reinhören: nathan gray collective – until the darkness takes us

NathanGrayCollective_UntilTheDarkness_CoverBoysetsfire, The Casting Out, The New Recruits, I Am Heresy. Nathan Gray kann auf eine beachtliche musikalische Geschichte zurückblicken. 2015 zeigte er nach dem Ende von I Am Heresy dann erstmals, dass er auch ohne feste Band musikalisch wie verbal fesseln kann. Das ist natürlich nur eine individuelle Meinung. Hat sich doch in der Vergangenheit gezeigt, dass er sich mit all seinen Projekten an Boysetsfire messen lassen muss. Warum auch immer. Schließlich haben die Jungs auch nur etwas mehr als ein gutes Album veröffentlicht (While A Nation Sleeps und Eulogy in Teilen). Das war nun sicherlich ketzerisch, aber I Am Heresy waren da schon eine weitaus bessere Hausnummer. Aber gut, lassen wir das. Das unter dem Namen NTHNGRY begonnene Solo-Projekt setzt er nun gemeinsam mit Daniel E. Smith als Nathan Gray Collective fort. Mit Until The Darkness Takes Us steht nun auch das erste Full-Lengthalbum in den Plattenläden, finanziert über eine Crowdfunding-Kampagne.

Und der Titel des Albums deutet dann auch schon an, wohin die Reise geht. In die dunklen Seiten der menschlichen Seele. Also genau der Weg, den Boystsfire mit While A Nation Sleeps einschlugen (und mit dem folgenden Boysetsfire wieder verließen) und den I Am Heresy konsequent bis auf Äußerste verfolgten. Lediglich die musikalische Untermalung hat nun ganz andere Wege gefunden. Brachiale Elemente, fette Drums, Hardcore- oder Punkrocksongs finden sich hier nur vereinzelt. Dafür tauchen wir nun ein in Synthi-, Gothic-, Darkwave- und Industrialwelten, während uns immer wieder feinfühlige Klavierklänge wie in Damascus begegnen. Dabei schaffen es Nathan und Daniel immer rechtzeitig den Sprung, dass vor allem ruhige Songs, so rührend sie sein mögen, nicht ins Kitschige abdriften. Davor bewahren Drums und Gitarren in den richtigen Momenten. Derlei Songs wie Anthemic Hearts oder das in Ansätzen krachige At War könnten dann auch auf der nächsten Boysetsfire Scheibe ein Zuhause finden. Sind im Gesamtkontext aber auf Until The Darkness Takes Us genau richtig. Was letztendlich an den Worten von Nathan Gray liegt. Die sind durchweg düster. Was nicht weiter wundert. Kotzt er sich doch immer noch an Religionen aller Art aus und paart das mit einer beachtlichen Portion Satanismus, die sicherlich nicht allen gefallen wird. Aber daran hat er sich ja noch nie gestört. Wenig überraschend ist seine Stimme dann auch wie gemacht dafür, sich an diesen Themen, die ihn bereits seit seiner Kindheit begleiten, mit voller Hingabe abzuarbeiten. Ironischerweise irgendwie von der Kanzel hinab und gewissermaßen wie ein Prediger, was live mehr als sehenswert ist. Nur das hier kein Engel oder dergleichen zu erwarten ist. Aber dennoch, dem Typen hinter dem Holzgestell leihe ich gerne beide Ohren.

Mit diesem düsteren Experiment zeigt Nathan Gray nicht nur seine Vielseitigkeit und die Liebe zu unterschiedlichsten Musikwelten. Sondern auch, dass er abseits egal welcher Konstellation mitreißende Songs schreiben kann. Davon gib es auf Until The Darkness Takes Us einige. Ob das nun gefällt, muss natürlich jede*r für sich ausmachen. Der Versuch sollte aber auf jeden Fall gewagt werden. „Be openminded.“

Ein gelungenes Experiment des Boysetsfire-Sängers quer durch Synthi-, Gothic-, Darkwave- und Industrialwelten.

Nathan Gray Collective – Until The Darkness Takes Us

VÖ. 03. März 2017
Label: –

Tracklist:
01.Heathen Blood
02.Lusus Naturae
03.Skin
04.Desire
05.Damascus
06.Set Up
07.Anthemic Hearts
08.At War
09.Remains
10.Memento Mori
11.Until The Darkness Takes Us
12.Jettison
13.Dark Fire

Hinweis: Das Cover und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Uncle M zur Verfügung gestellt.