2016 Jahresrückblick / end of the year review

2016 ist Geschichte. Hier noch ein kurzer und natürlich nicht vollständiger Blick zurück auf das, was unter anderem bewegen sollte und natürlich nicht bewegt hat. Dabei fällt es nach den tragischen Ereignissen in Berlin vor einigen Tagen gar nicht so leicht das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren zu lassen. Zunächst einmal gehört mein Mitgefühl allen Betroffenen und deren Angehörigen, die Opfer dieser schrecklichen Tat geworden sind. Umso erschreckender ist es, dass einige Menschen nicht verstehen wollen, dass genau das, Mitgefühl sowie eine Zeit der Stille gerade angebracht ist. Eben diese Menschen versuchen, obwohl die Tat noch nicht aufgeklärt ist und andere Menschen trauern, Kapital aus diesem Verbrechen zu ziehen indem sie es für ihre Zwecke instrumentalisieren. Und scheren sich somit einen Dreck um andere. Mitgefühl? Wie so oft stehen die eigenen Interessen im Vordergrund. Ganz vorne dabei natürlich AfD – kein Mitgefühl und purer Egoismus ist natürlich eine tolle Alternative für Deutschland -, Pegida und andere braune Bewegungen wie die Identitäre Bewegung. Aber auch der nette Populist aus dem Süden, Horst Seehofer. Dessen Partei – immerhin Teil der Bundesregierung – trägt übrigens das Wort christlich im Namen. Auch wenn ich damit nichts am Hut habe, aber das scheint auch nur ein netter Werbeslogan zu sein. Christlich steht zumindest oft neben Nächstenliebe und somit gar nicht so weit von Mitgefühl entfernt. Doch ich mag mich irren. Die katholische Kirche drückt ja auch bei Kindesmissbrauch gerne mal ein Auge zu. Hier empfehle ich, einfach mal Spotlight – 2016 mit dem Oscar für den besten Film ausgezeichnet – anschauen anstatt die Bibel oder Ben Hur an den Weihnachtstagen zum xten-Mal. Dann macht der nächste Kirchenbesuch doch umso mehr Spaß.

Wie dem auch sei, wenn am rechten Rand zu punkten ist, dann müssen diese natürlich eingesammelt werden. Immerhin sind 2017 ja Wahlen und da geht es nicht um Mitgefühl. Davon mangelt es aktuell übrigens nicht nur in braunen Köpfen, sondern weltweit. Die Lage im syrischen Aleppo zeigt das mehr als deutlich. Da geht es, ja um was eigentlich? Offenbar nur darum möglichst viele Menschen zu töten. Anklopfen, peng. Ein Bus mit hilflosen Flüchtlingen, peng. Die Weltgemeinschaft schaut derweil zu, kann sich lediglich zu einigen mahnenden Worten durchringen. Alles andere steht geopolitischen Interessen im Wege. Alles andere heißt vor allem Menschlichkeit. Die ist jedoch nur noch am Rande existent, wenn überhaupt. Wundert es da noch, wenn aus Willkür Menschen getötet werden, ganze Städte, ja ein ganzes Land in Schutt und Asche gebombt wird, wenn nichts mehr übrig bliebt, dass Menschen dieses Land verlassen und den beschwerlichen Weg gen Westen auf sich nehmen? Auf diesem Weg sind 2016 etwa fünftausend (5000) Menschen im Mittelmeer ertrunken. Darunter nicht wenige Kinder. Das Bild des Polizisten, der am Strand ein totes Kind im Arm trägt, ging um die Welt. Und geriet alsbald wieder in Vergessenheit. Mitgefühl von kurzer Dauer in einer kalten Welt.

Was tun? Abschotten und das nächste Sicherheitspaket verabschieden. Hilflose Menschen ihrem Schicksal überlassen. Schließlich könnten ja Terroristen unter ihnen sein. Glaubt eigentlich irgendwer, dass damit Anschläge verhindert werden können? Die EU schiebt zumindest gerne ein paar Milliönchen Richtung Türkei. Ungeachtet der Tatsache, dass dort demokratische Werte und Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Scheiß drauf, immerhin kommen so ja weniger Flüchtlinge zu uns. Da stört es auch nicht, wenn die Bedingungen in den Auffanglagern immer schlimmer werden. All das entspricht natürlich nicht der Wahrheit. Wird doch von der sogenannten Lügenpresse nur verbreitet, um an unser schlechtes Gewissen zu appellieren. Unsere Gier, unser Massenkonsum, unsere Billigexporte dank Überproduktion und unsere überwältigende Empathie für andere haben damit auf keinen Fall was zu tun. Also weitermachen und nicht vergessen „Me, Myself and I“ steht immer an erster Stelle.

