reinhören: trainwreck – s/t (re-release)

Trainwreck_CoverartworkAls das Debüt von Trainwreck 2006 auf Yskalnari Records erschien gab es diesen Blog noch nicht. Daher auch keine Review. Das kürzlich erschienene Reissue via Moment Of Collapse ist daher die passende Gelegenheit noch einmal ein paar Worte über das erste Output einer der deutschen Hardcore-Bands zu verlieren. Ein Werk, dem zwei Alben (Of concrete Canyons and inner wastelands in 2009 und Old Departures New Beginnings in 2014), eine EP (If There Is Light It Will Find You in 2011) und zwei Split-Singles (2007 mit Comadre und 2008 mit Ghostlimb, Zann und Perth Express) folgen sollten. Daneben konnten wir uns weltweit bei nahezu 300 Konzerten von den (Live-) Qualitäten von Timo, Felix, Andi, Benni, Marc, Michael, Martin und Ralph fesseln lassen. Wer des letzte Konzert der Jungs am 17.10.2015 mit Svffer, Sleep Kit und Jungbluth im AZ Aachen – ihrer „Homebase“ – mitverfolgen konnte weiß, dass an diesem Abend eine großartige und mitreißende Band einen eben solchen Abschied gab.

Bereits mit ihrem Debüt haben Trainwreck ihren Sound gefunden und sind diesem auch treu geblieben. In der Folgezeit haben sie zwar etliche Details hinzugefügt, den Kern aber nicht geändert, sich nicht permanent neu erfunden oder auch nur ansatzweise verbogen, um irgendwelchen Erwartungen gerecht zu werden. In Zeiten von Hardcorekommerz wahrlich keine Selbstverständlichkeit. So sind sie einerseits nicht auf jeden Postirgendwas-Zug aufgesprungen. Und auch wenn andererseits die Screamoschublade zwar immer wieder aufgemacht wurde, passender konnte es dann nicht sein. Denn hier wurde tatsächlich nur geschrien. Der sonst so typische, weinerliche cleane Gesang war bei Trainwreck nie ein Thema. Dafür jedoch klassische Crust- und rotzige Punkelemente, die perfekt zu diesem düster, chaotischen Hardcoreungetüm passen.

So klingen die sechs Songs auch sehr finster, brachial, schwer und gewaltig. Aber an den richtigen Stellen auch mal ruhig mit feinen Melodien. Eine gewisse Nähe zu Band wie His Hero Is Gone lässt sich hier nicht verleugnen. Was hier jedoch in einem positiven Kontext verstanden werden soll. Zumal der doch sehr eigenwillige Trainwreck-Sound stets präsent ist. Mal schleppend, mal mit voller Wucht werden hier unterschiedliche Gefühlswelten gekonnt vertont, einfach passend zu den jederzeit emotionalen und anspruchsvollen Texten. Eben diese sind auch wahrlich keine leichte Kost. Auch wenn uns sogar einige Brocken in deutscher Sprache ins Gesicht gespuckt werden, muss sich Zeit genommen werden, um diese vollends – soweit das überhaupt möglich ist – zu erfassen. Aber alles andere wäre auch weniger interessant. Trainwreck hingegen fordern und packen in jeder Sekunde. So wundert es nicht, dass diese Band bis zum Ende und auch darüber hinaus einzigartig geblieben ist.

Wer das Debüt damals auf Vinyl verpasst hat oder seitdem nur mit der digitalen Version durchs Leben rennt, hat nun die Gelegenheit sich das Vinyl doch noch zuzulegen. Etwas, das lohnenswerter nicht sein kann.

Trainwreck – s/t (Re-Release)

VÖ: 07. April 2017 (Original 19. März 2006
Label: Moment Of Collapse

Tracklist:
01. The Charme Of Flickering Lights
02. Good Bye Bloodsuckers
03. You Can’t Fake The Funk
04. Dust From Our Fingertips
05. Gravity Shift
06. Au Revoir Tristesse

Hinweis: Das Bildmaterial habe ich der Trainwreck-Bandcampseite entnommen.