reinhören: crusades – this is a sickness and sickness will end

Crusades_ThisIsSicknessAnd_ArtworkMit Perhaps You Deliver This Judgment With Greater Fear Than I Receive It haben Crusades 2013 ein kleines Meisterwerk geschaffen (das meine ich genau so!). Nach vier Jahren Wartezeit sind die Jungs aus Ottawa zurück und liefern mit This is a Sickness and Sickness Will End erneut ein großartiges Album ab.

Dabei klingt auf den ersten Blick alles ganz anders als auf dem Vorgängeralbum. Der zum Teil mehrstimmige Gesang ist etwas in den Hintergrund gesetzt worden. Der Wechsel zwischen rauen und melodischem Gesang ist nur noch selten zu hören. Was daran liegen mag, dass sich die Thematik leicht geändert hat. War Perhaps You Deliver This Judgment With Greater Fear Than I Receive It noch ein Konzeptalbum über den Anti-Christen und Philosophen Giordano Bruno – wütende Passagen gegen kirchliche Institutionen wurden deutlich in Szene gesetzt -, setzt sich This is a Sickness and Sickness Will End weit mehr mit persönlichen Themen auseinander. Mit erneut philosophischen Anspruch und anti-religiösen (vor allem anti-christlichen) Zügen, geht es dabei vor allem um die Frage „wie wir in einer gottlosen Welt mit persönlichen Verlusten fertig werden (können)“? Ein leicht melancholisch-melodischer Gesang ist daher einfach passender. Crusades gestalten das aber dermaßen abwechslungsreich – es singen weiterhin alle vier Bandmitglieder -, dass die Songs nicht nur genauso klingen, sondern auch unterschiedliche Emotionen und Stimmungen treffend auffangen.

Das unterstreicht auch der lyrische Anstrich der Texte, die eher an eine*n modernen Dichter*In als eine Punktband denken lassen. Für mal „eben so“ sind die anspruchsvollen und oft abstrakten Texte wahrlich nicht. Zumal vieles erst entschleiert werden muss. Auch für This is a Sickness and Sickness Will End sollte sich daher Zeit genommen werden. Dann entfaltet auch der wieder sehr düstere Ton seine volle Wirkung. Denn trotz allgegenwärtiger Poppunk-Einflüsse ist das hier weit weg von der sonst so heiteren Poppunk-Welt. So ist dann ein Song wie 1828 (Father of Waves) schön, traurig, düster und melancholisch zugleich. Wohingegen 1866 (Porch and Portal) mit rauem Gesang, Metalgitarren und Hardcore-Drive ganz anderen Töne anschlägt und die musikalischen Wurzeln der vier Jungs zeigt. Erst gegen Ende legt sich die Wut, sanfte Klänge gewinnen wieder die Oberhand und leiten ein wunderschön verträumtes 1846 (Once Drinking Deep) ein. Der Song wäre eigentlich der perfekte Abschluss für viele andere Alben gewesen. Doch mit dem abschließenden 1657 (Black Curtains Draw) – der Name könnte passender nicht sein – liefern Crusades ein weiteres Highlight, das noch einmal alle Stärken und Stimmungen des Albums auf mitreißende Art und Weise vereint.

Musikalisch wie inhaltlich ist auch dieses Album ein kleines Juwel. Musikalisch, weil kaum eine Band melodischen Punkrock und düstere Hardcore-Wurzeln derart unter einen Hut bringt. Inhaltlich, weil kaum ein Band ernste Themen derart poetisch und hintergründig zu Papier bringt. Komplettiert wird das durch ein dunkles Artwork, das den musikalischen und textlichen Inhalt des Albums nicht besser beschreiben könnte.

Somit bleibt es dabei, wer auf düsteren, melodischen und intelligenten Punkrock mit leichten Hardcoreeinfluss steht, kommt an dieser Band und auch an diesem Album nicht vorbei. Ich selbst habe mich sofort in This is a Sickness and Sickness Will End verliebt. Und das ist nur selten der Fall.

Crusades – This is a Sickness and Sickness Will End

VÖ: 07. März 2017
Label: Anxious and Angry / Sabotage

Tracklist:
01. 1590 (Sickness Never Ceasing)
02. 1828 (Father Of Waves)
03. 1713 (The Scorching Fevers)
04. 1940 (Whirr And Chime)
05. 1894 (Children Of Silence And Eternity)
06. 1866 (Porch And Portal)
07. 1846 (Once Drinking Deep)
08. 1657 (Black Curtains Draw)

Hinweis: Das Bildmaterial habe ich der Bandcamp-Seite der Band entnommen.