Konzertbericht: The Saddest Landscape und Svalbard live in Essen

Jubiläumstouren sind ja wieder groß in Mode. Und so sind nun auch The Saddest Landscape auf ihrer Fifteen Year Anniversary Tour unterwegs. Dabei hatten sie doch in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die aktuellen Touren die letzten der Bandgeschichte sein werden. Weit gefehlt und viel erzählt. Aber das passt ja zur heutigen Zeit. Am vergangen Freitag machten die vier Jungs dann wie auch vor zwei Jahren im Essener Cafe Nova halt. Mit dabei Svalbard aus Bristol sowie Forever Young Viktoria aus Gelsenkirchen und Empty Veins aus Münster. Das alles für lumpige zwölf Euro.

The Saddest Landscape, Svalbard, Forever Young Viktoria,
Empty Veins, Essen, Café Nova, 13.01.2017


Als Empty Veins den Abend pünktlich eröffnen sind bereits ein paar Dutzend Leute anwesend. Für mich bis dato unbekannt, sorgen die fünf Münsteraner mit ihrem Mix aus Punkrock und melodiösem Hardcore bereits für ein wenig Bewegung und wissen mit abwechslungsreichen Gitarrenparts und zweisprachigen Gesang zu gefallen. Die Band hinterlässt nicht nur einen positiven Gesamteindruck – auch die Ansagen zwischen den Song überzeugen -, sondern liefert mit diesem Auftritt auch einen guten Auftakt für diesen Abend. Definitiv besser als „nur“ ein Aufwärmer für die folgenden Bands. Auf der Bandcampseite von Empty Veins könnt Ihr Euch davon selbst überzeugen und der aktuellen EP Tumult ein wenig Aufmerksamkeit schenken.

Nach viel zu langer Umbaupause standen wieder einmal Forever Young Viktoria auf der Bühne. Die vier Jungs sind offenbar Stammgäste im Cafe Nova. Zufälligerweise auch bei der letzten The Saddest Landscape Show im Cafe Nova (Konzertbericht). Damals mit den großartigen The Tidal Sleep (und so sollte sich zumindest ein Kreis heute Abend schließen, doch dazu gleich mehr). Forever Young Viktoria musste ich aber wie immer unter „Ok, die waren auch da“ abhaken. Zu viel Show, zu viel Rockgehabe. Nicht mein Ding. Die nächste Umbaupause.

Dann Svalbard. Deren Debütalbum One Day All This Will End (Review) rotiert in regelmäßigen (kurzen) Abständen auf meinem Plattenspieler und ist immer noch einer meiner liebsten Platten der letzten Monate. Dann jedoch gleich die erste Überraschung. Sängerin und Gitarristen Serena steht an diesem Abend nicht auf der Bühne. Den Grund sollten wir an diesem Abend zwar nicht erfahren (das ist der Fluch eines Lebens ohne Facebook). Aber Nicolas von The Tidal Sleep (Gesang) und Mark von Group of Man (Gitarre) sollten Serena ersetzen. Auf der einen Seite war das natürlich etwas enttäuschend, denn insbesondere der Wechselgesang von Serena und Liam hat einen ganz besonderen Charme. Auf der anderen Seit machte Nicolas samt Spickzettel vor den Drums aber einen klasse Job. Wenngleich sein Gesang in der ersten Hälfte des Sets kaum zu hören war. Allerdings ist das im Cafe Nova keine Seltenheit. So oder so, Svalbard legten auch in Alternativbesetzung einen großartigen Auftritt hin. Ihr einzigartiger und intensiver Sound, der irgendwo zwischen (Post-) Hardcore, Black Metal, Crust und Screamo seine Kreise zieht, ist auch an diesem Abend trotz der widrigen Umstände einfach mitreißend. Die Songs berühren und bewegen aufgrund ihrer emotionalen Kraft allesamt in jeder Sekunde. Mit diesem Gefühl war ich offenbar nicht allein. Schließlich war der Raum gut gefüllt, die Stimmung prima, in den ersten Reihen wurden die Songs textsicher mitgesungen und nur wenige blieben still auf der Stelle stehen. Insgesamt wieder ein großartiger Auftritt der Band aus Bristol, der abgesehen von den anfänglichen technischen Problemen keine Wünsche offen ließ. Naja, etwas weniger Beleuchtung wäre schön gewesen, um die Atmosphäre der Songs noch mehr zu unterstreichen. Aber das ist auch schon meckern auf hohem Niveau.

Zum Schluss dann der Auftritt der Screamo-Götter (so gelesen im Flight13-Katalog). Der Raum vor der Bühne ist wieder gut gefüllt. Sänger Andy Maddox bedankt sich für fünfzehn Jahre Unterstützung und lädt alle Anwesenden dazu ein, sich das Mikro mit ihm während der Show zu teilen („this is where we unite“). Und so kam es wie es kommen musste. Auf der einen Seite entwickelte sich so eine tolle Hardcoreshow, in der einige aus dem Publikum, zumindest gefühlt, öfter ins Mikro schrien als Andy selbst. Auf der anderen Seite fehlte den Songs so jedoch der oft verzweifelt klingende Gesang, der dann auch noch recht häufig der Technik zum Opfer fiel. So verfolgte ich diesen Auftritt zumindest mit einem weinenden Auge. Aber dennoch, trotz dieser Umstände sind The Saddest Landscape eine erstklassige Liveband, die für einen Gänsehautmoment nach dem anderen sorgt und einen Saal jederzeit zum Kochen bringt. So flogen dann auch einige Stagediver durch den Raum und abgesehen von einer kurzen Bierputzpause wurde vor der Bühne ausgiebig getanzt. Mitgesungen und mitgeschrienen wurde natürlich auch. Nicht nur ins Mikro. Und gerade in Songs wie Eternity Is Lost on the Dying und Textzeilen wie „we are desperate kids doing extraordinary things and we are just like you “ kommt das richtig gut. Nach einer kurzen Zugabe ist dann um kurz nach elf Schluss. Aussagen zur wiederholt letzten Tour gab es dieses Mal nicht. Freuen wir uns also auf die hoffentlich nächste Tour von The Saddest Landscape und vor allem von Svalbard.