Alben 2016
Viva Belgrado – Ulises
Dangers – The Bend in the Break
Neurosis – Fires Within Fires
Todd Anderson – Die Stille schreit nicht mehr
Touche Amore – Stage Four
Oathbreaker – Rheia
Fjørt – Kontakt
Parents – Great Reward
Dinosaur Jr – Give a Glimpse of What Yer Not
David Bowie – Blackstar

Und selbst wenn es mal nicht so gut läuft, es gibt ja überall eine*n Heilsbringer*In, die für alles eine Lösung haben. Auf Flüchtlinge schießen, eine richtig hohe Mauer bauen oder unliebsame Menschen gleich verschwinden lassen. Einfache Lösungen, oder? Und einfach mögen wir es ja. Darum laufen wir ja AfD, Trump, Le Pen, Johnson und Co hinterher. Fast wie im Paradies. Das eigene Hirn mal zumindest kurz anschalten ist gar nicht mehr notwendig. Dann müssten wir uns ja mit Tatsachen beschäftigen. Und hinter die Kulissen der Fake News schauen, die alles so einfach klingen lassen. Aber aufgepasst, nicht zu kritisch werden. Der BND hört mit. Darf er natürlich nicht, macht er aber trotzdem. Die Bundesregierung findet das nun auch offiziell super und legalisiert das rückwirkend. Klingt bekannt. Genau, ist die einfachste Lösung. Tolle Sache, das Recht zu haben, das eigene Unrecht Recht werden zu lassen. Politik 2016. Und genau dann erlaubt sich WhatsApp plötzlich eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung einzuführen. Ein wenig mehr Datenschutz, auch wenn unklar wie und ob das denn so funktioniert. Zumal im Hintergrund immer noch Facebook steht und die haben an unseren Daten selbstverständlich kein Interesse. Aber wir haben ja auch nichts zu verbergen. Nicht einmal unsere Wut. Sind wir doch alle Wutbürger*Innen (ups, wieder gegendert). Für mich übrigens das Unwort des Jahres. Denn was wir wirklich brauchen sind keine Wut-, sondern Mutbürger*Innen. Menschen, die nicht einfach nur laut mitschreien und ihren Verstand ausschalten. Sondern Menschen, die auch den Mut haben zu handeln und ihre nicht nachgeplapperte Meinung kundtun. Zum Beispiel sich der braunen Pest entgegen zustellen (Fjørt liefern dazu den Soundtrack) oder auch verbal deren Lügen zu entlarven. Also Menschen, die es sich nicht einfach machen (wollen). Menschen mit Hirn eben.

Shows / Konzerte 2016
Svalbard, Parents, Lentic Waters, Lawine (Fiducia Sommerfest)- Asta-Keller Duisburg
Yuppicide – MTC Köln
Fjørt – Artheater Köln
Togehter Fest mit Gorilla Biscuits, Modern Life Is War, Touche Amore in Essen (mit der Erkenntnis, dass MLIW eine Macht sind und ich Gorilla Biscuits nicht noch einmal live sehen muss, da Civ’s Stimme einfach nicht mehr mitreißt)

Vielleicht denkt dann so manch eine*r ja auch mal über das nach, was auf dem schön dekorierten Teller liegt. Aber wo das Mitgefühl für andere Menschen fehlt, ist Mitgefühl für andere Lebewesen natürlich nur ein Wunschdenken. Leider bin ich ein Träumer und das tut hin und wieder weh. Selbst die schrecklichen Bilder aus den Todesanlagen deutscher Vorzeigelandwirte sorgten nur für einen kurzen „oh-die-armen-süßen-Tiere-heiteitei-Aufschrei“ und wurden schneller verdrängt als das nächste Schnitzel in der Pfanne gar gebraten wurde. Aber gut, mal eben ein junges Ferkel den Kopf an einer Wand kaputt schlagen ist ja auch nichts, was die Gemüter erhitzt. Solange die Reste des Ferkels nachher lecker duftend auf dem Teller liegen ist ja alles prima. Da ist es schon fast witzig, dass die treffendsten Worte zum Thema Fleischkonsum ausgerechnet vom Chef der Rügenwalder Mühle persönlich daher kamen. Kurz zusammengefasst: Die Wurst ist lecker. Ansonsten ist da aber aus gesundheitlicher Sicht nur Scheiße drin. Tja, Scheiße schmeckt eben. Der darauf folgende Shitstorm – es sei angemerkt, der kam nicht aus dem veganen Lager – zeigte dann auch, so lustig er war, die Grausamkeit in den Köpfen der gesamten Fleischindustrie. Mitgefühl? Nö, geht ja um Geld. Und da sind so plumpe Dinge wie Mitgefühl fehl am Platz. Derweil ist die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) immer noch der Meinung, dass es hierzulande keine Menschen mit Hirn gibt. Die vegane Ernährung findet sie zwar nun, wenn auch immer noch etwas halbherzig, akzeptabel. Vegane Eltern findet sie aber immer noch nicht schlau genug auch ihre Kinder vegan groß werden zu lassen. Warum geht es eigentlich allen veganen Kindern, die ich kenne, darunter auch unser Sohn, so richtig gut? Aber gut, muss ich ja nicht verstehen. Bin ja nicht schlau genug. Sagt die DGE. Von daher habt Ihr nun gerade ziemlich viel Zeit verplempert, um Euch all diesen Bockmist in den letzten fünf Minuten durchzulesen. Macht aber nichts. Schließlich leben wir ja in postfaktischen Zeiten. Ihr müsst daher auch nichts von all dem hier Geschriebenen hinterfragen. Anders ausgedrückt, einfach weitermachen. Auch in 2017.