reinhören: his hero is gone – fifteen counts of arson / monuments of thieves

HisHeroIsGone_FifteenCountsOfArsonObwohl nur knapp vier Jahre Mitte bis Ende der Neunziger aktiv, haben His Hero Is Gone nicht nur zwei Alben und einige 7inches veröffentlicht, die nicht nur einzigartig waren, sondern auch eine ganze Reihe von Bands maßgeblich beeinflusst. Das alles ohne auf gängige Massenmedien, Werbung, Interviews oder große Labels zu setzen. Vielmehr steigerte sich die Bekanntheit der Band fast allein durch Mund-zu-Mund Propaganda, einiger kleiner Szene-Fanzines sowie zahlreichen selbst bedruckten Shirts und Patches. Das in einer Zeit, in der viele Bands andere Wege gingen. Während 1997 das zweite und letzte Album Monuments of Thieves beispielsweise auf Prank erschien, veröffentlichte Victory Records Hatebreeds Sataisfaction is the Death of Desire und zeigte in der Folgezeit welch Kommerz in der Hardcoreszene bereits damals möglich war. His Hero Is Gone und andere Bands hingegen verweigerten sich während ihrer gesamten Schaffensphase sämtlichen Marketingstrategien, buchten zumeist nur kleinere Konzerte mit niedrigen Eintrittspreisen, blieben stets Teil der Undergroundszene und zudem ihrer DIY-Philosophie treu. Gleichzeitig schaffen sie es, der Crust- und Hardcoreszene neues Leben einzuhauchen.

Was aber auch daran liegt, das der Sound, den His Hero Is Gone bereits auf ihrem Demo-Tape Medicine of Thieves (1995 auf Partners on Crime), mehr noch auf Ihrem Debütalbum Fifteen Counts of Arson (1996 ebenfalls auf Prank) und auf dem Zweitwerk Monuments of Thieves prägen, endlich mal wieder innovativ war. Gleichzeitig aber definitiv nicht für die Mainstreammassen zu verkaufen war. Denn hier trifft bitterböser Crust auf tiefschwarzen Hardcore. Aggressiv, wuchtig und mit pessimistischer Grundstimmung zerren die Songs teilweise in bester Discharge-Manier an Nerven und am Psychokorsett. Das Schlagzeug kennt nur einen Weg, immer mit vollem Tempo geradeaus. Tempodrosselungen sind hier rar. Doch dann ist das nicht weniger erdrückend als eine schleppende Doombestie. Der Bass dröhnt, dass die Ohren schmerzen. Die Gitarren spielen derweil gerne und oft die gleichen Akkorde und mögen es zudem verzerrt. Manchmal erinnert das sogar an ganz frühe Neurosis. Nur eine Stufe brachialer. Wobei die Songs zu keiner Zeit in stumpfes Geballer und Gestampfe verfallen. Als wenn das noch nicht genug schmerzen würde, speien die tiefen Vocals bei jedem Wort Gift und Galle. Das alles ist nicht nur immens kompromisslos und direkt, sondern auch so was von energiegeladen und intensiv, dass man Wut und Hass genauso fühlt wie es Musik und Texte gerade ausdrücken. Da überrascht es beinah, dass sich in diesem pechschwarzen Inferno tatsächliche Melodien wieder finden. Die sind aber nicht weniger dunkel als alles andere und stehen dann sinnbildlich für pure Verzweiflung.

HisHeroIsGone_MonumentsToThievesWas auch nicht weiter wundert. Bei all den Themen, die His Hero Is Gone in ihren Songs ansprechen, kann Mensch auch nur verzweifeln. Ob nun Rassismus, ein Übermaß an Technologie in unserem Leben, ein zusammenbrechendes Bildungssystem (vor allem in den USA), soziale Ungerechtigkeiten und deren Ursachen – „Statues built for bastards / Monuments to thieves” lautet die erste Zeile auf Monuments of Thieves, die mit sarkastischen Worten gängige Herrschaftsverhältnisse anprangert – oder der ausufernde Massenkonsum, diese und andere Themen, werden äußerst kritisch und klug thematisiert. Das Gesamtbild war damals wie heute alles andere als rosig.

Nach jeweils einer guten halben Stunde fühlt man sich sinnbildlich durch einen chaotischen Fleischwolf gedreht, wieder ausgekotzt und fragt sich, warum den meisten Menschen alles am Arsch vorbei geht. Dankenswerterweise gibt es Bands wie eben His Hero Is Gone, denen der Verkauf von Merchandise, ein Interview nach dem nächsten oder ein beschissener Kultstatus (keine Statuen, keine Denkmäler) am selbigen vorbei geht. Sich dafür aber mit all diesen Scheiß auseinandersetzen und zumindest versuchen, wenn auch im Kleinen, etwas zu verändern. Irgendwann stand Hardcore ja auch für genau das.

Nach ihrer Auflösung gründeten die Mitglieder von His Hero Is Gone eine Reihe neuer Bands. Darunter auch Tragedy. Und wieder setzten sie neue Maßstäbe. Aber das ist eine andere Geschichte.

His Hero Is Gone – Fifteen Counts of Arson

VÖ: 1996
Label: Prank

Tracklist:
01. Professional Mind Fuckers
02. …And We Burn
02. Unleash
04. Leash
05. Sterile Fortress
06. Good Samaritan
07. Hand That Feeds
08. Rain Dance
09. Voluntary Amputation
10. Anthem For The Undesirables
11. Scalor
12. Concrete Cage
13. Abandoned
14. Thieves
15. The End Result Of 11 Months In The Mental Hospital

His Hero Is Gone – Monuments of Thieves

VÖ: 1997
Label: Prank

Tracklist:
01. Like Weeds
02. Monuments To Thieves
02. Paranoia Secured
04. Carry On
05. Automation
06. Cavities
07. Chain Of Command
08. Headless / Heartless
09. Hinges
10. Sin & Vice
11. The Mess
12. Disease Of Ease
13. Under Watchful Eyes
14. Stacks
15. The Unwanted Child

His Hero Is Gone Discography:

Medicine of Thieves (Cass, Team Murder U.S.A., Partners In Crime, 1995)
Fifteen Counts Of Arson (LP, Prank, 1997)
Monuments To Thieves (LP, Prank – 1997)
The Dead Of Night In Eight Movements (7“, Prank, 1996
His Hero Is Gone / Uranus* – Split E.P. (12“, The Great American Steak Religion, 1997)
Fool’s Gold (7“, The Great American Steak Religion, 1998)
The Plot Sickens: Enslavement Redefined (12“, The Great American Steak Religion, 1998)

Quelle: Discogs