ÖKO-TEST widerspricht der DGE: Kinder können vegan ernährt werden

Im vergangenen Jahr hat die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) ihr Positionspapier zur veganen Ernährung aktualisiert. Insgesamt steht sie der veganen Ernährung trotz zaghafter Öffnung auch weiterhin ablehnend gegenüber. So ist sie der Meinung, dass bei einer rein pflanzlichen Ernährung eine ausreichende Versorgung mit einigen Nährstoffen nicht oder nur schwer möglich ist. Darüber hinaus wird eine vegane Ernährung für Schwangere, Stillende, Säuglinge, Kinder und Jugendliche weiterhin nicht empfohlen. Mehr Details gibt es in dieser Stellungnahme zum Positionspapier der DGE.

Und nun kommt ausgerechnet ÖKO-TEST daher und widerspricht der DGE in aller Öffentlichkeit. In der Juni-Ausgabe 2017 gibt es ein dickes Extra in der Rubrik Babys und Kleininder. Und dieses schließt mit einem kurzen Beitrag mit der Überschrift „Vegane Kinderernährung muss gut geplant sein“. Klingt erst einmal wieder kompliziert. Allerdings gibt es mittlerweile ja genügend Lesestoff und Erfahrungen, um sich das erforderliche Wissen anzueignen. Wie bei allen Dingen, dies es neu zu lernen gilt. Im Übrigen sollte das für alle Ernährungsweisen gelten. Dicke und ungesund ernährte Kinder gibt es ja nicht wenige. Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Wichtiger als der Titel sind dann jedoch gleich die ersten beiden Sätze:

„Auch wenn Experten nicht dazu raten: Kinder können vegan ernährt werden. Aber es gibt wichtige Regeln.“

Die ersten sechs Worte gelten der DGE. Der Rest entspricht dem, was viele große Ernährungsorganisationen wie die Academy of Nutrition and Dietetic oder auch der australische National Health and Medical Research Council seit vielen Jahren predigen.

ÖKO-TEST fast die wichtigsten Regeln dann auf einer Drittel-DIN A4-Seite zusammen. Darunter einige Beispiele aus der Praxis, die kurz beschreiben, wie die Versorgung mit Protein, Eisen, Calcium und DHA auch bei Baby und (Klein-) Kindern sichergestellt oder optimiert werden kann. Die zwingende Supplementierung von B12 fehlt natürlich auch nicht. Genauso wie der regelmäßige kinderärztliche Check-Up. Klingt im Prinzip ganz einfach. Ist es auch. Vorausgesetzt, die lieben Eltern informieren sich bei seriösen Quellen und fallen nicht auf irgendwelche Scharlatane herein, die zum Beispiel behaupten, eine adäquate Vitamin B12-Versorgung klappt auch mit pflanzlichen Nahrungsmitteln allein (also ohne Lutschbonbon und Co) oder selbstgemachter Mandeldrink ist eine perfekte Alternative zur Muttermilch.

Auch wenn ÖKO-TEST bisweilen selbst hin und wieder mal in der Kritik steht, ist es an dieser Stelle wichtig, dass es hierzulande neben veganen Stimmen auch andere gibt, die eine vegane Kinderernährung nicht per se verteufeln. Genau das entwickelt sich ja gerade zu einem medialen Volksport. Von daher, vielen Dank.