Konzertbericht: The M-Pire Strikes Back – Münster, 23.09.2016

Das diesjährige Uncle M Fest habe ich leider verpasst. Am vergangenen Freitag schlug das M-Pire aber dankenswerter erneut in Münster zu. Nicht wie üblich in der Homebase des Labels, im Skaters Palace, sondern in der alten Sputnik Halle. Nach einer staugeplagten Anreise – der Feierabendverkehr am späten Freitagnachmittag ist nun wirklich kein Spaß – darf ich dann erst einmal eine etwas untypische (zumindest für mich) Seite Münsters kennenlernen. Auf meinem Weg zur Sputnik Halle muss ich mir nämlich einen Weg durch einen Haufen Freaks in Dirndl und Lederhosen bahnen. Tja, da fahre ich in dieser Jahreszeit bewusst nicht nach München, um dem Wiesntrubel zu entgehen (einmal reicht fürs ganze Leben), und schon gerate ich im Herzen Westfalens ganz unverhofft in diese Freakshow. Autsch.

The M-Pire Strikes Back – Münster, Sputnikhalle, 23.09.2016

Moose Blood, Apologies, I Have None, PUP, Smile & Burn, Luca Brasi, anorak

Zum Glück wurde der Beginn des Festivals offenbar um eine halbe Stunde verschoben, so dass ich gerade noch rechtzeitig vor der Bühne stehe, auf der anarok den Abend soeben eröffnen. Deren Debütalbum Enthusiasts & Collectors (erschienen auf Uncle M im Frühling 2016) habe ich genauso enthusiastisch aufgenommen, wie es der Albumtitel ankündigt. Daher bin ich auch sehr auf den Auftritt der fünf Kölner gespannt. Allerdings verfolge ich diesen Auftritt mit gemischten Gefühlen. Kennt Ihr das Gefühl, dass Euch die Musik mitreißt, Ihr Euch mit den Texten identifizieren könnt, Ihr dem/der Sänger*in das aber irgendwie nicht abnehmt, was sie/er da gerade ins Mikro schreit? So ergeht es mir an diesem Abend. Die durchaus extravagante Art von Sänger Philip ist definitiv sehenswert, passt aber so gar nicht zur Stimmung der Songtexte. Alles andere, allen voran das Gitarrenspiel und das stete Hin und Her zwischen lauten und Leisen Parts, überzeugt hingegen völlig. Insgesamt dann doch ein prima Einstieg in diesen Abend.

Es folgen Luca Brasi aus Australien, auf die ich durch die in diesem Jahr veröffentliche Split EP mit Apologies, I Have None aufmerksam geworden bin. In ihrer Heimat gelten die vier Jungs als einer der Punkrockbands der Stunde. Dass sie dieses Lob auch verdienen, beweisen sie in der folgenden halben Stunde eindrucksvoll. Emotionaler Punkrock mit vielen tollen Melodien und eingängigen Riffs, der die Energie, die die Jungs in die Songs legen, jederzeit spürbar macht. Ein Punkt, der eine gute Punkrockshow ausmacht. Von daher ein klasse Auftritt. Bereits jetzt angemerkt, dass sich auf dem Shirt des Sängers die einzige explizit politische Aussage des Abends (zumindest jenseits der Songtexte, aber schon fast untypisch für eine Punkrockshow) versteckt. „Asylum is a human right.“ Ein Recht, dass heutzutage allzu oft vergessen wird.

Erfreulicherweise gibt es auch heute Abend ein (fast ausschließlich) veganes Schlemmerangebot. Der Crew von Uncle M liegt offenbar nicht nur die Musik am Herzen. So gönne ich mir in der folgenden Umbaupause dann auch einen veganen Hot Dog von Doppeltsolecker-Catering. Tatsächlich mein allererster Hot Dog. Doch schon nach dem ersten Bissen ist klar, den Hype um diese amerikanische Fast-Food Wurst mit mehr Soße als Wurst und gerösteten Zwiebeln in weißen Pappbrötchen kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Von daher der Erste und Einzige… Die Burger von Doppeltsolecker-Catering sind aber, auch wenn ich dieses Mal keinen gegessen habe, tatsächlich richtig lecker.

