reinhören: rolo tomassi – time will die and love will bury it

RoloTomassi_-TimeWillDieAndLoveWillBuryIt2015 war Rolo Tomassi (Review) definitiv eins der musikalischen Highlights. Der für Rolo Tomassi typische Mix aus Rock, Punk, Jazz, Synthie, Math- und Harcore hat schlicht bezaubert und gleichzeitig das gesamte Gefühlskorsett auf brachiale Weise auf links gedreht. Rund drei Jahre später erscheint nun das fünfte Studioalbum Time will die and love will bury it derBand aus Sheffield. Die vorab veröffentlichten Songs ließen bereits erahnen, dass erneut großes von Eva Spence, James Spence, Chris Cayford, Nathan Fairweather und Tom Pitts zu erwarten ist. Und um es vorweg zu nehmen, nichts anderes ist eingetreten.

Dabei offenbart sich dieses Album nur langsam. Es beginnt mit einem zarten, gefühlvollen Intro, das fast schon beruhigend wirkt. Aber auch und das ist das Gefährliche, nicht einmal vage andeutet, was die kommenden rund fünfzig Minuten für uns bereithalten. Wer die Geschichte der Band schon länger verfolgt, kann sich zwar denken, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Fraglich ist nur, wann dieser ausbrechen wird. Und welche Wucht er dabei entfachen wird. Alle anderen werden mit Sicherheit bald schwer schlucken müssen. Das folgende Aftermath kommt dann zwar noch durchweg melodisch daher. Zeigt aber in Ansätzen schon die Vertracktheit, die Rolo Tomassi sonst so an den Tag legen. Dabei lässt die engelsgleiche Stimme von Eva Spence an alles denken, nur nicht an das, was noch kommen soll. Tatsächlich zeigen die Fünf sich so zugänglich, wie nie zuvor. Vor allem für den Auftakt eines Albums. Rituals, die erste Singleauskopplung des Albums, zelebriert dann aber das gewohnte Chaos, das sich wie immer verstörend auf sämtliche Gehirnregionen auswirkt. Die bis dato gehörten strahlenden Klänge, sind dank wilder Blast-Attacken, brutaler Math- und Grindcore-Elemente sowie den nun fiesen Vocals schneller nieder geprügelt, als dass sie nachhaltig in Erinnerung bleiben können.

Doch allein die Tatsache, dass dieser Punkt erst im dritten Song nach insgesamt acht Minuten erreicht wird verdeutlicht, es hat sich einiges geändert. Sicher, Time will die and love will bury it setzt in vielen Teilen das Vorgängeralbum Rolo Tomassi fort. Zeigt aber auch, dass Rolo Tomassi sich auch mal zurücknehmen können und uns so weitaus mehr Raum geben zumindest hin und wieder mal Luft zu holen. An vielen Stellen ist das auch bitter nötig. Wirken die wütenden Ausbrüche nun auch umso heftiger. Selten wurden die Gegensätze von Pop und Grindcore derart gegeneinander ausgespielt, während sie einen Atemzug später wieder auf wundersame Weise miteinander verschmelzen. Was natürlich erst einmal paradox klingen mag, die radikalen Wendungen, die wie aus dem Nichts erscheinen, zumindest ansatzweise zu beschreiben vermag.

Und eben dieses Wechselspiel führt zu einer vielschichtigen und facettenreichen Reise, die sich letztendlich zu einem unglaublich mitreißenden Trip entwickelt. Ob nun das hasserfüllte Balancing In The Dark oder die fast schon versöhnlichen Epen A Flood Of Light und Contretemps, die allein aufgrund ihrer Länge von über acht Minuten Länge hervorstechen, oder das mit Jazz, Math- und Hardcore nur so spielende Alma Mater. Jede Station dieser Reise weiß nachhaltig zu begeistern. So wie auch dieses Album, das zwischen bezaubernder Schönheit und brutalem Chaos alles zu bieten hat. Ich habe es kaum für möglich gehalten, aber das hier ist noch etwas ausgereifter, filigraner und zielgerichteter als das Vorgängeralbum und somit bleibt nur: Ein ganz großes Album! Wahrlich ein Meisterwerk.

Rolo Tomassi – Time will die and love will bury it

VÖ: 02. März 2018
Label: Holy Roar Records

Tracklist:
01. Towards dawn
02. Aftermath
03. Rituals
04. The hollow hour
05. Balancing in the dark
06. Alma Mater
07. A flood of light
08. Whispers among us
09. Contretemps
10. Risen

Hinweis: Das Bildmaterial und eine Promoversion des Albums wurden mir freundlicherweise von Fleet Union zur Verfügung gestellt.