reinhören: lingua nada / paan – split

LinguaPaanSplit_Cover22015 sind sie gemeinsam durch UK getourt. Nun gibt es die erste gemeinsame Veröffentlichung der beiden Leipziger Bands Paan und Lingua Nada. Musikalisch hingegen gibt es nur wenige Gemeinsamkeiten. Außer vielleicht Krach. Den beherrschen beide Bands in allen möglichen Variationen.

Das gilt vor allem für Lingua Nada, die diese Split mit fünf Songs auf der A-Seite eröffnen. Schon nach den ersten Augenblicken ist klar, einfach ist das nicht. Und wird es auch nicht werden bis die Nadel sich wieder von der Platte hebt. Die Jungs wühlen hier ganz tief in Mathrock, Shoegaze, Garagerock, Posthardcore, Pop, Alternative, Indie, Punkrock und was sonst noch so gefällt. Schmeißen all das in wirrer Kombination durcheinander, überlagern Soundelemente unterschiedlicher Art, treten scheinbar wahllos auf die Effektpedale, übersteuern die Instrumente und verzerren die Gesänge. Das Ergebnis ist so was von komplex und chaotisch, dass kein Song auch nur ansatzweise zu greifen ist. Zudem ist das auch noch dermaßen laut, dass man geneigt ist, diesen irren Krach schlagartig zu beenden. Doch dann fällt die Wahl definitiv auf die falsche Pille. Denn das, was Lingua Nada hier liefern, ist einfach ein aufregender Trip durch unterschiedlichste Musiklandschaften, der zwar anstrengend, aber mehr als lohnenswert ist. Lediglich die innere Balance wiederzufinden, erweist sich nach diesem experimentellen Hörerlebnis als schwierig. Aber das sollte in Kauf genommen werden.

Auf der Split geht es dann weitaus weniger vertrackt weiter. Aber Paan sind im Spannungsfeld von Hardcore, Punk und Screamo genauso spannend wie zuvor Lingua Nada. Insgesamt greifen Paan zwar auf Altbekanntes zurück, kleiden das jedoch in ein neues, frisches Gewand. So folgen die Songs zumeist unvorhersehbaren und überraschenden Wegen, die immer wieder abwechslungsreiche Wendungen einschlagen. So mögen die Gitarren es sowohl krachig, wie melodiös als auch verspielt. Das Schlagzeug ist die perfekte Begleitung. Mal dezent im Hintergrund, mal dynamisch die Songs nach vorne treibend. Und wenn die Gitarren dann ausufern, zieht es sich gar komplett zurück. Das Spiel mit laut und leise kommt dann richtig gut. Dazu gesellen sich emotional und dankenswerterweise fast durchweg geschriene Vocals. Wenn Screamo, dann so. Tatsächlich schreien sich hier alle vier Herz und Seele aus dem Leib und das teilweise in gleich mehreren Sprachen. Unterbrochen wird das durch mehrstimmigen Gesang und cleane, ruhige Gesangparts, die wie in Yamaha kurz an die großartigen Listener erinnern. Elemente wie diese lockern die Songs auf und lassen sie nicht ins typische Posthardcoremuster fallen. Dafür sorgen permanente Tempowechsel und gekonnt eingesetzte Spannungsbögen wie im anschließenden Saurion, dass die Songs nicht nur leicht chaotisch wirken, sondern auch nachhaltig fesseln.

Fazit: Zwei Bands, die definitiv mal gehört werden sollten. Diese Split ist dafür die perfekte Gelegenheit.

Lingua Nada / Paan – Split

VÖ: 17. März 2017
Label: Kapitän Platte / Lala Schallplatten

Trackliste:
A1. Lingua Nada – Plastic
A2. Lingua Nada – Corgan
A3. Lingua Nada – Franca
A4. Lingua Nada – Nom Noms
A5. Lingua Nada – The Disasterist
B1. PAAN – Großteig
B2. PAAN – Yamaha
B3. PAAN – Saurion

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Fleet Union zur Verfügung gestellt.