reinhören: employed to serve – the warmth of a dying sun

Employed To Serve - The Warmth of a Dying Sun (Coverart)Eine Welt voller leerer menschlicher Hüllen. Die Angst etwas zu wagen oder das eigene volle Potenzial auszuschöpfen ist allgegenwärtig. Eine Generation, die nichts Positives zum Wohle der Gesellschaft beitragen will. Sich lieber einlullen lässt von Belanglosigkeiten, während die Welt rund herum in Flammen steht. Ein überaus düsteres Bild der Gegenwart, das zugleich alles andere als eine rosige Zukunft verheißt. Genau davon handelt das neue Album von Employed To Serve. Der Albumtitel könnte daher auch nicht passender sein. The Warmth of a Dying Sun. Doch so negativ dieser klingen mag, dieses Album versucht kontinuierlich die Hoffnung zu vermitteln, dass noch nichts verloren ist. Das immer noch Zeit ist aufzustehen und zu handeln. So ist das Album dann auch eine Art lärmende Befreiung aus der alltäglichen Tristesse. Und dieser Befreiungsschlag erfolgt mit einer unerbittlichen Brachialität. War der Sound auf dem Debütalbum Greyer Than You Remember (Review) schon finster und chaotisch, ist der Nachfolger noch wüster und zerstörerischer.

Weiterhin versinken wir in einem düster chaotischen Soundspektrum, das durch einen erneut wüsten Mix aus Hardcore, Metal, Sludge und Post-Irgendwas einfach alles zu Boden reißt. Getragen werden die Songs durch einen immens prägnanten Bass, der wie in Spend My Day (Wishing Them Away) nicht nur alles erdrückt, sondern offenbar bewusst in den Vordergrund geschmissen wurde. Währenddessen frickeln sich die Gitarren immer öfter durch Songs und Nervenkostüm. Geizen nicht mit dissonanten Akkorden und stürzen sich von einem Breakdown in den nächsten. Doch wie bereits in der Vergangenheit kommen diese so unberechenbar daher, dass sie weit entfernt von stumpfen Bollo-Attacken sind (auch wenn das auf einigen Konzerten zu hirnlosen Ausrastern führen wird). Und dann überraschen sie mit melodiösen Parts, die zumindest etwas Luft zum Atmen gebe. Ddoch diesen Pausen sind von kurzer Dauer. Geht doch im nächsten Atemzug die Verwüstungsorgie in die nächste Runde. Insbesondere das entfesselt tobende Schlagzeug zündet das Chaos immer wieder von neuen an, während das messerscharfe Gekeife und Geschrei von Sängerin Justine Jones all ihre Verzweiflung, ihre Wut, ihre Verbitterung mit Nachdruck offenlegt. Das schmerzt.

Dank des unberechenbaren Songwritings, das Employed To Serve hier an Tag legen, wird kein Song auch nur ansatzweise langweilig. Selbst der mit über sechs Minuten lange Titeltrack The Warmth of a Dying Sun dreht sich nicht im Kreise, sondern schlägt mit zahlreichen Wendungen und Rhythmuswechseln immer neue Wege ein und schiebt den Adrenalinpegel auf ein immer höheres Level. Erst im abschließenden Apple Tree werden ruhige, zugängliche Töne angeschlagen. Melancholische Melodien und cleaner Gesang, den wir so noch nie von Justine gehört haben, führen zu einem fast schon versöhnlichem Ende. Aber keine Angst, massentauglich werden weder Employed To Serve noch dieses Album. Denn einfach ist das hier wahrlich nicht. Das hier ist ein permanenter und schonungsloser Schlag ins Gesicht.

So bewahren Employed To Serve mit The Warmth of a Dying Sun die Wucht und das aggressive Chaos ihres Debütalbums, während sie sich in den letzten beiden Jahren deutlich weiterentwickelt und ihren eigenen Sound weiter gefestigt haben. So klingen die neuen Songs dank vieler neuer Soundelemente noch abwechslungsreicher, vor allem aber noch unberechenbarer als zuletzt. Letztendlich ein verdammt gutes Album, das sich durchweg auf hohen Niveau bewegt. Oder einfach ein derbes Mathcore-Brett, das keine Wünsche offen lässt.

Employed To Serve – The Warmth of a Dying Sun

VÖ: 19. Mai 2017
Label: Holy Roar Records

Tracklist:
01. Void Ambition
02. Good For Nothing
03. Platform 89
04. Lethargy
05. I Spend My Days (Wishing Them Away)
06. Never Falls Far
07. The Warmth of a Dying Sun
08. Church of Mirrors
09. Half Life
10. Apple Tree

Employed To Serve - Bandpic_by_Jennifer_Mccord

Employed To Serve by Jennifer Mccord

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Backstage Broadcast zur Verfügung gestellt.