wille sich auf diesen Wahnsinn einzulassen und sich damit auseinandersetzen zu wollen ist fast schon zwingende Voraussetzung. So oder so ist diese Scheibe ein großartiges Stück.

Parents – Great Reward

VÖ: 10. Februar 2016
Label: self-produced / https://parentsnz.bandcamp.com/

Tracklist:
01. Dream On
02. Hope Less
03. No More
04. Don’t Look Back
05. The Fiend
06. End Result
07. Low
08. Pressure
09. Wounded

Hinweis: Das Bildmaterial ist Teil des Bandcampdownloads des Albums (https://parentsnz.bandcamp.com/).