reinhören: open city – s/t

OpenCity_st_CoverartworkRachel Rubino (Bridge And Tunnel, Worriers), Andy Nelson (Paint It Black, Ceremony, Dark Blue), Dan Yemin (Paint It Black, Lifetime, Kid Dynamite, Armalite), Chris Wilson (Ted Leo & the Pharmacists) sind vielen sicherlich ein Begrif. Spielen alle vier doch seit vielen Jahren in bekannten Bands und sind seit jeher Teil der Undergroundszene. Vor einigen Monaten haben die vier sich nun zusammengefunden und eine neue Band ins Leben gerufen. Das riecht nach Allstar-Band, schließlich sind „große“ Namen im Spiel. Aber vergessen wir mal diesen angestaubten Begriff und konzentrieren uns auf das, was Open City auf ihrem Debutalbum raushauen. Das hat es nämlich in sich.

I bet you’d like it if I just sat silent and let you speak over me hold your tongue and hear me say “we’ve had enough”

Mit diesen Worten eröffnet Rachel Rubino den Opener Hell Hath No Fury. Genug haben Open Citydefinitiv noch lange nicht und haben vor allem nicht vor die Klappe zu halten. Schließlich gibt es genug Scheiße auf diesem Planeten abzuarbeiten. Ruhig rumsitzen ist daher die falsche Wahl.

I bet you’d like it if we sat in silence and never said anything about how we feel, about what we want, about what we need.

Der hier angesprochene alltägliche Sexismus ist eins der zentralen Themen auf diesem Album. Ein Thema, das selbst in der doch angeblich so offenen Hardcore- und Punkszene, immer wieder mit schönen Worten verdrängt wird. Mit „All these words they don’t mean shit when all you do is yell at bricks“ findet Rachel in Brother I’m Getting Nowhere hierfür die richtigen Worte. Und allein das lässt schon erahnen, wie angepisst das Quartett aus Philadelphia auch nach vielen Jahren in eben jener Szene noch ist.

Das gilt für Rachels Texte, aber genauso für den Sound von Open City. Einflüsse der oben genannten Band sind natürlich deutlich zu hören, werden aber durch andere bekannte Elemente erweitert. So beginnen Songs wie beispielsweise Whose Gods und Nightshift mit typischen OFF! Riffs. Werden dann genau so dreckig wie ein Black Flag Song, ehe dann im letzten Drittel von Nightshift melodischer Punkrock die Oberhand gewinnt. For Shame hingegen groovt gewaltig, während die Gitarrensaiten sich im Hintergrund mit ruppigen Akkorden austoben dürfen. Black Veils schleicht da schon fast durch vier Minuten Melancholie, die immer wieder durch kurze verbale Wutattacken durchbrochen wird, während die übrigen Songs in typischer Liftime und Paint It Black Manier durch verschiede Phasen der Hardcorehistory brettern. Gemein ist allen Songs ein rauer Sound, der vor Melodien nicht zurückschreckt und somit eine Reihe markanter Akzente setzen kann. In Kombination mit vielen feinen Hooks und Tempowechseln bleibt es dann auch abwechslungsreich genug, um den Songs einen eigenen Stempel aufzudrücken. Das ist dann genau der Punkt, an dem viele sogenannte Supergroups scheitern. Entweder sie klingen wie die anderen Projekte ihrer Mitglieder oder sie schießen über das Ziel hinaus und zerstören die Songs durch zu viele Einflüsse, die dann einfach nicht zusammenpassen. Open Cityschaffen jedoch diese Gratwanderung und liefern mit ihrem Debütalbum gleich mal einen echten Hammer ab, der auch mit engagierten, politischen und sozialkritischen Texten zu gefallen weiß. Und das ist in der heutigen, sehr trendigen Hardcorewelt ja nicht mehr allzu selbstverständlich.

Open City – s/t

VÖ: 17. März 2017
Label: End Hits Records

Tracklist:
01 Hell Hath No Fury
02 Whose God?
03 For Shame
04 Black Veils
05 On The Spit
06 Brother, I’m Getting Nowhere
07 Nightshift
08 Nerve Center
09 Sofa Drugs
10 Honest As A Sunday Morning

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Vrrfügung gestellt: