Konzertbericht: Dave Hause & The Mermaid live in Münster

Dave Hause war bisher immer ein Garant für große Liveabende. Nun hat er kürzlich sein drittes Studioalbum Bury Me In Philly (Review) veröffentlicht und es meiner Meinung nach erstmals geschafft, Authentizität und Energie seiner Liveshows auf einer Studioaufnahme zu verewigen. Die aktuelle Tour kam also gerade recht. Zumal er in diesem Jahre wieder gemeinsam mit einer Band unterwegs ist. Daher hieß es am vergangenen Samstag Dave Hause & The Mermaid live im Münsteraner Skaters Palace.

Den Abend eröffnete Robyn G. Shiels aus Belfast. Leider zeigte das Publikum in den nächsten Minuten alles andere als eine gute Seite. Pausenloses lautstarkes Gelaber störte den gesamten Auftritt. Ist ja schön, wenn Mensch sich ausnahmsweise mal nicht über Social-Media viel zu erzählen hat. Aber dann geht doch bitte nach draußen. Schon mal an die gedacht, die wegen der Musik und der Menschen auf der Bühne gekommen sind? Abgesehen davon ist das äußerst respektlos den jeweiligen Künstler*Innen gegenüber. Derlei Verhalten ist echt zum Kotzen. Robyns Blicke ließen vermuten, dass er das nicht anderes sah. Wie dem auch sei, seine sehr minimalistische Art und Weise Geschichten zu erzählen wusste dennoch zu gefallen. Denn auch mit nur wenigen Gitarrenzupfern kann die entsprechende Wirkung erzielt werden, wenn Stimme und Worte passen. Das ist bei Robyn der Fall. Wobei ein „große“ Halle wie das Skaters Palace hierfür der falsche Ort ist. Zumindest an diesem Abend. In einer kleinen Kneipe, in gemütlicher und freundlicher Atmosphäre (wie während des Auftritts eben nicht) kommen die Songs von Robyn sicherlich richtig gut.

Youth of Today, Gorilla Biscuits, Quicksand, Rival Schools, Vanishing Life. Diese nicht abschließende Liste liest sich wie eine Reise durch die Hardcore-/Punkgeschichte und ist zugleich die Geschichte von Walter Schreifels. Nun steht er mit Dead Heavens auf der Bühne. Und woah, egal was Walter anpackt, das rockt. So auch an diesem Abend. Knapp vierzig Minuten gewaltiger Gitarrenrock mit Blueseinfluss, der zwar nur Altbekanntes liefert und auf feine Detailarbeit verzichtet, aber doch ordentlich kracht. Was anderes war auch nicht zu erwarten. Denn neben Walter Schreifels spielten auch Paul Kostabi, Nathan Aguilar, Drew Thomas bereits in Bands wie Youth Of Today, Bold, Cults oder auch White Zombie. Die Jungs haben also ausreichend Erfahrung, die kombiniert mit einer großen Portion Leidenschaft, mitreißen kann. Die jederzeit sympathischen Ansagen von Walter zwischen den Song tun ihr übriges. Aber gut, schließlich waren wir auch alle Teil seiner Träume. Die meisten Besucher*Innen in der nun gut gefüllten Halle hatten sichtlich Spaß, die Jungs auf der Bühne – allen voran Walter Schreifels – offenbar ebenfalls und zeigten sich sehr spielfreudig. Ich zumindest bin gespannt auf den ersten Longplayer der vier New Yorker, sofern dieser jemals erscheinen wird (bisher gab es nur drei 7inches). Bis dahin halte ich diesen Auftritt in guter Erinnerung.

Nach viel zu langer Umbaupause standen dann Dave Hause & The Mermaid auf der Bühne. Abgesehen von mittlerweile wohl üblichen Intro geht es ohne großes Tamtam mit dem Titeltrack des aktuellen Albums Bury Me In Philly los. Zumindest in den ersten Reihen ist die Stimmung schlagartig on Top. Es wird getanzt und lautstark mitgesungen. Doch der recht breite Graben vor der Bühne sorgt für eine deutliche Distanz zwischen Band und Publikum. Und das passt definitiv nicht zu einer schweißtreibenden Punkrockshow. Und genau die liefern Dave Hause & The Mermaid an diesem Abend ab. Großen Anteil daran haben auch definitiv The Mermaid, die mit ihrem wuchtigen Sound den Songs genau den richtigen Drive verleihen. Nicht umsonst merkte Dave Hause mehrfach an, dass er froh sei, Teil dieser Band zu sein. Und ganz ehrlich, das hier passt auch wesentlich besser als noch vor zwei Jahren auf seiner „Devour-Solotour“. Dave ist nun einmal mehr Punkrocker als Singer-/Songwriter, denn so ist er einfach authentischer. Und dann ist er eben auch live eine Bank. Die Folge ist eine energiegeladene und spaßige Show mit Songs quer durch alle Alben inklusive dem Revival Tour – Hit Prague. Und so entwickelt sich dann wieder einmal ein großer Liveabend. Wie er eben zu erwarten war. Dave Hause & The Mermaid live? Immer wieder gerne.