Interview: Róka – fair clothing aus Duisburg

Konsumverhalten. Die Wenigsten machen sich Gedanken über die Herkunft ihrer Klamotten und unter welchen teils unmenschlichen Bedingungen diese hergestellt werden. Erst wenn ein Produktionsgebäude in sich zusammenstürzt und Arbeiter*Innen ums Leben kommen, rückt die Thematik in den Fokus der Öffentlichkeit. Zumindest bis zum nächsten Einkauf bei kik, h&m und anderen Modeketten. Entscheidend ist für die meisten immer noch der Preis der Ware. Alles andere ist ja auch ganz weit weg.
Einige kleinere Labels zeigen jedoch seit Jahren, dass sich auch ohne Ausbeutung von Mensch, Umwelt und Tierwelt tolle Klamotten herstellen lassen. Einer dieser Labels ist Róka – fair clothing hier aus Duisburg. Róka bietet ausschließlich Klamotten an, die unter fairen Bedingungen inkl. Biosiegel hergestellt werden. Zudem werden nur vegane Farben für den Motivdruck verwendet. Nachdem wir uns im letzten Jahr auf dem veganen Weihnachtsmarkt in Duisburg kennengelernt haben, hatte ich kürzlich die Gelegenheit Christina Lukács – Inhaberin von Róka – einige Fragen rund um Róka zu stellen.



Hi Christina, kannst Du bitte erst einmal Dich und Róka kurz vorstellen.

Ja klar! Ich heiße Christina Lukács, bin 33 Jahre alt und lebe in Duisburg. Seit 2 Jahren gibt es nun mein Modelabel „Róka – fair clothing“.

Róka – habe ich nachgeschlagen – ist das ungarische Wort für Fuchs, der ja auch das Label-Logo ist. Hat der Fuchs eine bestimmte Bedeutung für die Dich?
Das ist korrekt 🙂 Meine Eltern stammen aus Ungarn und ich spreche auch die Sprache. Daher wollte ich das gerne mit in meinen Namen/Logo aufnehmen. Es sollte aber was Kurzes und nichts Kompliziertes sein. Füchse sind wunderschöne Tiere und erinnern mich ein wenig an meine Katzen 🙂 Außerdem sagt man, Füchse sind schlau und scheu, wobei ich aber eher die Eigenschaft „scheu“ auf mich beziehen würde bzw. war das früher mal so. Also es gibt da unterschiedliche Dinge, die mich mit dem Fuchs verbinden. Das eindrucksvollste war aber die Begegnung mit einem Fuchs im Duisburger Gewerbegebiet, was ich damals als eine Art Zeichen gedeutet hatte, da ich zu der Zeit mit der Logoentwicklung beschäftigt war.

Die meisten von uns wissen sicherlich nicht, was es bedeute ein Klamottenlabel zu führen. Kannst Du uns einen kurzen Einblick geben, was für eine Arbeit dahinter steckt.
Stimmt, so ging es mir selber zuvor ja auch. Im Grunde wollte ich neben meinem Hauptberuf einfach nur Grafiken designen und diese dann auf Klamotten drucken. Also gehört dazu erst mal das Entwickeln der Grafik und dann das Bedrucken. Beides nehmen schon viel Zeit in Anspruch, je nachdem wie viele Teile man bedruckt. Ich drucke übrigens im Siebdruckverfahren. Vor dem Drucken muss das Motiv erst mal auf das Sieb erstellt werden. Und nach dem Drucken muss das T-Shirt für den Waschgang fixiert werden, dann falten, Etikett dran und in die Inventurliste aufnehmen. Was ich nicht gedacht hätte, ist der Zeitaufwand am Schreibtisch, was Buchhaltung und E-Mails betrifft. Alles muss für die Buchhaltung dokumentiert werden. Dann kommen noch Planung von neuen Teilen und Fotoshootings hinzu und natürlich das Marketing. Ich lerne ständig neu dazu und bekomme Hilfe von meinem Freund, Freunden und meiner Familie.

Deine Klamotten werden allesamt aus fair-hergestellten, biologischen und veganen Materialien hergestellt. Warum sind Dir gerade diese Aspekte so wichtig?
Als ich vor 6 Jahren entschied mich vegan zu ernähren, ging es dabei erstmal nur um die Ernährung. Aber Schritt für Schritt merkte ich, dass man in den anderen Bereichen auch drauf achten sollte und man vegan LEBT. Also wie z. B. bei der Kosmetik und bei der Kleidung. Aber durch Berichte in den Medien und Billigmarken, war mir klar, dass man auch auf Menschen acht geben sollte. Als ich anfing faire Bio-Marken zu entdecken, war mir klar, dass es auch anders und besser geht. Daher war es für mich direkt klar, das ich bei meinem Label auch darauf achte, wie die Produkte hergestellt werden und womit diese zertifiziert sind.

