Konzertbericht: Giants, Polar, Empires Fade live in Essen

Gestern spielten im Düsseldorfer Exit Club mit Abfukk, Empowerment und AYS drei deutsche Punk-/Hardcorebands (Konzertbericht), die mich lautstark umgehauen haben. Heute ging es im Essener Cafe Nova mit My Only, Empires Fade, Giants und Polar weiter. Nun also vier britische Hardcorebands. Gefreut habe ich mich dabei besonderes auf Giants, deren Debütalbum Break The Cycle (Review) im letzten Jahr mächtig eingeschlagen hat.

Vorweg bleibt fest zu halten, dass sich, rückblickend auf diese beiden (!) Abende, deutscher und englischer Hardcore nicht nur musikalisch, sondern auch stylisch deutlich voneinander unterscheiden. So waren am Samstagabend einige ausgewählte, hippe Markenlogos auf dem Schuhwerk mal wieder sehr auffällig. Sowohl auf als auch vor der Bühne. Aber es gibt ja auch Typen, die Konzerte als Training ansehen. Gut, wer‘s mag…

Polar, Giants, Empires Fade – Essen, Cafe Nova – 25.03.2017

Nun aber zu den Bands an diesem Abend. My Only habe ich natürlich verpasst. Das mit den Anfangszeiten ist im Cafe Nova ja immer so eine Sache. Daher begann der Abend mit Empires Fade aus Manchester. Die standen heute Abend ohne ihren Sänger Liam Leverton auf der Bühne. Liam musste kürzlich aus gesundheitlichen Gründen die Band verlassen. Dankenswerterweise übernahm der Drummer der Giants bei den ersten Songs Liams Gesangsparts, so dass die Songs doch ordentlich knallten und so zu gefallen wussten. Anschließend ging es dann größtenteils instrumental weiter. Lediglich Gitarrist Mike Bennet konnten seine eher ruhigen Gesangsparts einstreuen. Allerdings wirkt das auf Dauer etwas einseitig. Aber gut, ohne ein zentrales Element fehlt eben auch etwas Entscheidendes. In Anbetracht dieser Tatsache lieferten Empires Fade aber eine gute Show ab.

Dann folgten Giants und die fünf Jungs aus Essex schlugen live genauso ein wie auf ihrem Debütalbum. Schnell war die verpasste Tour des letzten Jahres vergessen. Wobei sich jede Giants-Show, wie es die folgenden Minuten zeigen sollten, mehr als lohnt. Mit viel Energie und Spielfreude sowie einer fette Portion Wut brettern die Giants durch das Set. Sänger Edward Parker rennt pausenlos von einer Ecke zur anderen Ecke der kleinen Bühne im Cafe Nova, während seine raue Stimme gemeinsam mit der Rhythmusfraktion die Songs nach vorne treibt und schreit. Seine Stimme steht dabei immer im schönen Kontrast zu den eher melodiös gesungenen Vocals. Dadurch und durch den steten Wechsel zwischen schnellen, rauen und melodiösen Parts kommt zu keiner Zeit Langweile auf. Im Gegenteil. Denn auch wenn der Sound uns wie gewohnt im Cafe Nova des Öfteren im Stich lässt, sind Power und Spritzigkeit der Songs jederzeit spürbar. So können Sie nicht nur das Publikum erstmals an diesem Abend mitreißen, sondern haben an diesem Abend sicherlich auch einige neue Freunde*Innen finden können. Toller Auftritt.

Anschließend dann die Headliner des Abends. Schnell musste ich feststellen, dass ich hier wohl einiges verpasst habe. Musikalisch habe ich Polar bisher nicht mit sonderlich großem Interesse verfolgt. Irgendwie haben mich die bisherigen Outputs einfach nicht berührt. Daher war mir bisher auch nicht bewusst, dass die fünf Jungs aus Guildford offenbar eine verhältnismäßig große Nummer sind. Immerhin konnte das halbe Cafe Nova alle (wirklich alle) Songs komplett mitschreien. Aber warum muss Sänger Adam Woodford permanent auf einem Podest stehen. OK. Er war nicht der Größte (wie so viele), aber es wirkt doch etwas komisch, wenn er permanent über dem Publikum „schwebt“. Sorry, aber das hatte was von Rockstargehabe. Wer’s mag,… Zumindest für mich war das stimmungstrübend. Dazu die doch sehr einseitigen Songs, auf Dauer einfach zu eintönig und somit langweilig. Aber dennoch, vor der Bühne ging ordentlich die Post ab. Circlepits, Moshpits, Stagediver, alles was das Auge erfreut. Das hat den Abschluss des Abends dann doch gerettet.

So blieb an diesem Abend nur ein starker Giants-Auftritt. Daher immer wieder gerne. Aber auch Empire Fade mit neuem*r Sänger*In sind dann sicherlich einen Besuch wert.