Den letzten Tropfen Ketchup vom Finger geleckt, schon stehen Smile And Burn auf der Bühne. Während das aktuelle Album Action Action offenbar nicht gerade wenig Aufmerksamkeit erhalten hat, fegten die Jungs aus Berlin bis auf wenige Ausnahmen bisher komplett an mir vorbei. An diesem Abend ist das auch nicht anders. Auf und vor der Bühne gibt es zwar erstmals ein wenig „Action“. Knackpunkt an der Sache ist jedoch, dass mich das alles sehr stark an Adam Angst erinnert. Einfach zu viel Show und irgendwie weiß ich nicht, ob ich das alles ernst nehmen soll oder besser nicht. Ich mag mich irren, aber authentisch wirkt anders. Da helfen auch Power und Spielfreude nicht. Und mal ehrlich, eine Wall of Death war bei Turbonegro schon albern … Die meisten Besucher*Innen, vor allem in den vorderen Reihen, haben aber durchaus Spaß. Getanzt und gepogt wird zumindest ausgiebig.

Dann endlich PUP. Ihr Auftritt im Rahmen des Groezrock Festival 2014 auf einer großen Bühne war schon außerordentlich, daher bin ich gespannt, wie die vier Kanadier in einem weitaus kleineren Schuppen daherkommen. Gleich der Opener If this tour doesn’t kill you I will zeigt, dass sie den genannten Auftritt hier noch toppen würden. Zwar fliegen hier nur wenige Menschen von der Bühne, dennoch gleicht die Show einem Feuerwerk an Energie und Leidenschaft. Irgendwo zwischen Garage und Punkrock scheppern die Gitarren, begleitet von einem rumpelnden Schlagzeug und einem treibenden Bassspiel, während Sänger Stefan Babcock sich immer wieder die Seele aus dem Leib schreit. Kaum zu glauben, dass die Band fast vor dem Ende stand. Der Titel des aktuellen Albums The Dream Is Over (Review) schien daher gar nicht mal so abwegig. Doch PUP zeigt einmal mehr, dass der Traum alles andere als vorbei ist. Vielmehr ist da das Gefühl, dass die Jungs ihren Traum in jedem dieser Augenblicke weiterleben. Großartig. Danke.

Anschließend betreten Apologies, I Have None die Bühne. Erst kürzlich haben die vier Briten ihr zweites Album Pharmacie (Review) rausgebracht, somit für mich die erste Gelegenheit die neuen Songs auch live zu hören. Und hui, die kommen genauso düster aus den Boxen wie im heimischen Wohnzimmer. Aber weitaus krachiger. Immer wieder erschaffen die Jungs gewaltige Gitarrenwände – so laut habe ich Apologies, I Have None noch nie erlebt -, die dann jedoch in sich zusammenstürzen, wenn Josh McKenzie die Stimme erhebt. Der Kontrast zwischen den eher melancholischen und atmosphärischen Parts wirkt so noch stärker, ja intensiver. Schon jetzt bin ich begeistert. Inmitten des Sets dann der emotionale Höhepunkt des Abends. Nach dem lauten Einstieg folgen (für einige Menschen in meiner Nähe endlich) die ersten Songs des Debütalbums, die allesamt vom Publikum mitgesungen werden. Teilweise so lautstark – wie beispielsweise in Sat In Vicky Park -, dass Josh McKenzie den Gesang komplett dem Publikum überlässt. Wie auch bei den bisherigen Uncle M Festivals sind Apologies, I Have None ein Garant für große Momente. So auch an diesem Abend. Das Gerede zwischen den Songs habe ich übrigens nur mit einigen Lücken verfolgen können. Entweder lag das an mir oder doch am Alkoholpegel von Josh McKenzie. Doch das sind nur Randnotizen eines bewegenden Auftritts.

Als letzte Band des Abends stehen schließlich Moose Blood auf der Bühne. Aktuell offenbar schwer angesagt, aber so richtig überspringen konnte der Funken bisher bei mir nicht. Nein, auch an diesem Abend nicht. Zudem wirken die Jungs recht anteilnahmslos an dem Geschehen in der Halle, so dass ich nach einer halben Stunde aufgebe und mich früher als gedacht auf den Heimweg mache. Sorry.

Obwohl mich nicht alle Bands mitreißen konnten, bleibt ein erneut hervorragender Konzertabend hängen. Die Reise nach Münster hat sich wieder einmal mehr als gelohnt. Hey Uncle M Crew, vielen Dank dafür.

Der Gang durch die nun volltrunkenen Oktoberfestfreaks bleibt mir auf dem Weg zum Auto natürlich nicht erspart. So auch Matthias Reim. Der liebt immer noch, na, wen auch immer, aber sie/er ihn leider immer noch nicht. Aber immerhin darf ich einem Lederhosentypen dabei zusehen, wie er gleich mehrmals gegen eine sich öffnende Taxibustür rennt. Geschnallt hat er das erst, als er dem Taxifahrer förmlich vor die Füße fällt und versucht ihn mit seinem Gelalle irgendwas mitzuteilen. Tja, Mordsgaudi, so ein Oktoberfest.