Academy of Nutrition and Dietetics: aktualisiertes Positionspapier zur veganen/vegetarischen Ernährung

Nachdem die Academy of Nutrition and Dietetics (A.N.D.) ihr 2015 veröffentlichtes Positionspapier zu vegetarischen Ernährungsformen zur Überarbeitung zurückgezogen hat, hat sie kürzlich dieses Positionspapier1 in aktualisierter Form in der Fachzeitschrift Journal of the Academy of Nutrition veröffentlicht. Trotz Überarbeitung hat sich an der Position der A.N.D. nichts geändert.

Angemessen geplante vegetarische Ernährungsformen, einschließlich der veganen Ernährung, sind gesund, ernährungsphysiologisch bedarfsgerecht und bieten gesundheitliche Vorteile bei der Prävention und Behandlung von bestimmten Krankheiten. Diese Ernährungsformen eignen sich für alle Phasen des Lebenszyklus, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit, Jugendalter, älteres Erwachsenenalter und für Sportler. Pflanzlich basierte Ernährungsformen sind umweltverträglicher als Ernährungsformen, die reich an tierlichen Produkten sind, weil sie weniger natürliche Ressourcen verbrauchen und mit viel weniger Umweltschäden behaftet sind.

vegane Ernährung in jeder Lebensphase geeignet

Somit bestätigt die A.N.D. ihre Positionspapiere aus den Jahren 2003 und 2009. Gleichzeitig widerspricht sie dem vor einigen Monaten veröffentlichten Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die nach wie vor von einer veganen Ernährung in sensiblen Lebensphasen wie Schwangerschaft, Stillzeit, Säuglingsalter, Kindheit und Jugendalter abrät2.

Das Positionspapier der A.N.D. geht gezielt auf kritische „Nährstoffe“ Ernährung ein und gibt Tipps, wie der Bedarf an diesen „Nährstoffen“ auch in sensiblen Lebensphasen, in denen ein erhöhter Bedarf besteht, mit einer veganen Ernährung gedeckt werden kann. Zu diesen Nährstoffen zählen Protein, Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Zink, Jod, Vitamin D und Vitamin B12. Darüber hinaus werden auch einige (Online-) Quellen genannt, die ausführliche Informationen für eine bedarfsgerechte und gesunde vegane Ernährung liefern.

vegane Ernährung kann Zivilisationskrankheiten vorbeugen

Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass Veganer*Innen / Vegetarier*Innen ein reduziertes Risiko für koronare Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes mellitus II, Adipositas und verschiedene Krebsarten haben. Zudem sind die LDL-Cholesterinspiegel niedriger und die Blutzuckerwerte besser. Dies liegt unter anderem an der geringen Aufnahme von gesättigten Fettsäuren bei gleichzeitig hoher Aufnahme von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Sojaprodukten, Nüssen und Samen. All das trägt dazu bei, das Risiko an chronischen Krankheiten zu erkranken zu verringern. Selbstverständlich müssen Veganer*Innen ihren Vitamin B12-Bedarf zwingend über zuverlässige Quellen, d.h. über angereicherte Nahrungsmittel und Supplemente, decken.

Die hier genannten Vorteile gelten auch für Kinder, die sich vegan ernähren. Auch sie haben ein niedrigeres Risiko für Übergewicht und Adipositas. Vorteilhaft ist zudem, dass vegan lebende Kinder mehr Obst und Gemüse essen, dafür weniger Süßigkeiten und salzige Snacks, weniger Fett und vor allem weniger gesättigte Fettsäuren. Auf die Zufuhr von Eisen, Zink und Vitamin B12 sowie Kalzium und Vitamin D sollte jedoch geachtet werden. Falls erforderlich sollten Supplemente verwendet werden (für Vitamin B12 und auch Vitamin D sowieso). Wichtig ist zudem, dass eine gesunde vegane (oder vegetarische) Ernährung den Grundstein für gesunde und lebenslange Essgewohnheiten legen kann.

vegane Ernährung hat positive Auswirkungen auf die Umwelt

Neben den gesundheitlichen Vorteilen geht die A.N.D. auch auf die positiven Auswirkungen pflanzenbasierter Ernährungsformen ein. So sind diese ökologisch nachhaltiger als eine Ernährung mit vielen tierlichen Produkten, da sie weniger natürliche Ressourcen verbraucht und mit weniger Umweltschäden verbunden ist. Vegetarische Ernährungsformen verbrauchen im Vergleich zur omnivoren beispielsweise weniger Wasser und fossile Brennstoffe. Auch werden weniger Pestizide und Düngemittel benötigt. Zudem werden weitaus weniger Treibhausgase freigesetzt. Das gilt vor allem für eine vegane Ernährung, die im Vergleich zu omnivoren um über 50% weniger Treibhausgasemissionen freisetzt.

Fazit des Positionspapiers

Eine gut geplante vegetarische und vegane Ernährung versorgt uns in jeder Lebensphase angemessen mit allen notwendigen Nährstoffen. Im Vergleich zu nicht-vegetarischen Ernährungsformen können vegetarische Ernährungsformen das Risiko für viele chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus II, Adipositas und manche Krebserkrankungen reduzieren. Zudem sind vegetarische Ernährungsformen umwelt- und ressourcenschonender als nicht-vegetarische Ernährungsformen.

Hinweis: Es wird darauf hingewiesen, dass für eine adäquate Omega-3-Versorgung die alleinige Zufuhr von ALA (α-Linolensäure) auszureichen scheint. Lediglich in Zeiten erhöhten Bedarfs soll auf DHA-Supplemente, die es inzwischen auch in veganer Form gibt, zurückgegriffen werden. Zu diesem Ergebnis kamen auch schon Jack Norris und Virginia Messina in ihrem Buch Vegan for Life (Jahrgang 2011). Gute ALA-Quellen sind u.a. Walnüsse und Walnussöl, Leinsamen, Chiasamen, Hanfsamen und Öle aus diesen Samen.

Quellen:
1) http://www.andjrnl.org/article/S2212-2672%2816%2931192-3/pdf
2) http://www.veganrockcity.de/2016/04/22/reingeschaut-aktuelles-positionspapier-der-dge-zur-veganen-ernaehrung/