Konzertwochenende mit Converge, Crowbar und A Place To Bury Strangers

Nach einer kurzen Konzertpause – es waren einfach keine Bands auf Tour, die ich mir gerne (wieder) ansehen wollte – gab es am vergangenen Wochenende gleich drei meiner Lieblingsbands an zwei aufeinander folgenden Tagen. Freitag Crowbar und Converge in Köln und A Place To Bury Strangers am Samstag in Dortmund. Leider mussten die Autoräder dafür auch knapp 300 Kilometer rollen. Spaß geht definitiv anderes. Aber dank der tollen Nahverkehrsanbindung in den Abendstunden auch ohne echte Alternative. So war ich dann auch Teil des üblichen Verkehrschaos am frühen Freitagabend. Stau ohne Ende und trotz einer Stunde geplanten Puffers Grave Pleasures in der Essigfabrik verpasst. Mist, die wollte ich unbedingt sehen. Und die Band nur beim Abbau zu beobachten ist nicht unbedingt das Gleiche. Verständlich. Somit erst einmal fett enttäuscht.

Converge_Ticket_Essigfabrik

Offenbar haben Thou meine Enttäuschung spüren können und überfuhren mich mit einer tonnenschweren Dampfwalze (wobei diese Gewichtsklasse noch nicht einmal in Ansätzen die Schwere der Songs beschreibt). Natürlich so langsam wie es nur irgendwie geht, um auch den schlimmsten Schmerz voll auskosten zu können. Währenddessen zog das finstere Geschreie des Sängers mein Hirn auf links. Wahrlich keine einfache halbe Stunde, aber zumindest das Richtige, um den verpassten Auftritt von Grave Pleasures zu vergessen. Danke dafür. Dennoch, so sehr ich dieses Kriechen und Suhlen im Sludge mag, so monoton war das Ganze nach einer Weile dann auch. Mehr ging tatsächlich nicht.

Anschließend dann Crowbar. Die Band um Kirk Windstein und (nach langer Pause wieder) Todd Strange lieferte wie gewohnt ein nicht weniger mächtiges Riffbrett. Nichts anderes habe ich erwartet. Schließlich habe ich in den letzten 25 Jahren keine schlechte Crowbar-Show gesehen. Zumal mit einem wie immer gut gelaunten Kirk Windstein. Bei den anderen drei Jungs ist die Stimmungslage ja eher ungewiss. Sludge-Metaler lächeln schließlich nicht. Egal, Crowbar waren wuchtig und laut wie eh und je. Spielten fast nur Klassiker und bieten im Gegensatz zu Thou wesentlich mehr Abwechslung. Natürlich ließen sich auch gerne mal feiern – Metal eben – und bleiben für mich die Metal-Sludge-Hardcore-Band schlechthin.

In diesem Zusammenhang, Converge sind einer der Bands im gesamten Musikkosmos. Was sie in der nächsten Stunde wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis stellten. Nach dem typischen Warm-Up von Jacob Bannon hinter dem Schlagzeug – was immer einen meditativen Eindruck hinterlässt – ging es auch gleich zur Sache. Und wie immer fehlen mir die Worte, um eine Converge-Show zu beschreiben. Das Wort Katharsis nutze ich nicht gerne, aber für diese Band ist es einfach passend. Laut Wikipedia die psychische Reinigung durch Ausleben innerer Konflikte und verdrängter Emotionen, speziell von Aggressionen. Nichts anderes machen die vier auf der Bühne und schaffen es zugleich, das auch vor die Bühne zu transportieren. So bin ich im Anschluss nicht nur schlichtweg beeindruckt, sondern fahre mit einem vollkommen befreiten Gefühl noch Hause. Allein das sagt alles über diese Band. Ok, die Erkenntnis, dass nun offenbar auch bei einem Converge-Gig rockshowmäßig geklatscht werden muss, habe ich sehr schnell unter den Teppich gekehrt. Das mit No Heroes habe ich dann wohl doch falsch verstanden.

Einen Tag später dann ins FZW nach Dortmund, voller Spannung auf ein Krachspektakel von A Place To Bury Strangers. Heute ohne Stau und Baustellenchaos. Dafür mit einem Support, von dem ich noch heute nicht weiß, ob das einfach nur großartig oder für die Tonne war. Ich beschreibe das einfach mal als völlig abgedreht. Irgendwo zwischen Bowie (aus den Siebzigern) und Nine Inch Nails auf totalen Krach gebürstet. Oder einfach Buck Gooter. Da mir die Jungs auch heute noch nicht aus dem Kopf gehen, sind sie wohl nachhaltig in Erinnerung geblieben. Also ja, trashig, aber nicht für die Tonne. Eher gewöhnungsbedürftig bis ungewöhnlich bis angedreht. Vor allem aber laut. Und somit genau der richtige Support für A Place To Bury Strangers.

Das Trio aus New York entfachte wieder ein unglaublich beeindruckendes Spektakel. Musikalisch wie auch visuell. Einfach nur laut und so was von intensiv, dass ich auch nach Tagen noch das Gefühl habe, immer noch vor der Bühne zu stehen und der Krach in mir weiter wütet. „It‘s so real.“ Weiter oben habe ich das Wort Katharsis schon erwähnt. Ja ich weiß, mach ich nicht gerne. Und jetzt gleich zweimal in einem Bericht. Aber verdammt, genau das gilt auch für diese Band, die sich im Vergleich zu den Vorjahren dank Lia Simon Braswell sogar noch steigern konnte. Mit ihrem präzisen und wuchtigen Schlagzeugspiel verleiht sie den Songs einfach noch etwas mehr Drive, sodass Oliver Ackermann nun tatsächlich um Konkurrenz fürchten muss. Allerdings bleibt sein virtuoses Gitarrenspiel auch an diesem Abend (noch) unangefochten. Für ihre Songs gilt das ja sowieso. Egal ob alt oder neu, jeder Song reißt mit, reißt mit, reißt mit. Punkt. Selbst im kurzen Zwischenspiel vor der Bühne zeigen Sie gemeinsam mit dem Buck Gooter Sänger, dass Krach nicht einfach nur Krach sein muss. Purer Krach kann eben auch mitreißen. Solange er intelligent und tricky die Ohren zertrümmert.Leider ging der Gesang auch an diesem Abend wieder etwas unter. Schade, aber auch der einzige Kritikpunkt. Abgesehen vom sehr kurzen Set. Aber mehr kann Mensch auch nicht verarbeiten. Und beeindruckend war es allemal. Eine Zugabe gab es wie gewohnt nicht. Was ich persönlich immer sympathisch finde. Warum sich immer feiern lassen…

Und so endet ein berauschendes Konzertwochenende. Meine Ohren danken es mir noch heute.

Fotos gibt es mal wieder nicht, denn dafür gehe ich auf kein Konzert. Aber irgendwo im Netz finden sich sicherlich ’ne Menge davon.