reinhören: meat wave – the incessant

MeatWave - Incessant (Coverartwork)Zwei Jahre nach dem großartigen Delusion Moon hauen Meat Wave nun ihr drittes Album The Incessant auf dem Markt und zeigen erneut, dass Punkrock trotz weniger Akkorde keine Grenzen kennen muss. Die Basis ist nach wie vor einfach und ruppig. Klassischer Punkrock eben. Mit der entsprechenden Experimentierfreude, die Chris Sutter (Gitarre, Gesang), Joe Gac (Bass) und Ryan Wizniak (Drums) hier an den Tag legen, wird das Ganze dann aber sehr aufregend und interessant. Insbesondere der nicht zu überhörende Garagerockeinfluss verleiht den Songs einen rauen und frechen Touch. Doch auch die Akkordfolgen, die es gerne mal disharmonisch mögen, gleichen oft einem Tritt in den Hintern. Und zwar extrem beharrlich.

Das passt dann auch zu den jederzeit bissigen Texten, die vor schwarzen Humor und einer großen Portion Selbstirone nur so strotzen. Lediglich der Inhalt hat sich seit dem letzten Album geändert. Behandelte Delusion Moon noch in erster Linie gesellschaftliche Themen, ist The Incessant nun weitaus persönlicher, da Chris Sutter das Ende einer langjährigen Beziehung verarbeitet. Das führt ihn selbst zum Hauptthema des Albums, Realitätsflucht. So steht der persönliche Blick dann doch wieder im gesellschaftlichen Kontext, betrifft diese Problematik in der heutigen Social-Media-Zeit nicht gerade wenige Menschen.

Doch so traurig Dinge wie Verlust und Einsamkeit auch sein mögen, er findet jederzeit die richtigen Worte, um derlei Gefühlschaos auf charmante Art rüberzubringen, so dass anstatt von Tränen und Wut eher ein Schmunzeln die Folge ist. Aber auch ein Gefühl von „Fuck, vergiss den ganzen selbstzerstörerischen Scheiß, weiter geht’s, es gibt nichts zu verlieren.“

Und daher klingt dieses Album nicht nur frech und schroff, sondern vor allem optimistisch. So empfinde ich Songs wie Kill The Incessant auch nicht zerstörerisch wie der Titel es nahelegt. Vielmehr geht es darum, das Alte oder den sich immer wiederholenden grauen Alltag hinter sich zu lassen, um endlich was zu ändern. Das ist sicherlich an der einen oder anderen Stelle schmerzlich, im Endeffekt aber befreiend. Also genau die richtige Einstellung, wenn das Leben gerade mal scheiße läuft oder die Welt um einen herum genau das ist. Falls dem so ist, legt diese Scheibe auf und steht von Eurer beschissenen Couch auf, denn zweifeln und scheitern gibt es nicht mehr. Werdet endlich lebendig und seid frei. Den Soundtrack hierfür habt Ihr jetzt.

Meat Wave – The Incessant

VÖ: 19.02.2017
Label: Big Scary Monsters

Tracklist:
01. To Be Swayed
02. Tomosaki
03. Run You Out
04. Leopard Print Jet Ski
05. Bad Man
06. No Light
07. Glass Teeth
08. The Incessant
09. At the Lake
10. Mask
11. Birdland
12. Killing the Incessant

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Fleet Union zur Verfügung gestellt.