Konzertbericht: Together Fest 2017 in Essen

Große Namen sind nicht gleichbedeutend mit einem großen Konzert. Mit diesem Gefühl, einem Gefühl großer Enttäuschung, verließ ich vergangenen Freitag das Together Fest 2017 in der Essener Zeche Carl. Bereits im letzten Jahr habe ich lange überlegt, ob 32,- für eine Hardcoreshow ein gerechtfertigter Preis sind. Bezahlt habe ich dann und war glücklich über zwei mitreißende Auftritte von Touche Amore und Modern Life Is War. Für die Legende Gorilla Biscuits galt das nur bedingt, denn deren Livepower ist längst verflogen. Nun also 32,- Euro für Youth of Today, American Nightmare, Trash Talk, Vanishing Life und Wolf Down. Allein die Tatsache, dass die Show kurzfristig von der Weststadthalle in die kleinere Zeche verlegt wurde, ließ es schon erahnen, diese Namen haben für diesen Preis nicht die Anziehungskraft wie die des Vorjahres. Umso trauriger, dass selbst die kleinere Location nicht einmal ansatzweise ausverkauft war. Genauso unglücklich lief wohl auch die Kommunikation innerhalb der Zeche Carl. Auf meine telefonische Anfrage, ob denn um 19.00 Uhr Einlass oder Beginn sei (auf der Homepage stand lediglich 19.00 Uhr), erhielt ich die Antwort, dass um 19.00 Uhr Beginn sei. Und so stand ich um viertel nach sieben in der Halle, nur um festzustellen, dass Wolf Down bereits gespielt hatten. Fragen lohnt sich eben nicht immer. Leider gab es auf meine freundliche Beschwerde nur ein nichtwissendes Ausweichen und den Hinweis auf ein unerfreuliches Kommunikationsproblem. Pech gehabt.

So eröffnete Walter Schreifels meinem Abend mit der Vorstellung seiner aktuellen Band Vanishing Life. Dankenswerterweise war mein Ärger über den verpassten Wolf Down Auftritt dann auch schnell (zumindest zeitweise verflogen). Denn Vanishing Life sollten dann auch schon der Highlight an diesem Abend gewesen sein. Zum einen begeistern die Texte und Ansagen von Walter Schreifels, die das aktuelle Weltgeschehen und die moderne Gesellschaft intelligent und mit einem gewissen sarkastischen Unterton kommentieren. So was höre ich gern. Zum anderen gibt es einen interessanten musikalischen Mix aus punkigen Rock´n Roll mit Alternative-Rock-Touch, der seine Hardcorewurzel jedoch nicht verschweigt. Leider waren nicht alle Besucher*Innen wie von Walter Schreifels angesprochen open-minded und verließen während des Sets den Raum. Persönlich aber bitte mehr Experimente wie diese.

Gleiches gilt im Prinzip auch für Trash Talk, die mit ihren kurzen Attacken irgendwo zwischen Hardcore, Grind und Trash erst einmal alles niederwalzen, nur um dann mit groovigen Rock-Irgendwas-Parts die Songs ausklingen zu lassen. Leider wirken die Jungs alles andere als hochmotiviert, was insbesondere für den Gitarristen gilt, der doch recht anteilnahmslos auf seine Saiten hämmert. Zudem war das Soundgewitter noch gefühlten zwanzig Minuten auch schon wieder vorbei. Das bin ich von den Studioplatten zwar gewohnt. Aber ganz ehrlich, etwas mehr darf es dann doch sein.

Das setzte sich dann mit American Nightmare fort. Ein kurzer Auftritt durch die Hits der gesamten Schaffensphase, der nur durch ein Gitarenproblem an Länge gewann. Warum auch immer, der Funke sollte an diesem Abend nicht rüberspringen. Zumal die letzten Konzerte unter dem Namen Give Up The Ghost noch in guter Erinnerung geblieben sind. Vor allem Sänger Wesley Eisold wirkte sehr uninspiriert und erweckte den Eindruck, dass gerne überall wäre, nur nicht auf dieser Bühne. Warum die Jungs übrigens wieder unter ihrem alten Namen auftreten blieb an diesem Abend auch ungeklärt. Aber das sind nur Randnotizen.

Dann schließlich Youth of Today und sogleich die erste Überraschung. Auch die Youth Crew, in diesem Falle Ray Cappo, wird mit den Jahren fülliger und lässt daher Textzeilen wie Physically strong gerne unter den Tisch fallen. Daher gibt es auch keine sportlichen Einlagen wie noch vor einigen Jahren. Aber gut, wichtig ist das auch wieder nicht. Aber leider war auch dieser Auftritt alles andere als fesselnd. Auch wenn die Songs sitzen, die vier sichtlich Spaß haben gemeinsam auf der Bühne zu stehen – Walter Schreifels lächelte fast pausenlos – und die Message nach wie vor stimmt, kommt keine richtige Stimmung auf. Dabei bemühen sich die vier New Yorker das Publikum immer wieder zu motivieren. Gelingen tut dies jedoch nicht. Was entweder an zu wenigen Menschen oder eben an der immer noch zu großen Halle liegt. Und ja, das Publikum ist mit Youth of Today eben auch älter geworden und fliegt nicht mehr von der Bühne. Vielleicht besitzen die Bands der Anfangstage auch einfach nicht mehr die Anziehungskraft auf die Kids, die mehr auf die großen aktuellen Acts und deren Merchandisewahn stehen. Der happige Preis wird ebenfalls seinen Teil für den geringen Zuspruch beigetragen haben. So gut ich die Idee, mehrere „Hardcore“-Generationen zusammen zu bringen, auch finde, an diesem Abend ist das leider nicht aufgegangen. Ich bin gespannt, ob 2018 eine Fortsetzung folgen wird und falls ja, wer denn dann die alten Schuhe wieder anziehen wird.