reinhören: dave hause – bury me in philly

Dave Hause - Bury Me In Philly (Coverartwork)Ganze sechs Jahre ist es nun schon her, dass Chuck Ragan erstmals mit seiner Revival Tour durch den Kontinent reiste und unter anderem in der Kölner Live Music Hall halt machte. Und, um ehrlich zu sein, allein der Auftritt von Dave Hause ist mir in Erinnerung geblieben. Wohl, weil er an diesem Abend mit Leidenschaft, Energie und Witz (ohne es wie Mr. Fallon zu übertreiben) überzeugen konnte. Seitdem ist der The Loved Ones Sänger und Gitarrist ausschließlich auf Solopfaden unterwegs. Mit zwei Soloalben, Resolutions im Jahr 2011 sowie dem zwei Jahre später folgenden und recht positiv aufgenommenen Devour, konnte er sich eine treue Fanbasis vor allem hier in Europa aufbauen. Doch während seine Liveshows in den vergangenen Jahren immer ein Garant für einen großen Abend waren, konnten mich seine Studioalben bisher nicht mitreißen.

Nun steht Bury Me In Philly, Album Nummer drei, in den Plattenregalen. Auch das reißt mich nicht gleich vom Hocker. Weckt aber mein Interesse und nach einer gewissen Zeit zündet dann der Funke. Das liegt vor allem daran, dass Dave Hause sich nun weitaus mehr auf seine musikalischen Wurzeln besinnt. Mehr Punkrock und vor allem mehr Rock als zuletzt. So haben die Songs haben nun endlich den Drive und den Charme, der sonst nur live hörbar, vor allem aber fühlbar wurde. So gibt Dave seinen Songs nun erstmals das, was sonst nur auf der Bühne anzutreffen war: Authentizität. Offenbar brauchte es die Wärme und die Atmosphäre seiner Heimatstadt Philadelphia, um diese auch im Studio einzufangen. So setzt er zum einen auf harte Arbeit. Diese zeigt nicht nur die Verbundenheit zu seiner Heimatstadt und ganz im Sinne seiner Vorbilder Springsteen und Bragg zur heimischen Arbeiterklasse, sondern erweckt auch den Eindruck, dass diese Scheibe mehr sein soll als nur eine weitere unter vielen verwandten Veröffentlichungen.

Zum anderen greift er auf Altbewährtes zurück – der Einfluss von Bruce Springsteen ist nun nicht mehr zu überhören -, versucht sich gar nicht erst an Experimenten und kombiniert das gekonnt mit seinen Stärken. Das sind in erster Linie seine Stimme und so widersprüchlich es klingen mag, der Hang zur Einfachheit. So sind die Songs durchweg einfach aufgebaut und arrangiert. Lediglich einige Pianoklänge, Mundharmonika-Töne und Gitarrensoli setzen Akzente mit Wiedererkennungswert. Wobei sie dann nicht wirklich überraschen, sondern einfach nur die Stimmung der Songs auffangen. Altbewährtes eben.

Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf einer druckvollen und rotzigen Dynamik, so dass ich hin und wieder tatsächlich das Gefühl habe, eine neue The Loved Ones Scheibe zu hören. Und da ist sie dann, die Energie, die Frische und die Leidenschaft, die live immer vorhanden ist. Getragen von einem treibenden Schlagzeug und teilweise stampfenden Beats versprühen die Songs durchweg gute Laune. Selbst dann, wenn die Texte eine andere Sprache sprechen. Dabei dominiert Daves charismatische Stimme wie gewohnt die Songs, welche die Geschichten seiner Heimatstadt, ihrer Menschen und ihrer Sehnsüchte mitreißend zu erzählen wissen.

Zudem zeigen sie, dass es nicht viel braucht, um eine gute „Singer-/Songwriter“ – Scheibe (mit Bandunterstützung) zu machen. Keinerlei komplizierter Dinge wie spektakuläres Songwriting oder nobelpreisverdächtige Lyrik. Lediglich ein paar wenige authentische Alltagsgeschichten, die bewegend erzählt werden. Dave Hause macht genau das. Und so kommt Bury Me In Philly zwar ohne echte Highlights daher. Ist aber dennoch eine mehr als hörenswerte Scheibe, die sicherlich zu den besseren des Holzfällerhemdenrockgenres der letzten Zeit zu zählen ist.

Dave Hause – Bury Me In Philly

VÖ: 03. Februar 2017
Label: Rise Records

Tracklist:
01. With you
02. The flinch
03. My mistake
04. The mermaid
05. Shaky Jesus
06. Divine Lorraine
07. Dirty fucker
08. The ride
09. Helluva home
10. Wild love
11. Bury me in Philly

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurde mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.