reinhören: ays – worlds unknown

AYS_WorldsUnknown_CoverartSieben Jahre nach Eroded By The Breeze und drei Jahre nach dem letzten Output, einer Spilt-EP mit Empowerment, melden sich AYS mit ihrem neuen Album Worlds Unknown zurück. Das liefert zwölf wuchtig produzierte, sehr düstere Hardcorebrecher mit enorm viel Groove, der jedoch vor Aggressivität nur so strotzt. In den letzten Jahren hat sich offenbar wieder eine Menge Wut bei den Jungs aus Düsseldorf angestaut. Genau die scheint Sänger Schommer sich hier aus Herz und Seele zu schreien. Und dazu passt der zumeist eher langsame Groove genau richtig. Wird so doch die für AYS typische Atmosphäre geschaffen. Und die ist wie immer bedrohlich und beklemmend.

So eröffnet der Opener 3AM dieses Album auch gleich mit einem melancholischen Intro, ehe nach über einer Minute verzerrt-finstere Riffs und Schomers kratziger Gesang das Ruder übernehmen. Die Gitarre beschränkt sich dabei auf einige wenige Akkorde, während Bass und Schlagzeug den Song mit einem stampfenden Rhythmus antreiben. Schon jetzt erdrückt dieses Soundgerüst beinah alles. AYS greifen hier auf simple Dinge zurück, setzen diese aber gekonnt ein. Mehr braucht es manchmal eben nicht, um spannend zu sein und nachhaltig zu fesseln. Das folgende Floodgates schlägt wie der Rest des Albums zwar die gleichen schwarzen Töne an, klotzt nun aber mit gewaltigen Moshparts und weitaus mehr Härte. Tempowechsel und sogar ein dezentes Gitarrensolo lassen das aber dankenswerterweise nicht in stumpfes Geballer ausufern. Dazu trägt auch der Gastauftritt von Empowerment Schreihals Jogges bei, der mit seinen wütenden, tiefen Growls den Song noch interessanter macht. Gerade diese kleinen Details lassen die Scheibe sehr lebendig wirken, zeugen sich doch auch von einer gewissen Weiterentwicklung. Mit Songs wie Twisted Thoughts oder Stench gibt es zwar auch weiterhin klassisch-fette Hardcorenummern der neunziger Jahre. Doch andere Stücke wie das siechende Suns of Light mit zweistimmigen Gesang oder Dog Pound mit deutschsprachigen Refrain (mit Abfukk Sänger Marcel am Mikro) über ein Leben voller Scheiße zeigen eine ganz neues Gesicht, das den Jungs aus Düsseldorf aber genauso gut steht. KOBTH vereint sogar all dies. Beginnt es doch wild und wütend, suhlt dann jedoch ganz tief in gitarrentreibenden und schleppenden Doom. Größte Überraschungen sind jedoch das rockig-poppige Frost, das sogar mit cleanem Gesang daherkommt, und das abschließende Burn and Fade, das in sechs Minuten mit feiner Instrumentalarbeit offenbar das Epische sucht.

Durch all diese neuen Elemente sind AYS ein Stück weit zugänglicher geworden als in der Vergangenheit. Einige werden sich darüber sicherlich ärgern. Aber das macht diese Scheibe nicht nur vielseitiger, sondern zeigt auch, dass man im Hardcore auch ohne Scheuklappen überzeugen kann. Abgesehen davon haben die Jungs nicht einen Hauch an Biss und Aggressivität verloren. Klingen sie doch so angepisst wie eh und je und liefern mit Worlds Unknown letztendlich eine verdammt gute Scheibe ab. Bitte und gerne mehr davon.

AYS – Worlds Unknown

VÖ: 10. März 2017
Label: End Hits Records

Tracklist:
01. 3AM
02. Floodgates
03. Worlds Unknown
04. KOBTH
05. Wuhan Prison
06. Suns of Light
07. Fever
08. Stench
09. Frost
10. Dog Pund
11. Twisted Thoughts
12. Burn and Fade

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.