reinhören: listener ‎– being empty : being filled

Listener_BeingEmptyBeingFilledDan Smith redet und redet und redet. Zumeist ohne Punkt und Komma. Ohne Unterbrechung. Und tatsächlich, nun singt er auch. Damit wäre auch schon das Wichtigste zum neuen Album von Listener gesagt, wenn ich es mir denn einfach machen möchte. Aber das ist es nicht. Und würde Being Empty : Being Filled nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Zeigen die Jungs doch wieder einmal, dass für sie ein neues Album nur ein weiterer Schritt ihrer musikalischen Entwicklung ist. Und wie im wahren Leben ist Stillstand oft gleichbedeutend mit Langeweile. Selbst dann, wenn der eigene Bandname immer wieder stellvertretend für ein ganzes Genre herhalten muss.

Aber sich auf irgendwelchen Lorbeeren ausruhen? Spätestens nach dem formidablen zweiten Album Wooden Heart wäre die Gelegenheit dagewesen, sich entspannt zurückzulehnen und die Füße hochzulegen. Doch schon das folgende Album Time Is A Machine (Review) zeigte deutlich, Dan Smith hat nicht nur noch mehr zu erzählen. Es gibt auch noch viele andere Wege Geschichten spannend zu erzählen. Und jeder Weg führt zu weiteren. Wobei keiner dem anderen gleicht. Was dann auch für Being Empty : Being Filled gilt.

Und die Tatsache, dass Dan Smith nun hin und wieder seinen Redeschwall unterbricht, um seine Worte in Gesang zu packen oder sich gar völlig zurückzuziehen, ist nur eine von vielen kleinen Dingen, die sich verändert haben. So wie das musikalische Grundgerüst. Während sich in der Vergangenheit die Instrumente eher im Hintergrund platziert haben, drängen sie nun förmlich danach in der ersten Reihe zu stehen. Als hätten sie schon lange darauf gewartet. So geht es plötzlich laut und wuchtig, bisweilen sogar krachig zu Werke. An einigen Stellen gibt es sogar wütende Punkrocktöne zu hören. Und die Herren machen von Anfang an keinen Hehl daraus, dass sich die Grundstimmung geändert hat. Ja, Listener können auch wütend. Gleich der Opener Pent Up Genes macht zu Beginn mächtig Druck. Wird dann gewohnt gefühlvoll. Sogar die Trompete darf Dan Smith noch einmal ansetzen. Doch spätestens die ersten Momente vom folgenden Little Foldes Fingers zeigen, dass Song und Emotionen jederzeit zu explodieren drohen. Kris Rochellle treibt mit seinem wuchtigen Schlagzeugspiel den Song immer weiter nach oben, die schwer rockenden Akkordsalven schaffen es wie auch immer zu folgen. Halten kurz inne und entladen sich dann gemeinsam in einem beinahe schon epischen Hardcorefinale. Da schlägt das melancholische There‘s Money In The Walls schon ganz andere Töne an. Gefühl bewegt es sich auf zerbrechlichem Eis. Findet aber Halt und lässt auch hier die Gitarren atmosphärisch ausufern. Allesamt Klänge, die wir bisher von dieser Band nicht gehört haben. Das Bemerkenswerte daran? Listener finden sich auch auf bisher unbekanntem Terrain bestens zurecht. Sonst wäre das hier auch nicht so groß.

Nicht geändert haben sich hingegen die Geschichten von Dan Smith. Ok, noch immer fühlt es sich an, als wenn das letzte Wort eines jeden Satzes das erste des folgenden ist. Das ist und bleibt nur ein Mittel, um die Bedeutung einzelner Worte hervorzuheben. Und all diese Worte führen schließlich zu einer weiteren Sammlung von Shortstories voller Poesie, die uns und unsere Zeit treffend beschreiben. Die uns unsere Schwächen und Widersprüche zeigen. Jedoch nicht um Kritik zu üben, sondern uns daran erinnern, dass wir daran nur wachsen können. Und so im Kern, voller Hoffnung und Wärme sind.

So erzählen Listener mit Being Empty : Being Filled auch weiterhin mitreißende Geschichten. Nur noch vielschichtiger als zuvor. Was auch dieses Album zu etwas Besonderem macht. Für Listener gilt das ja sowieso.

Anmerkung: Ihren Charme wissen Listener live noch zu steigern. Ein Besuch der anstehenden Tour ist daher fast schon Pflicht. Zumindest für mich.

Listener ‎– Being Empty : Being Filled

VÖ: 02. Februar 2018
Label: Sounds of Subterrania/Cargo

Tracklist:
01. Pent Up Genes
02. Little Folded Fingers
03. There’s Money In The Walls
04. Add Blue
05. Bloodshot/New Love
06. Shock And Value
07. Window To The World
08. A Love Letter To Detroit
09. Manhattan Projects
10. Plague Doctor

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von BITE IT PROMOTION zur Verfügung gestellt.