Wie stellst Du sicher, ob alle Hersteller*Innen die jeweiligen Standards für zum Beispiel FairTrade oder Bio auch einhalten?
Ich informiere mich natürlich bei dem Hersteller und dieser hat die wichtigen Label-Zertifizierung seiner Produkte. Mit diesen wird sichergestellt, dass die gesamte Wertschöpfungskette fair und ökologisch ist. Also das die Menschen gut bezahlt werden und keiner Chemie ausgesetzt sind. Aber auch, dass die Textilien ohne Chemie behandelt werden und biologisch sind. Mein nächster Schritt ist es aber selber T-Shirt Schnitte zu produzieren in kleiner Auflage. So bin ich noch näher am Produzenten und kann eigene Idee umsetzen.

Versucht Ihr bei Events die Besucher*Innen auch darüber aufzuklären, was es bedeutet, dass Klamotten unter fairen Bedingungen hergestellt werden oder vegane Materialien verwendet werden?
Mittlerweile werde ich auf Events oft gefragt ,woher die Textilien stammen, aber auch was daran vegan sei. Wir beantworten die Frage immer so gut es geht. Auch wenn es mal unfreundliche Besucher gibt. Aber die Meisten sind interessiert daran und lassen sich aufklären oder wollen mehr erfahren. Gerade Besucher ab 35 Jahren fragen nach. Das ist auch gut und daran merkt man, dass das Interesse da ist aber auch, dass es noch Unklarheiten gibt.

Du hast kürzlich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Warum erst jetzt – Roka gibt es ja schon etwas länger – und was waren letztendlich die Gründe Deinen Job hinzuschmeißen und Dich komplett auf Roka zu konzentrieren?
Genau, seit April bin ich nun selbstständig und es ist spannend. In erster Linie lag das an der finanziellen Sicherheit, da ich keinen Kredit von einer Bank habe und ich somit mit meinem angesparten klar kommen muss. Allerdings war der Schritt nicht leicht, aber ich dachte mir, wenn nicht jetzt wann dann. Den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht.

Du verkaufst Deine Klamotten von daheim oder auf Events. Dürfen wir uns in Zukunft auch auf Ladenlokal freuen?
Letztes Jahr waren wir auf 19 Events deutschlandweit unterwegs und dieses Jahr werden es wahrscheinlich genauso viele. Mittlerweile bekommt man Róka auch bei ein paar Händlern, die ebenfalls auf meiner Homepage zu finden sind. So eine Art kleines Ladenlokal ist in Planung, ja 🙂 Das wird aber erst einmal getestet.

Ihr habt kürzlich in Oberhausen den Fair Brand Market veranstaltet. Wie kam es dazu?
Die Idee kam mir auf einem anderen Event, dem Mampf in Düsseldorf. Mir fehlte einfach noch ein Markt, wo es nur um faire Kleidung und Accessoires geht. Wichtig war uns aber dabei, dass es kleine und noch unbekannte Labels sind, denn diese haben es anfangs natürlich nicht so leicht und die großen fairen Marken sind schon recht gut vertreten. Es lohnt sich aber auch die kleinen lokalen Marken zu unterstützen.

Wie waren Resonanz und Feedback für den Fair Brand Market?
Obwohl wir nicht das erhoffte Bombenwetter hatten, kam es richtig gut an. Wir hatten über 500 Besucher und so um die 20 Aussteller (mit veganen Essensständen). Die Besucher als auch die Aussteller waren sehr zufrieden. Bei der aller ersten Veranstaltung ist es ja meistens schwer einzuschätzen wie viele Besucher kommen und dann zu hoffen, dass die Aussteller auch zufrieden sind, weil ja doch eine Art „Konkurrenz“ da ist, obwohl auch Vielfalt da ist. Mit einem kleinen Frühstück vor Beginn, wollten wir aber zeigen, dass es keine Konkurrenz gibt und man zusammen halten sollte. So konnten auch einige untereinander neue Kontakte knüpfen.

Mittlerweile verkaufen auch große Ketten wie H&M oder C&A auch Bio-Textilien. Wie beurteilst Du das?
Da kommt schnell der Begriff „greenwashing“ ins Spiel. Diese Ketten verwenden vielleicht wirklich Bio-Baumwolle und kreieren dann ihr eigenes Label-Zertifikat dafür, aber fair sind die Klamotten dadurch leider nicht. Damit werden die Kunden angelockt und ob sie wirklich umweltfreundlich bezweifel ich.

Welche Projekte planst Du für die Zukunft?
Für nächstes Jahr wollen wir den Fair Brand Market wieder planen. Vielleicht noch größer. Zurzeit designe ich neue Motive und Ende des Jahres gibt es wahrscheinlich schon was, dass ich direkt beim Produzenten fair und bio produzieren lasse.

Du lebst vegan in Duisburg. Essen gehen und einkaufen, hast Du ein paar Insidertipps für uns?
Wir wohnen in Duisburg-Neudorf und da fallen mir zum Essen gehen direkt die Krümelküche ein oder die Pommeserei. Aber auch in der Innenstadt bei Lolu oder Pizzeria Bellini wird man satt und glücklich 🙂 Um faire Kleidung zu kaufen ist das fairhavn in Essen nicht weit.

Vielen lieben Dank für das Interview.

Róka-Onlineshop: https://www.roka-fairclothing.de/

Hinweis: Das Bildmaterial wurde mir freundlicherwiese von Róka zur Verfügung gestellt.