reinhören: code orange – forever

Code Orange - Forever (Artwork)Angesprochen auf die Thematik eine Frau in der Band zu haben antwortet Sänger und Drummer Jami Morgan in der aktuellen FUZE „Wir sind nicht eine von den Bands, die eine Frau als Mitglied haben. Wir sind eine Band, die aus vier Leuten besteht, die einfach zu hundert Prozent sie selbst sind und nicht das Geschlecht, das sie haben… Fickt Euch, wir sind einfach eine Band.“ Deutliche Worte, die oft auch vor der eigenen Szene nicht Halt machen, wenn Verhalten und Einstellungen anderer Bands daneben sind. So kompromisslos (und berechtigt) diese Verbalattacken sind, so kompromisslos sind Jami Morgan und Code Orange auch musikalisch. Das stellen sie mit ihrem nunmehr dritten Album Forever wieder einmal eindruckslos unter Beweis.

Daran ändert zumindest musikalisch und verbal auch der Wechsel ins Majorlager nichts. Wie auch in der Vergangenheit loten Code Orange Grenzen aus. Und zwar nicht nur die eines einzigen Genres, sondern gehen gleich an die Grenzen von Hardcore, Metal, Doom und vielem mehr. Dass die letzten beiden Alben auf Deathwish erschienen, passte daher auch. Auffällig ist jedoch, dass Forever sich noch weiter vom Hardcore entfernt als zuletzt I Am King (Review). Lediglich die zahlreichen Breakdowns, immer wohl platziert und tonnenschwer, erinnern noch daran. Dafür stehen Metelelemente weitaus mehr im Vordergrund. Dazu gesellen sich nun auch vermehrt Industrialparts, die vor allem gegen Ende des Albums stark an Nine Inch Nails erinnern. Dabei ist es durchaus interessant wie diese Welten miteinander verwoben werden. Insbesondere, wenn sich fette Breakdowns und elektronische Beats die Klinge in die Hand geben. Das klingt teilweise verstörend und macht dieses Album wahrlich nicht einfacher. Allerdings ist das im Hause Code Orange auch nichts Neues.

Weitaus überraschender sind da schon die cleanen Gesangsparts. Sowohl von Reba Meyers in Bleeding The Blur als auch von Jami Morgan in Ugly. Ersteres wirkt jedoch aufgrund der doomigen Hintergrundkläne nicht weniger angsteinflößend und düsterer als der Rest des Albums. Gerade diese beklemmende Atmosphäre in Kombination mit plötzlichen brutalen Ausbrüchen und fetten Riffs sorgt immer wieder für einen Schlag mitten ins Gesicht. Die sind schon nicht leicht wegzustecken. Das völlige Fehlen sämtlicher Strukturen – im Prinzip gibt es ein chaotisches Hin und Her zwischen ruhigeren und groovigen Parts sowie dumpfen Beatdownattacken – zeigt deutlich, Klischees und Konventionen haben in der Welt von Code Orange absolut keinen Platz. Somit ist dieses Album auch alles andere als eine Spaßveranstaltung. Nein, dass hier gleicht einem Dauermartyrium, das aus nichts als Wut besteht.

Wer sich darauf einlässt, muss es Code Orange daher zumindest gleich tun, also bis an die eigenen Grenzen gehen. Anders ist das hier nicht auszuhalten. Aber dann ist Forever ein verrückter Trip. Auch wenn die Band aus Pittsburgh es nicht schafft, die eingangs genannten Grenzen, wie eben Converge oder auch Dillinger Escape Plan, neu zu setzen. Aber dennoch, auch Album Nummer drei aus dem Hause Code Orange ist wieder ein hörenswerter, wenn auch schwer verdaulicher Brocken.

Und ja, Forever ist auch der perfekte Soundrack für hirnlose Ausraster vor jeder Bühne. Leider sind Code Orange auch ein Synonym dafür. An der Qualität dieser Scheibe ändert das aber nichts. Dies gilt übrigens auch für das gewohnt schräge, aber sehenswerte Cover, das noch einmal vom Artwork her an die Deathwish-Tage erinnert. Ein Grund auf die Vinylversion zurückzugreifen. Wenn da nicht der hohe Preis wäre (bei Roadrunner herrscht eben eine andere Preispolitik)…

Code Orange – Forever

VÖ: 13. Januar 2017
Label: Roadrunner

Tracklist:
01. Forever
02. Kill the Creator
03. Real
04. Bleeding in the Blur
05. The Mud
06. The New Reality
07. Spy
08. Ugly
09. No One Is Untouchable
10. Hurt Goes On
11. Dream2