reinhören: sect – no cure for death

SECT_NoCureForDeath_ArtworkMit sogenannten All-Star-Gruppen habe ich in der Regel ja so meine Probleme. Bekannte Namen oder Menschen aus heißgeliebten Bands führen schließlich nicht zwangsläufig zu einem guten Ergebnis. Meistens ist das eher enttäuschend. Ausnahmen gibt es jedoch immer. So war ich auch auf das neue Album von SECT gespannt. Wenn Kurt Ballou als Produzent und Chris Colohan als Sänger (Cursed, Burning Love, Left for Dead) ihre Finger im Spiel haben, werde ich dann doch hellhörig. Wobei das mit „Vegan Straight Edge Hardcore auch so eine Sache ist. Oft werden einfach immer die gleichen alten Phrasen wiederholt. Stupide Langweile ist irgendwann die Folge. SECT beschränken sich jedoch nicht nur auf die Themen Veganismus und Straight Edge, denn schließlich fordert das aktuelle gesellschaftliche und politische Zeitgeschehen nach mehr als nur das. Schreit förmlich nach wütenden Hardcore. Und No Cure For Death ist nichts anderes als pure Wut. Mit einer fetten Portion Crustcore und Deathmetal versehen kanalisieren die fünf Jungs all ihre angestaute Wut und lassen diese in zehn, wenn auch sehr kurzen, Attacken freien Lauf. In gerade einmal siebzehn Minuten saugen SECT die dunkelsten Elemente von Bands wie Trap Them, All Pigs Must Die, Nails, Siege, Entombed und Converge auf und speien diese neu sortiert wieder aus. Das Ergebnis ist eine düstere, schwarze und laute Bestie von Album. Dass dieses Album auf Southern Lord erscheint, wundert kaum.

Das alles passt dann auch zu dem tristen schwarz-weißen Artwork als auch zu den Texten von Chris Colohan. Ob nun Themen wie der moderne Kapitalismus, der nur die Taschen der Mächtigen füllt, zunehmende Apathie, das marode (nordamerikanische) Bildungssystem, das nur die Eliten fördert, oder auch die Beeinflussung der (digitalen) Medien, seine Wut und seine Verbitterung über all das ist jederzeit nicht nur textlich, sondern auch in seiner Stimme zu hören. Und während er sich in jedem Song beinahe schon hasserfüllt die Seele aus dem Leib schreit, erschaffen James Chang (Catharsis, Undying) and Scott Crouse (Earth Crisis, The Path of Resistance) tonnenschwere Gitarrenwände, die sich aus unzähligen fetten Riffs zusammensetzen. Daneben verleihen Bassist Steve Hart (Day of Suffering) und Schlagzeuger Andy Hurley (Racetraitor, Fall Out Boy, The Damned Things) den Songs mit ihrem präzisen Spiel und int ensiveBlast Beats den notwendigen Drive. Der kennt ausnahmslos nur eine Richtung: nach vorne. Wobei alles kompromisslos zermalmt wird, was sich in den Weg stellt. Zeit, um mal kurz Luft zu holen? Fehlanzeige. Es sei denn, die messerscharfen Breakdowns dienen der Erholung. Eher nicht.

So aggressiv dieses Album auch klingen mag, so positiv ist es wiederum im Gesamtkontext zu sehen. Denn schöngeredet oder um den heißen Brei geplappert wird hier nicht. Alles wird direkt und schonungslos auf den Punkt gebracht. Textlich wie musikalisch. Zeilen wie “You built whole worlds on the back of the dead” oder “Orwellian police states” sagen, wenn auch bildlich, alles. Damit ist dann auch die insgesamt kurze Spieldauer (17 Minuten passen auch auf eine EP) durchaus gerechtfertigt. Sagen SECT doch in dieser kurzen Zeit mehr als viele Bands in ihrer gesamten Schaffensphase.

SECT – No Cure For Death

VÖ: 24. November 2017
Label: Southern Lord

Tracklist:
01. Open Grave
02. Day For Night
03. Crocodile Prayers
04. Reality’s Wake
05. Stripes
06. Liberal Arts
07. Born Razed
08. Transaction
09. Least Resistance
10. Avoidance Ritual