reinhören: todd anderson – die stillte schreit nicht mehr

Todd Anderson - Die Stille schreit nicht mehr CoverartworkGanze sieben Jahre haben sich Todd Anderson für den Nachfolger ihrer 2009er Scheibe Zufluchtsort Zeit gelassen. Offenbar haben sie genau diesen gefunden, Kraft geschöpft und liefern nun endlich ihr drittes Album ab. Und das Warten hat sich definitiv gelohnt. Denn mit Die Stille schreit nicht mehr zeigen die fünf Jungs aus Marbug einmal mehr, wie gewaltig deutschsprachiger Hardcore sein kann.

Wobei diese Einordnung diese Scheibe lediglich ansatzweise beschreibt. Hören wir doch neben Hardcore auch Punkrock, Screamo, Noiserock und eine Vielzahl anderer Einflüsse, die Todd Anderson hier zu einem wundervollen Gesamtwerk zusammenführen. Allein aus diesem Grund sollte erst gar keine Schublade geöffnet werden. Fakt ist, es wird immer die falsche sein.

Ob nun mächtige Gitarrenwände, die sich langsam aufbauen, dann jedoch urplötzlich in sich zusammenfallen. Oder die ruhigen atmosphärischen Zwischenparts, die uns über raue Melodien und fette Gitarrenriffs auf den nächsten Ausbruch vorbereiten, der dann mit voller Wucht auf uns niederprasselt. Oder der verzweifelte Gesang, der mal geschrien, mal eher gesprochen, mal irgendwo dazwischen, all die Wut und Verzweiflung der Lyrics fühlbar werden lässt. Oder die düstere bis melancholische Atmosphäre, die schlichtweg packend ist. Oder alle die kleinen spielerischen Raffinessen, die nur hörbar werden, wenn wir uns ganz auf diese zehn Stücke einlassen. All das hat einen ganz eigenen Charme, der jeden Song anderes klingen lässt. Uns nie das gibt, was wir erwarten und so zu etwas ganz besonderen macht. Sicherlich greifen Todd Anderson dabei auch auf Altbekanntes zurück. Verleihen all dem aber ein neues Gewand, gehen neue Wege und brechen so aus dem Bekannten aus. So heißt es in Ausbruch „Man muss sich das nur trauen, was sonst niemand vermag.“ Todd Anderson machen genau das.

Das gilt auch für die Texte eines jeden Songs. Ein jeder wäre es wert, hier in voller Länge abgedruckt zu werden (doch das überlasse ich natürlich dem Booklet). Liest sich ein jeder doch wie ein ganz persönliches Gedicht. Für lyrische Finesse sind die Marburger ja bekannt. Tatsache ist, hier finden feinsinnige Lyrik, Herz, Punkrock und Hadrcore in einer Harmonie zusammen, die in dieser Form nur selten zu hören ist.

So steht Die Stille schreit nicht mehr letztendlich für einen modernen, intelligenten Mix aus Hardcore und Punkrock, dem in jeder Sekunde anzumerken ist, dass er von Herzen kommt. So bleibt am Ende nur den Nebelpfaden zu folgen, denn „…sich auf sowas einzulassen ist Punkrock mit Gefühl.“ Macht genau das. Mehr ist nicht zu sagen.

Todd Anderson – Die Stille schreit nicht mehr

VÖ: 02. Dezember 2016
Label: Midsommer Records

Tracklist:
01. Elchtier
02. Ausbruch
03. Nebelpfade
04. Surfen
05. Daemmerstunde
06. Leuchtturm
07. Dinge
08. Vermissen
09. Stille
10. Dueneland

Todd Anderson - Bandpicture

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurde mir freundlicherweise von Fleet Union zur Verfügung gestellt.