reinhören: pettersson – rift and seam

petterson_riftandseam_coverartworkDie Welt liegt mal wieder in Scherben. Kennt Ihr sicherlich. Dann wünsche ich mir einen Ort, an dem ich mich zurückziehen kann. Einen Ort der Ruhe. Irgendwen oder irgendwas, das einen wieder auffängt, das Halt gibt, das Kraft gibt. So etwas ist Petterssons Debütalbum Rift And Seam. Die drei Jungs aus Wien schenken uns hier ein mitreißendes Album, das uns die Welt da draußen zumindest für eine knappe halbe Stunde vergessen lässt

Was erst einmal überraschen mag. Sind doch Verzweiflung, Trauer, Wut, Ausweglosigkeit und eine immer weiter schwindende Hoffnung auf diesem Album allgegenwärtig. Also all das, was wir nicht gerne um uns haben. Vor dem wir gerne weglaufen. Doch Rift And Seam schmeißt uns das wie einen Scherbenhaufen vor die Füße. Erinnert uns daran, dass das alles ein Teil von uns ist. Warum also weglaufen? Stellen wir uns dem entgegen.

Auch wenn sich immer wieder mächtige Soundwände erheben, uns schier erdrücken, wir gerne weglaufen wollen, so fallen diese auch immer wieder in sich zusammen. Treten über in melodisch-ruhige Momente, in denen wir Ruhe und Kraft finden. Wir Luft holen können, um auch den nächsten emotionalen Ausbruch, der mit voller Wucht auf uns nieder prasselt, zu überstehen. Was nicht immer einfach ist. Ist der Gesang, der selbst in ruhigen Phasen nur ein Geschreie ist, doch dermaßen von verzweifelt, dass mir der Schweiß fast pausenlos eiskalt den Nacken herunter läuft. Was auch daran liegt, dass die Melancholie, die darin mitschwingt, den Worten noch mehr Gewicht verleiht, so dass diese noch niederschmetternder wirken. Allerdings so auch perfekt zum musikalischen Hintergrund passen.

Doch spätesten wenn die Gitarren sich erstmals immer weiter ausbreiten, während das Schlagzeug jeden traurigen Gedanken zu zerschlagen scheint, drifte ich zeit- und haltlos daher. Lasse mich fallen. Und genieße diese komplexe und dicht arrangierte Atmosphäre und somit auch dieses Album in vollen Zügen. Und dann weiß ich, die Welt kann auch ganz okay sein.

Ein toller Mix aus Screamo, Noise, Post-Hardcore, der mich schlicht nicht mehr loslässt, während ich mir immer wieder die Frage stelle, wie das hier mit lediglich drei Menschen an den Instrumenten eigentlich funktioniert. Egal. Dieses Teil ist einfach beeindruckend. Oder mit anderen Worten, ein Debütalbum, mit dem sich Pettersson schon jetzt große Aufmerksamkeit verdienen.

Pettersson – Rift And Seam

VÖ: 01. November 2016
Label: i.corrupt Records

Tracklist:
01. Ben
02. Infirm
03. White Birch
04. Interlude
05. Spiro, Spero
06. Helicobacter
07. All Is Lost
08. Kalk

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Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von i.corrupt Records zur Verfügung gestellt.