Konzertbericht: AYS, Empowerment, Abfukk live in Düsseldorf

Von der neuen Scheibe Worlds Unknown schwer begeistert, die Review grade fertig geschrieben und schon kommen AYS auf Tour. Mit dem Album im Player machte ich mich also auf nach Düsseldorf. Schließlich sollte die Show im Exit Club doch ein Heimspiel für die fünf Jungs, die rund um die Landeshauptstadt leben, sein. Dachte ich zumindest. Aber erst spät am Abend sollte ich eines Besseren belehrt werden. Doch zunächst sah alles genau danach aus. Zehn Minuten Schlange stehen war angesagt. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal vor einem Konzert derart lange anstehen musste.  In der kürzeren Vergangenheit haben selbst „große“ Namen nicht für einen derartigen Andrang gesorgt. Es sollte also voll werden im Exit Club. Einem Gebäude, das mitten in Düsseldorf auf einem ehemaligen Schlachthofgelände steht.

AYS, Empowerment, Abfukk, Ratlord
24.03.2017 – Exit Club, Düsseldorf


Den Abend eröffneten nur wenig später Ratlord aus Düsseldorf. Aber ihrer Interpretation von Death Metal konnte ich auf Dauer nichts abgewinnen. Die Jungs waren zwar laut, aber es fehlte einfach Power und ohne die funktioniert Death Metal einfach nicht. Allerdings bin ich da auch etwas zu „Napalm Death verwöhnt“.

Weiter ging es mit Abfukk. Für deren Studioalben konnte ich mich bisher nicht wirklich begeistern, ganz im Gegenteil zu dem folgenden Auftritt der Jungs aus Wegberg. Was allerdings einzig und allein an Sänger Marcel lag, dessen exzentrische Bühnenperformance mich immer wieder an Patrick Kindlon (End Of A Year, Self Defense Family, Drug Church) oder Jesse Jones (Yuppicide, Blaze Camo) erinnert. Da macht es einfach Spaß zuzuschauen und tröstet auch über die doch sehr einseitig gespielten Punkrocksongs hinweg. Zudem konnte Marcel die ersten Besucher*Innen mitreißen, so dass sich nun die Stimmung auch langsam steigerte.

Das galt dann erst recht für den Auftritt von Empowerment. Sicherlich einer der deutschen Hardcore-Acts der letzten Jahre, die immer wieder durch ihre provokanten Texte auf sich aufmerksam macht. Darüber hinaus eine der wenigen Hardcore-Bands, die deutlich Stellung gegen Nazis, Faschos und dergleichen zeigen und somit aus der großen Masse hervorstechen. Auch an diesem Abend gibt es die gewohnt fette Ladung Hardcore, die mit ordentlich Power daherkommt (kein Wunder, dass Teile des Schlagzeugs ausgetauscht werden mussten). Das führt dazu, dass vor der Bühne teilweise richtig die Post abgeht. Tritt aber die Ansage „die Show ist für alle da“ vom wie immer sympathischen und strahlenden Sänger Jogges mit Füßen. Schließlich war vor der Bühne ein Kampfgewicht von über achtzig Kilogramm ein Muss. Eine Tatsache, die eine junge Besucherin recht früh zu spüren bekam. Aber immerhin wurde sie nach dem Auftritt von Jogges mit einem Shirt getröstet, was irgendwo schon traurig ist. Abgesehen davon legten die fünf Stuttgarter auch heute wieder eine schweißtreibende Show hin, die im obligatorischen Slime-Cover ihren Höhepunkt fand.

AYS ließen sich anschließend lange Zeit für den Umbau auf der Bühne. Als es dann endlich losging, platzte der Exit Club fast aus allen Nähten. Gleich mit dem Opener 3AM vom aktuellen Album Worlds Unknown hatten die Jungs alles fest im Griff. Gewohnt düster und mit viel Energie bretterten sie durch das Set, das neben fast allen Songs des neuen Albums auch einige ältere Songs mitbrachte. Praktischerweise konnten auch Jogges und Marcel ihre Parts in Floodgates und Dog Pound übernehmen, so dass hier insgesamt mit den Menschen vor der Bühne eine große Party gefeiert wurde. So sollte eine Release-Show dann auch ablaufen (naja, eigentlich alle Shows). Zudem sind AYS live einfach ein Bank und erinnern mich an Abenden wie diesen sehr stark an Modern Life Is War. Sowohl von der Power als auch von der Atmosphäre, die von der ersten bis zur letzten Sekunde absolut fesselnd ist. AYS beenden so schließlich einen tollen Abend, der jedoch die Frage offen ließ, warum Sänger Schommer des Öfteren darauf hinwies, diese Location doch bitte nicht weiter zu unterstützen (kein Bier kaufen,…) und dies der erste und letzte AYS-Auftritt im Exit Club sei. Von einem echten Heimspiel kann daher auch keine Rede sein. Aber was auch immer da gelaufen ist, erfahren sollten wir das an diesem Abend nicht. Doch das sind auch nur Randnotizen…